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Mit seiner modernen Inszenierung der Geschichte um Romeo und Julia ist der Chinesische Nationalcircus in Bad Oeynhausen zu Gast

„China Girl“ begeistert das Publikum

Bad Oeynhausen

Ein Feuerwerk an Hochleistungsakrobatik haben chinesische und europäische Artisten jetzt ihren Zuschauern im Theater im Park geboten. Beim Programm „China Girl“ gab es Handstand-Akrobaten, virtuose Jongleure und Diabolo-Künstler, einen traditionellen chinesischen Maskenmann und irrwitzige Clownereien.

Von Gabriela Peschke

Die Akrobaten des Chinesischen Nationalcircus haben das Publikum am Sonntag im Theater im Park mit ihren eindrucksvollen Vorführungen begeistert. Das klassische Liebesdrama um Romeo und Julia ist als zeitgemäße Geschichte auf die Bühne gekommen, illustriert durch Tanz, Akrobatik und Jonglage. Foto: Gabriela Peschke

Da sah man Turner in schlangenhaften Bewegungen sich um sich selbst „verknoten“ und einen Künstler Krüge auf der Stirn balancieren. Und dazwischen immer wieder großartige Gruppen-Choreographien, Pantomime oder Stepptanz-Einlagen zu bekannten Songs des Altstars David Bowie, neu arrangiert und live vorgetragen vom Duo Alma.

Der Chinesische Nationalcircus, immer wieder gerngesehener Gast in der Kurstadt, weiß offenbar sehr gut, womit er sein Publikum beeindrucken kann. Mit stürmischem Applaus bedankten sich die Zuschauer immer wieder für sensationelle Einzeldarbietungen, am Schluss gab es noch einmal kräftigen Zuspruch.

Romeo und Julia in New York

Das Ensemble unter der Leitung von Raoul Schoregge hatte die Zeit der corona-bedingten Einschränkungen genutzt, um ein ganz besonderes Programm einzustudieren. Denn die künstlerischen Darbietungen sind eingewoben in eine Geschichte: Erzählt wird das Drama um das „ungleiche“ Liebespaar Romeo und Julia, das seine Verbindung nicht leben darf, weil die Clans verstritten sind. Raoul Schoregge versetzt den Kern der historischen Vorlage in die Zeit europäischer und chinesischer Einwanderer nach New York, ersetzt Julia durch die junge Chinesin Dou Dou, und Romeo wird zu Roberto.

Die rivalisierenden Familien aus den Ghettos der Metropole, aus „China Town“ und „Little Italy“, bezahlen ihren Kampf mit Blut: Am Ende stirbt Roberto – aber in einer wunderbar poetischen Schlussszene, die die Frage nach dem Sinn von Ausgrenzung aufwirft und damit höchst aktuelle Bezüge hat.

„Wir alle leben unter dem gleichen Himmel, auch wenn wir nicht den gleichen Horizont haben“, zitiert Dou Dou. Doch vor dem tragischen Ende geht es auf der Bühne bunt und lebhaft zu: Während eine Stimme aus dem Off die Geschichte der Migration von Dou Dou erzählt, zeigen großformatige Schwarz-Weiß-Fotografien an der Bühnenrückwand Bilder aus dem Leben im chinesischen Einwanderer-Distrikt.

Garniert mit Bowie-Songs

Belebt wird das Szenario von wirbelnden Show-Einlagen: Tanzvorführungen, Einer- und Gruppen-Akrobatik sowie tollpatschigen Clowns, die ihre Zuschauer immer wieder zum Lachen bringen. Begleitet wird all dies von der stimmigen Interpretation der Bowie-Songs, die Sängerin Alicia Nilsson und Gitarrist Martin Weiss zu neuem Leben erwecken. Bekannte Partybooster der 1980er Jahre wie „This is not America“ und „China Girl“ haben in diesem Programm genauso einen neuen Beiklang bekommen wie „Gasoline“ oder „Heroes“.

Ein anspruchsvolles Programm, das Raum lässt zum Staunen über das, wozu Menschen fähig sind – nicht nur im künstlerisch-akrobatischen Sinn.

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