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Geschäftsführerin Dr. Karin Overlack im Interview

Am HDZ NRW fehlen 500 Parkplätze

Bad Oeynhausen(WB). 30 Jahre Organtransplantation am Herz- und Diabeteszentrum (HDZ): Das hat die Klinik am vergangenen Wochenende unter anderem mit NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann gefeiert. Er hat noch einmal bekräftigt, dass es keine Privatisierungspläne für die Klinik gibt, an der das Land und die private Betreibergesellschaft Sana Holding jeweils 50 Prozent halten. Was bedeutet diese Struktur für das Haus? Welche Projekte stehen im nächsten Jahr an? Was gibt es Neues zum Parkplatzproblem im Dichterviertel? WB-Redakteur Claus Brand hat über diese Themen und weitere mit der Geschäftsführerin des HDZ NRW, Dr. Karin Overlack, gesprochen.

Kurz vor Weihnachten hat Dr. Karin Overlack, Geschäftsführerin des Herz- und Diabeteszentrum in Bad Oeynhausen, im Exklusiv-Interview mit dieser Zeitung zu zahlreichen Fragen rund um die Klinik und ihre Entwicklung Position bezogen. Foto: Marcel Mompour

Sie haben jüngst ihren Vertrag um weitere fünf Jahre verlängert. Was war dafür ausschlaggebend?

Dr. Karin Overlack : Wenn ich mich für etwas entscheide, dann sehr überlegt. Die Entscheidung jetzt war eine Bestätigung der vor gut fünf Jahren, aus Hamburg, wo ich am universitären Herzzentrum zuvor zehn Jahre Herzmedizin gemacht hatte, zum HDZ zu wechseln. Beim HDZ war ich mir damals sehr sehr sicher. Es ist innerhalb der Herzmedizinlandschaft außergewöhnlich, ein Leuchtturm. Es macht einen nach wie vor sprachlos, wenn man ins HDZ hereinkommt, selbst wenn man aus einem Bereich kommt, wo man selbst High End-Herzmedizin betreibt.

Auch das Umfeld einer Mittelstadt im Vergleich zu einer Metropole hat sie nicht abgeschreckt?

Overlack : In einer Mittelstadt mit etwa 50.000 Einwohnern haben Sie hier ein Einzugsgebiet von vier Millionen Menschen. Wenn man das mit Hamburg und 1,8 Millionen Einwohnern vergleicht, muss man sehen, dass es dort drei Herzzentren gibt. Das verdeutlicht Größe und Bedeutung des HDZ. Entscheidend war und ist für mich der Anspruch, hier höchste Qualität zu leben. Mit der Trägerschaft des Landes sind wir in der luxuriösen Lage, in erster Linie auf Qualität zu achten und sich finanziell auf der Null-Linie zu bewegen. Wir sind gemeinnützig und nicht darauf angewiesen, eine Rendite zu produzieren, die maximiert wird. Was erwirtschaftet wird, wird ins HDZ reinvestiert. Das sieht man, auch ich jeden Tag. Ein Universitätsklinikum, wie das in Hamburg, steht insgesamt vor anderen Herausforderungen. Das HDZ kann sich ohne andere Zwänge auf seine Aufgabe fokussieren.

Gibt es vergleichbare Häuser?

Overlack : Hamburg leistet weiterhin tolle Arbeit. Auch das Deutsche Herzzentrum Berlin ist zu nennen, wenn auch in einer veralteten Gebäudestruktur. Aber medizinisch machen die einen hervorragenden Job. Aber keiner ist so spezialisiert wie das HDZ!

Hamburg oder Bad Oeynhausen: Was lässt sich für Sie eher mit Heimat verbinden?

Overlack : Heimat verbindet man mit der Familie. Meine lebt in Hamburg. Das wird auch so bleiben. Ursprünglich ist Heimat, wo man geboren ist, für mich daher München. Hamburg ist jetzt eher mit dem Begriff zu verbinden, da ich Kinder habe, die dort zur Schule gehen. Meine beiden Söhne, 12 und 13 Jahre alt, haben Hobbies, denen sie sich vor allem am Wochenende widmen. Sie spielen Hockey. Dann müssen Eltern am Wochenende in Hamburg auf dem Hockeyplatz stehen. Weniger gemeinsame Wochenenden in Bad Oeynhausen sind die Folge. Etwa alle sechs Wochen sind wir hier.

Was unternehmen Sie dann?

