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Geschäftsführer Cornelius Nolte hält zeitnahe Öffnung für unwahrscheinlich

Bali-Therme auf der „Verliererseite“

Bad Oeynhausen (WB). Immer lauter werden die Rufe aus der Bevölkerung und aus den Vereinen, dass die Bali-Therme wieder öffnen muss – egal, unter welchen Corona-Schutzbedingungen oder Hygienevorschriften. Geschäftsführer Cornelius Nolte erklärt im Interview mit Volontär Louis Ruthe, weshalb das Freizeit- und Wellnessbad in der Kurstadt derzeit nicht öffnen kann und wird – auch nicht in Teilen.

Seit Mitte März ist die Bali-Therme geschlossen. Bislang sorgen laut Geschäftsführung die Corona-Auflagen dafür, dass eine Öffnung des Freizeit- und Wellnessbades nicht wirtschaftlich wäre. Deshalb wollen die Investoren eine Öffnung vermeiden. Foto: Louis Ruthe/Archiv

Herr Nolte, andere Freizeitbäder in der Region haben seit Wochen geöffnet, warum die Bali-Therme nicht?

Cornelius Nolte: In Deutschland gibt es 7600 Bäder, davon sind 380 Freizeitbäder. Von diesen sind wiederum etwa 40 in rein privater Hand – wie die Bali-Therme. Der Rest bekommt Zuschüsse von der Kommune, dem Land oder dem Bund. Da werden viele Millionen gezahlt. Trotzdem sind fast 99 Prozent aller Bäder defizitär. Diese Gelder haben wir nicht. Wir können keine Millionenverluste einfahren, die von öffentlicher Hand aufgefangen werden.

Das heißt?

Nolte: Durch den Verkauf der Bali-Therme im Januar 2019 von der Familie Theune an den Investor International Wellness Resort (IWR) aus den Niederlanden mit seinen Anteilseignern in Spanien ist die Bali-Therme wirtschaftlich komplett neu aufgestellt worden. Seitdem fließt kein Cent an Zuschüssen mehr. Trotzdem ist 2019 ein gutes Jahr gewesen, da die Familie Theune 15 Jahre lang sehr gute Arbeit geleistet hat. Es konnten Gewinne erzielt werden. Große Rücklagen konnten in diesem einen Jahr mit der IWR allerdings nicht gebildet werden.

Ist es nicht besser etwas Umsatz zu generieren als gar keinen?

Nolte: Nein. Bei einer so gelagerten Freizeitanlage wie der Bali-Therme haben wir einen hohen Anteil von Fixkosten. Sei es das Personal oder die technische Aufbereitung des Wassers sowie die Lüftungsanlage. All das muss auf 100 Prozent laufen, trotz einer sehr geringen Kundenzahl. Schon bei Umsatzeinbußen von zehn Prozent im Jahr schreiben wir rote Zahlen.

Die komplette Schließung beinhaltet doch auch, dass Sie rote Zahlen schreiben?

Nolte: Das ist richtig. Jedoch können wir die Verluste etwas besser kalkulieren. Mal angenommen, wir gehen das Risiko ein und die Bali-Therme würde öffnen. Das bedeutet für uns hohe einmalige Investitionen. Zwei Wochen später spitzt sich die Corona-Lage wieder so zu, dass wir schließen müssen. Das würde uns finanziell sofort das Genick brechen. Man darf nicht vergessen, wir sind ein rein privates Unternehmen ohne staatliche Zuschüsse.

Also ist die Wiedereröffnung erst möglich, wenn die Pandemie vorbei ist?

Nolte: Nein. Vieles wird wahrscheinlich mit einem Impfstoff zusammenhängen. Erst dann kann es sein, dass die Auflagen so gelockert werden, dass wir genügend Gäste in der Bali-Therme begrüßen können, um die Kosten zu decken.

Wie weit liegen diese Zahlen derzeit auseinander?

Nolte: Wir brauchen am Tag etwa 1450 Gäste. 180 Umkleideschränken dürften wird nach den jetzigen Auflagen für Besucher freigeben. Durchschnittlich verbringen unsere Gäste etwa vier Stunden in der Therme. Das heißt, wir könnten bis zu 500 am Tag begrüßen – was wir übrigens sehr gerne tun würden. Doch selbst wenn diese Gäste kommen, sind das Umsatzeinbußen von mehr als 60 Prozent, ab zehn Prozent machen wir schon hohe Verluste.

Wie steht es um die Zukunft der Bali-Therme?

Nolte: Corona hat uns extrem hart getroffen. Wir sind wie die gesamte privatwirtschaftliche Freizeitbranche in einer existenzbedrohenden Situation. Die Anteilseigner investieren derzeit hohe Summen in die Bali-Therme, die wir hier seit 2018 definitiv nicht verdient haben. Auf diese Gelder sind wir angewiesen.

Sind die Arbeitsplätze ihrer Mitarbeiter derzeit akut gefährdet?

Nolte: Wir haben derzeit 180 Mitarbeiter. Fast alle befinden sich in Kurzarbeit. Einige Mitarbeiter mit befristeten Verträgen, oder die, die noch in der Probezeit waren, mussten wir bereits kündigen. Alles andere ist spekulativ.

Hoffen Sie auf Zuschüsse seitens der Stadt oder gibt es Signale von IWR, dass die Bali-Therme verkauft werden soll?

Nolte: Früher oder später muss über solche Optionen nachgedacht werden. Bislang haben wir immer gute Gespräche mit Bürgermeister Achim Wilmsmeier geführt. Von Verkaufsplänen seitens der Investoren habe ich derzeit keine Kenntnis. Lediglich die Anweisung die Bali-Therme erst dann zu öffnen, wenn der Betrieb wirtschaftlich ist. Es gibt keine Betreiberpflicht für die IWR.

Demnach ist die Teilöffnung der Gastronomie oder des Bali-Health-Club weiterhin nicht möglich?

Nolte: Diese Freizeitanlage ist als ein Komplex konzipiert worden. Wenn wir den Bali-Health-Club öffnen, brauchen wir einen zweiten Eingang. Dann steigt der Bedarf an Personal. Oder wir müssten die Lüftungsanlage für die gesamte Therme hochfahren. Leider können wir die Bereiche schon aus baulichen Gründen unter den derzeitigen Auflagen nicht einzeln öffnen. Auch wenn wir es wirklich gerne würden. Das können Sie mir glauben.

Werden Sie nicht zahlreiche Mitglieder verlieren?

Nolte: Corona hat uns auf die Verliererseite gezwungen. Dass das alles nicht gut für unser Image ist, steht außer Frage. Zudem ist es vollkommen nachvollziehbar, wenn es in der Region Angebote gibt, die den Bedarf unserer Kunden decken, dass sich unsere Mitglieder danach umschauen.

Ähnliches gilt für Ihre Kooperationspartner, oder?

Nolte: Wir haben hier in Bad Oeynhausen in den vergangenen Jahren gemeinsam mit den Hoteliers, dem GOP-Varieté, der Spielbank sowie der Staatsbad GmbH tolle Arrangements auf die Beine gestellt. Nun fehlt seit fünf Monaten ein Teil dieser Arrangements. Es ist nachvollziehbar, dass sich unsere Partner umschauen.

Was bleibt für Sie als Resümee?

Nolte: Dass ich auch jetzt keinen Zeitraum für eine Öffnung nennen kann. Und dass wir uns hier täglich den Kopf zerbrechen, wie eine Öffnung wirtschaftlich sein kann. Denn wir wünschen uns nichts mehr, als unsere Gäste zurück in der Bali-Therme.

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