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Tag des offenen Denkmals: Besucher erkunden die Technik im Theater im Park in Bad Oeynhausen

Blick hinter den eisernen Vorhang

Bad Oeynhausen (WB). Langsam hebt sich der eiserne Vorhang im Theater im Park. Das Gefühl, Schauspieler zu sein, macht sich breit, als die Besucher auf den Saal mit seinen roten Samtsitzen blicken. Das Saallicht geht aus, das Spotlight auf der Bühne an.

Angelina Zander

Sabine und Heinz Rasche hat bei ihrer Führung besonders die Technik des Theaters imponiert. Ihr nächstes Stück werden sie mit etwas anderen Augen betrachten. Ein eindrucksvolles Gefühl war für sie jedoch der Gang auf die Bühne im Rampenlicht. Foto: Angelina Zander

Die Besucher haben während des Tags des offenen Denkmals an einer Führung im Theater teilgenommen. Sie stehen im Rampenlicht vor einem leeren Saal. Ein beklemmendes Gefühl entsteht, als Bühnenmeister Christoph Imming den Saal in tiefes Schwarz hüllt. Die Scheinwerfer lassen die Besucher zum Mittelpunkt des Theaters werden. Würde in diesem Moment eine ausverkaufte Veranstaltung stattfinden, wären 500 Augenpaare auf sie gerichtet.

Christoph Imming drückt dann hinter der Kulisse einen seiner unzähligen Knöpfe. Während sich die Besucher fragen, wo das mysteriöse Geräusch herkommt, wird es dunkel. Um sie herum hängen schwarze Vorhänge. Sie werden aus etwa acht Metern Höhe heruntergefahren und stoppen präzise wenige Zentimeter über dem Boden. Der vorher endlos wirkende Bühnenraum hinter dem Vorhang wird so auf eine kleine Fläche reduziert.

Insgesamt 16 Meter erstreckt sich das Theater in die Höhe. Und auf allen Ebenen ist komplizierte Technik zu finden. Die Besuchergruppe setzt zum Gipfelaufstieg an. Sechs Stockwerke wollen sie erklimmen, ehe ihr Blick durch ein großes Gitter in die Tiefe hinab geht.

Auf dem sogenannten Schnürboden sind die Seile der Züge in­stalliert, die Wände und Kulissen hoch- und runterziehen. Auf dem halben Weg zum Ziel stoppt die Gruppe auf der Arbeitsgalerie. »Von hier aus werden zum Beispiel Schnee und Konfetti geworfen. Oder eine Leiche, die auf die Bühne fällt«, sagt Imming trocken.

Doch im Theater geht es nicht nur hoch hinaus, auch weite Wege werden zurückgelegt. Zu Beginn der Führung kündigt der Bühnenmeister mit einem Augenzwinkern an: »Wir haben in diesem Haus keinen Aufzug. Wir müssen alle Stockwerke zu Fuß erreichen.« Dass dies nicht ganz der Wahrheit entspricht, bemerken die Besucher auf der Bühne.

Gedränge im Orchestergraben

Später drängeln sich etwa 20 Personen auf dem schmalen Ausschnitt des Orchestergrabens im Boden. Imming drückt wieder einen Knopf, diesmal auf seiner überdimensionalen Fernbedienung. Und schon geht die Fahrt mit dem Aufzug nach unten in den Orchestergraben. Dieser ist ebenfalls wie die Bühne schwarz gestrichen.

Für Besucherin Sabine Rasche stellt sich die Frage: »Warum ist hier eigentlich alles schwarz?« Der Bühnenboden, die Wände hinter der Bühne, die Vorhänge, sogar das T-Shirt des Bühnenmeisters: Alles schwarz. Dahinter steht eine einfache Idee: Wenn sich etwas hinter der Bühne bewegt, wird es von den Zuschauern nicht wahrgenommen, wenn alles schwarz ist.

Imming räumt während der Führung auch einige Missverständnissen aus: »Der eiserne Vorhang ist kein Begriff aus der Zeit des Kalten Krieges. Er stammt aus der Theaterbranche und dient als Brandschutz. Er trennt die Hinterbühne von dem Zuschauersaal«, erklärt er.

Zum Abschluss verrät Imming seinen persönlichen Geheimtipp – für den besten Platz im Saal: »Der ist auf der Empore. In der ersten Reihe genau in der Mitte.«

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