Overlack : Am vergangenen Wochenende hatten wir unsere Veranstaltung zu 30 Jahre Transplantation am HDZ. Meine Familie ist mitgekommen. Sie konnten das Geschehen per Bildschirm verfolgen. Danach haben wir eine Nikolaus-Veranstaltung in Petershagen besucht.

In der Freizeit haben wir beispielsweise auch schon einen Ausflug zu den Externsteinen unternommen. Für uns alle sehr beeindruckend. Das gilt auch für das Detmolder Schloss. Ich liebe es, mit meiner Familie Zeit zu verbringen. Es kommt dabei auf die Qualität der gemeinsamen Zeit an. Einen Ausspruch meines Sohnes werde ich nicht vergessen, als ich gerade in Bad Oeynhausen angefangen hatte. Er sagte: ‚Mama, ich liebe diese Wildnis hier‘. Jedes mal, wenn wir hier sind, spüren wir im Vergleich zu Hamburg, wie viel Ruhe diese Stadt ausstrahlt. Meine Kinder lieben den Kurpark. Eine Tour mit Stadtführer Christian Barnbeck hat uns den Blick für das Schöne in Bad Oeynhausen geöffnet.

Wenn Sie auf Ihre Zeit in Bad Oeynhausen blicken: Was waren bewegende Momente?

Overlack : Immer wieder Patientengeschichten, besonders Kinderschicksale. Ich muss gestehen: Ich gehe nicht gerne auf die Kinder-Intensivstation, weil mir das wirklich nahe geht. Das war noch schlimmer, als meine Kinder noch kleiner waren. Die Kinderherzmedizin kann Kindern eine echte Perspektive bieten. Aber beim Thema Herz sind Leben und Tod auch sehr dicht beieinander. Das geht einem bei Kindern, die verdient haben, ein frohes Leben vor sich zu haben, sehr nahe. Ich muss auch immer wieder an die Familie Kapusta denken, die hier in Bad Oeynhausen, während der Zeit im Elternhaus, noch ein Kind bekommen hat, während der älteste Sohn Theo in der Kinderklinik behandelt wurde. Er hat ein Spenderherz bekommen und hatte eine lange Wartezeit. Sehr rührend fand ich die Begegnungen, als Familie Kapusta zum ersten Herz-Geburtstag nach Bad Oeynhausen gekommen ist. Andererseits gibt es auch Schicksale, wo wir ein Kind verlieren, das man persönlich kennengelernt hat.

Als Geschäftsführerin bin ich sehr glücklich, dass es gelungen ist, in jüngster Vergangenheit mehrere neue Chefärzte ans HDZ zu holen und sie schnell zu integrieren.

2019 geht zu Ende. Welche Entwicklungen stufen Sie für das Haus in diesem Jahr als die bedeutsamsten ein?

Overlack : Die neuen kardiologischen Chefärzte blicken auf das erste komplette Jahr hier zurück. Das Jahr war vom Wirken unserer neuen Klinikdirektoren bestimmt. Es freut mich, dass ihr Zusammenspiel mit dem zuvor vorhandenen Team so gut funktioniert, gerade auch dass der beiden Kardiologen mit der Herzchirurgie. Das passt zu unserem Ansatz, entlang von Indikationen und nicht entlang von Kliniken zu behandeln. In diesem Zusammenhang ist das Herzinsuffizienz-Zentrum zu nennen. Von außen ist das vielleicht nicht so sichtbar. Aber der Patient profitiert in großem Maße vom engen Miteinander der Spezialisten. Er spürt, wie von unterschiedlichen Seiten auf seine Erkrankung geblickt wird. Das gibt ihm Sicherheit, die richtige Therapie zu erhalten. Das zeigt sich auch in der interdisziplinären Patientenaufnahme, für die auch baulich etwas getan wurde. Die Diabetologie ist an der Schnittstelle zur Herzinsuffizienz zu sehen.

Hat es in diesem Jahr größere Bautätigkeit gegeben?

Overlack : Es ist viel renoviert worden. Wir haben Anfang 2019 die Mechanische Kreislauf Unterstützungsstation unter die HTX-Station mit der Betreuung der Patienten vor und nach einer Transplantation gelegt. Der Bereich ist zuvor renoviert worden. Damit einher gehen deutlich mehr Einzelzimmer für unsere Kunstherz-Patienten. So haben wir den Bereich für schwerste Herzinsuffizienz mit Herzunterstützung und Transplant direkt beieinander, mit einem gemeinsamen ärztlichen Behandlungsteam. Seit dem Frühjahr renovieren wir zudem das Stockwerk darunter, das eine Diabetologische Station wird - wie es auch zuvor schon der Fall war. So sind die Verhältnisse dort derzeit ein wenig beengter. Wirklich einschränken musste sich aber niemand, weil die Gesamt-Bautätigkeit der Vorjahre uns räumlich immer noch etwas Luft lässt.

