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Christina Brudereck spricht in Eidinghausen über Leben und Tod

Auf die Nacht folgt der Tag

Bad Oeynhausen (WB). Es ist unabänderlich und leicht zu ignorieren, aber eines Tages nicht mehr zu bestreiten: Jeder Mensch altert. Christina Brudereck (50) hat beim »Frühstück für Frauen« der Kirchengemeinde Eidinghausen-Dehme über das Thema gesprochen.

Frank Dominik Lemke

Zahlreiche Frauen sind der Einladung ins Gemeindehaus in Eidinghausen gefolgt. Die Schriftstellerin und Pfarrerin Christina Brudereck spricht dort als Gast der Gemeinde Eidinghausen-Dehme über das Leben und den Tod. Foto: Frank Dominik Lemke

»Ich glaube an ein Leben vor dem Tod«

»Ich glaube an ein Leben vor dem Tod«, sagte die Theologin und Schriftstellerin. Wie viele Menschen würden sich grämen, verbittert sein oder einfach Illusionen hinterherjagen und dabei gar nicht leben. Doch der Alltag sei vergänglich: das Haus, der Job, die Beziehung zum Liebsten. Da jeder Mensch sterbe, sei auch jede Liebe zu einem Partner endlich. Der wahre Schatz des Lebens liege nicht im vergänglichen Außen, sondern im Inneren des Menschen. Christina Brudereck hat oft die Erfahrung gemacht, dass mit dem Tod konfrontierte Menschen ihre Einstellung zum Leben verändern. Krankheit und Tod fragten nicht nach, ob es gerade passe oder nicht. Wann eine Krise oder das jähe Ende komme, wisse niemand. Doch sicher sei, dass der Tod irgendwann eintreffe – todsicher. In unserer Gesellschaft sei das ein Tabu. »Doch wer danach fragt, fragt gleichzeitig nach dem Leben«, sagte sie.

Die etwa 180 Frauen als Gast beim jährlichen Frühstück der Gemeinde Eidinghausen-Dehme hörten aufmerksam zu. Sie nickten, als Christina Brudereck von der Angst sprach, im Leben etwas zu verpassen. Sie dachten über Begriffe wie »Loslassen«, »Bitterkeit« und »Liebe« nach. Sie suchten Antworten auf Fragen wie: »Was würden Sie tun, wenn Sie noch einen Tag zu leben hätten?«

Als gläubige Christin stellte sie den Bezug zur Bibel her

»Wenn unsere Antwort nicht das beinhaltet, was wir jeden Tag tun, dann sollten wir etwas ändern«, sagte Christina Brudereck. Das Leben ließe sich nicht aufschieben, da unsere Zeit begrenzt sei. Wer sich das Ende bewusst mache, würde sich auch intensiver mit dem Leben beschäftigen.

Als gläubige Christin stellte sie den Bezug zur Bibel her: mit der Auferstehungsgeschichte und dem Versprechen des ewigen Lebens. Das Mittelalter habe den Menschen auf das Jenseits vertröstet. Die Moderne vertröste ihn auf das Diesseits. »Ich frage mich, was von beidem brutaler ist«, sagte die Referentin. In unserer hektischen Zeit würden die Menschen versuchen, alle ihre Wünsche in 80 Jahre Lebenserwartung zu pressen – ein unmöglicher Anspruch. Ihr Vorschlag: Sowohl das Diesseits als auch das Jenseits anzunehmen, beides in Balance zu bringen.

Viele Gespräche schließen sich an Vortrag an

Ihr Publikum hat nach dem Vortrag lange über die Inhalte gesprochen: über das Nichts nach dem Tod, über das Aufwachen in einer anderen Welt, über die Angst vor dem Sterben und Vertrauen in Gott. Lydia Kleimann aus Eidinghausen fand den Vortrag sehr überzeugend: »Christina Brudereck spricht aus persönlicher Erfahrung. Sie brachte viele Beispiele, wie Menschen den nahen Tod erleben. Das macht sie glaubwürdig.« Wesentlich sei die Erkenntnis, dass das Leben intensiver sei, wenn man sich selbst begrenze und das Ende akzeptiere. Das »Ja« zum Leben und zum Tod ist für Christina Brudereck eingebettet in den Glauben der christlichen Liebe: »Ich vertraue darauf, dass die letzte Nacht in einem neuen Morgen aufgeht.« Nähere Informationen gibt es im Internet: www.christinabrudereck.de

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