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Wolfgang Bahro verkörpert Komiker-Legende im Bad Oeynhausener Theater im Park

Charlie Chaplin: viel Applaus für Biografie

Bad Oeynhausen (WB). Zu große Schuhe, eine schwarze Schlabberhose und die kleine Melone auf dem Kopf. Sein Zweifingerschnurrbart ebenso legendär wie der kreiselnde Spazierstock: Charlie Chaplin, die Kultfigur der frühen Kinojahre, wurde am Donnerstagabend im Theater im Park wieder lebendig.

Gabriela Peschke

Wolfgang Bahro in der Rolle des Charlie Chaplin bei der Aufführung im Theater im Park: „Es passt nicht, dass Charlie Chaplin spricht“, sagt er und verteidigt damit den Stummfilm gegen den aufkommenden Trend des Tonfilms. Foto: Gabriela Peschke

Dieter Hallervorden hat für sein Schlosspark-Theater das biografische Bühnenstück des Franzosen Daniel Colas adaptiert. Und prominent besetzt: Mit Wolfgang Bahro in der Titelrolle (Fernsehzuschauern bekannt aus „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“), Elinor Eidt als Charlie Chaplins dritter Ehefrau (bekannt aus „Sturm der Liebe“) und Karsten Kramer als quirligem Bruder und Manager des Stummfilmhelden (bekannt aus der ZDF-Serie „Anja & Anton“).

„Er hat das gewisse Etwas“

Das Stück zeichnet in eindrucksvoller, klarer Linie die steile Karriere des armen Jungen aus dem Londoner Kleinkunstmilieu Anfang des 20. Jahrhunderts nach. Den Aufstieg als Komiker, der mit pantomimischem Humor die Herzen der Kinozuschauer erobert, als Hollywoods erste Bilder laufen lernten.

Wolfgang Bahro spielt diesen Charlie Chaplin als einen leidenschaftlichen jungen Künstler ohne Kompromisse, der seine Vision vom „komischen kleinen Mann“, vom Tollpatsch und Taugenichts, der Welt vor Augen stellt. „Er hat das gewisse Etwas“, mutmaßt Jörg Westphal als Chaplins früher Filmproduzent Mack Sennett. Der „Tramp“, wie diese Figur später im amerikanischen Kino hieß, wurde zum Sinnbild einer ganzen Generation. Für Charlie Chaplin wurde sie zur Ikone, zur Goldgrube, zum Lebensinhalt.

Doch das Stück zeigt nicht nur den linearen Aufstieg eines jungen Selfmade-Schauspielers, der mit Anfang 20 den Sprung über den „großen Teich“ wagt, um im Land der unbegrenzten Möglichkeiten seinen Traum zu verwirklichen. Bahro zeigt auch einen Charlie Chaplin, der sich durchbeißen muss durch Intrigen, Neid und Missgunst. Dessen frühe Ehen scheitern und der sich immer wieder Vorwürfen um unsittlichen Umgang mit Frauen ausgesetzt sieht, bevor er in der um viele Jahre jüngeren Oona O’Neill (Elinor Eidt) die Frau fürs Leben findet.

Publikum würdigt das Stück mit aufbrausendem Applaus

Es geht auch um politische Positionen in diesem Stück: War Chaplin Jude – oder gab er sich nur als Jude aus, weil es opportun erschien? Sympathisierte der reiche Kunstschaffende gar mit den Kommunisten? Schauspieler Karsten Kramer versucht als dessen umtriebiger Manager und Bruder Sydney Chaplin den Kommerz im Blick zu halten: Der Film „Moderne Zeiten“ soll die Stummfilm-Ära ablösen. Doch: „Es passt nicht, dass Charlie Chaplin spricht“, verteidigt der Held seine Figur. Kompromiss: Wolfgang Bahros Charlie Chaplin singt in einer nonchalanten Phantasie-Sprache, tanzt und schwingt das Stöckchen. Aufbrausender Applaus ist der Lohn für diese Szene.

Mit dem Folgefilm „Der große Diktator“, einer Satire auf Adolf Hitler, rückt die politische Botschaft stärker in den Fokus von Chaplins Filmen. Das Ensemble zeigt schließlich eine eindrucksvolle Inquisition aus der Zeit der McCarthy-Ära der frühen 1950er Jahre, an deren Ende die Ausweisung des vergötterten Kinohelden steht: Charlie Chaplin, der Held aus „The Kid“ und anderen Kassenschlagern, darf nach einem London-Besuch nicht mehr zurück in die USA. „Ich spüre, dass ich etwas von mir aufgebe“, sagt Wolfgang Bahros Charlie Chaplin.

Hochbetagt stirbt Charlie Chaplin 1977 in der Schweiz. In der Bühnenfassung steht Bahro dazu mit dem Rücken zum Publikum, während das Ensemble Meilensteine seiner Karriere rezitiert. Großartig!

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