Wie haben sich im Jahr 2019 die Patientenzahlen entwickelt?

Overlack : Im Jahr 2018 hatten wir 14.000 Patienten, bis Ende dieses Jahres voraussichtlich etwa zehn Prozent mehr. Am stärksten wachsen die beiden neuen Kardiologien.

Ist da noch Luft nach oben?

Overlack : Die Patienten und Zuweiser hoffen, dass das so ist. In der Rhythmologie haben wir derzeit ein halbes Jahr Wartezeit. Wir wissen quasi heute schon, wen wir in sechs Monaten in der Rhythmologie behandeln. Auch im Kinder-Herzbereich haben wir lange Wartezeiten. Das ist besonders tragisch und schade. Wir möchten diese Patienten gerne bedienen. Die Versorgungsnotwendigkeit ist da. Wir müssen die Infrastrukturen dafür schaffen. Wenn wir im Frühjahr 2021 den Renovierungsprozess abschließen, werden wir eine volle Station zusätzlich haben. Dann haben wir das Thema Betten-Ressourcen erst mal nicht mehr als Nadelöhr. Aber wir brauchen dann die Menschen, die die Patienten versorgen, eine Station thematisch und personell mit Leben erfüllen.

Was ist für Jahr 2020 geplant?

Overlack : Wir werden kathertechnisch massiv aufrüsten. Wir wollen im Sommer einen zweiten Hybrid-Op ( Anmerkung der Redaktion: Er ist eine Kombination aus einem Herzkatheterlabor mit entsprechender Röntgentechnik und einem Operationssaal ) im Trakt mit bereits jetzt acht OP-Sälen installieren. Es gibt dort einen dafür vorgerüsteten OP-Bereich. Die Zahl dieser Eingriffe wird steigen. 2020 werden wir zudem eine Reihe von Herzkatheter-Anlagen austauschen. Zum Beispiel wird es ein neues Kinderherzkatheterlabor geben, um auf dem absolut neuesten Stand der Technik zu sein. Ein zusätzliches Labor wird im Bereich der Rhythmologie aufgebaut werden, auch für die Schrittmacher- und Defibrillator-Eingriffe, die momentan im OP-Bereich erfolgen. Das lässt mehr operative Ressource entstehen. Auch ein elektrophysiologisches Labor wird getauscht. Das alles muss sehr genau geplant werden, weil es nicht zeitgleich geht, auch, um nicht zu große Leistungseinschränkungen zu haben. Der Hybrid-OP allein liegt bei mehr als einer Million Euro Kosten. Insgesamt werden wir geschätzt um die fünf Millionen Euro investieren.

Was sehen Sie als größte Herausforderung für 2020?

Overlack : Für die zusätzlichen Leistungen das Personal zu finden, auch wenn es uns in Summe bei dieser Frage gut geht. Dem HDZ war es stets wichtig, solide Personalkörper am Start zu haben. Wir kommen nicht aus einer Privatschiene, wo man zu Lasten der Pflege versucht hat, Deckungsbeitrag zu generieren, und sich jetzt plötzlich mit gesetzlichen Personalpflege-Untergrenzen konfrontiert sieht. Das könnte zur Folge haben, Betten aufgeben zu müssen. Man braucht eine sehr solide Personaldecke in der Pflege, um die Patienten gut behandeln zu können. Auch für ein paar Worte neben der reinen Medizin sollte Zeit da sein. Das sind wir den Patienten schuldig. Die gesetzlichen Änderungen sind 2020 massiv. Auch in der Herzchirurgie kommen Personalpflege-Untergrenzen. Das bereitet uns weniger Sorgen als anderen. Aber die detaillierte Ausgestaltung des Gesetzes macht uns an manchen Stellen schon sprachlos.

Wie viele entsprechend qualifizierte Menschen würden sie einstellen, stünde eine Schlange von Bewerbern vor dem HDZ?

Overlack : Das ist leider nicht so. Der Pflegemangel wird noch stärker werden. Ich würde sehr großzügig sein. Wenn es sich um Intensiv-Pflegekräfte und Anästhesie-Funktions-Pflegekräfte mit einem Fokus auf Kinderherz-Medizin handeln würde, dann könnte ich mir fast kein Limit vorstellen. Für eine 20-Betten-Intensiv-Station brauchen sie 80 Vollzeit-Pflegekräfte. Die schon mal zu haben, fände ich toll. Pflegekräfte am Bett einzustellen, damit hätte ich ebenso kein Problem. Das ist von 2020 an voll refinanziert. 50 Pflegekräfte würde ich mit offenen Armen hereinlassen. Dann hätten wir auch Zeit, weiter zu qualifizieren. Wir könnten dann entspannt auch mal den ein oder anderen Personalmangel bewältigen. Derzeit haben wir auf einer Station beispielsweise mehrere Mitarbeiterinnen, die schwanger sind.

Die Stadtwerke Bad Oeynhausen sind dabei, ein Parkraumbewirtschaftungskonzept mit Leben zu füllen. Angenommen, Sie dürfen dem Stadtwerke-Vorstand Wünsche vortragen. Welche sind es?

Overlack : Nur Parkmöglichkeiten in direkter Nachbarschaft des HDZ helfen, nicht irgendwo in Bad Oeynhausen. Aktuell unternehmen wir in diesem Punkt nichts, weil wir abwarten müssen, was die Mühlenkreiskliniken in Bad Oeynhausen im Detail vorhaben. Wenn es eine gute Standort-Konzeption für Krankenhaus und Auguste-Viktoria-Klinik unter einem Dach gibt, wird im Nachklang das Parkraum-Thema gelöst. Es ist aber gar nicht so leicht, ein Standort-Konzept zu entwickeln mit einer Antwort auf die Frage: Was wird in diesem Krankenhaus überhaupt angeboten? Das Land hat sehr klar erklärt, Leistungsschwerpunkte bilden zu wollen.

Und man kann das Krankenhaus ja auch nicht über Nacht in Luft auflösen und am nächsten Morgen einen Neubau an gleicher Stelle haben. Funktionieren könnte es, nach einem Neubau neben dem alten Krankenhaus dann letzteres abzureißen und dort Parkraum über mehrere Etagen zu schaffen. Im Vergleich zu jetzt wäre es eine deutliche Verbesserung. Ein neuer Standort für Krankenhaus und AVK macht für uns nur direkt nebenan Sinn.

Könnte man eine neue Gesellschaft für das Parken gründen?

Overlack : Dazu wäre ein enger Dialog mit den Stadtwerken notwendig. Vom Grundsatz her hatten wir ja überlegt, in Verbindung mit dem gekauften Grundstück an der Schützenstraße, das nach einem Rechtsstreit für das Parken nicht mehr zur Verfügung steht, auf unserem Mitarbeiter-Parkplatz ergänzend ein Parkhaus mit Tiefgarage zu errichten. Das hätten wir aus Eigenmitteln finanziert, mit der Hoffnung, dass es sich durch moderate und für die Stadt übliche Gebühren über lange Zeit amortisiert. Dazu hätte man sich mit den Stadtwerken abstimmen können. Auch ein dritter Partner, ein privater Betreiber, wäre denkbar gewesen.

Wie viele Parkplätze fehlen derzeit am Herz- und Diabeteszentrum?

Overlack : Laut einem vorliegenden Gutachten um die 500. Daher rührt auch der Gedanke, über ein Geschoss in der Erde, eine Tiefgarage, nachzudenken.

Was wäre der ideale Krankenhaus-Standort?

Overlack : Angrenzend an unser Zentrum für klinische Forschung und Entwicklung, kurz ZFE, an der Wielandstraße. Wenn sie ein Luftbild betrachten, ist in dem Bereich freie Fläche zu erkennen. Die spannende Frage wird sein: Wie viel bekommt man auf der freien Fläche unter und muss ein bestehendes Gebäude weichen? Wird dies bejaht, kommen nur das ZFE und das ehemalige Schwestern-Wohnheim in Frage, das umgebaut und in Privatbesitz ist. Diese Frage kann ich derzeit letztendlich nicht beantworten. Ich kann nur sagen, dass das ZFE unser Herzstück für Grundlagenforschung ist, mit teurer Infrastruktur. Neben den Forschungslaboren gibt es dort neueste Server-Räumlichkeiten. Darauf verzichten können wir nicht.

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