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Lockdown: Bad Oeynhausener Friseursalon wartet auf Überbrückungshilfe – Teilnahme an bundesweiter Protestaktion

Der Druck auf die betroffenen Betriebe steigt

Bad Oeynhausen

Am 15. Dezember sind mit dem Beginn des Lockdowns in Ulrike Milners Salon „Schönheit und Gesundheit“ die Lichter ausgegangen. Das soll sich an diesem Sonntag ändern: Anlässlich der Aktion „Licht an“ sollen bundesweit Friseursalons hell erleuchtet werden, um auf die Situation der Dienstleister aufmerksam zu machen.

Lydia Böhne

Marco Eppmann und Ulrike Milner sind sauer, dass die Hilfsgelder immer noch nicht beantragt werden können. Foto: Lydia Böhne

„Schnell und unbürokratisch“ soll die Überbrückungshilfe III laut der Bundesregierung sein. Davon merken viele Friseure in ganz Deutschland noch nichts – nicht einmal die Anträge auf finanzielle Hilfen sind bislang verfügbar. Ein Umstand, der Ulrike Milner und ihren Mann Marco Eppmann enttäuscht und wütend macht: „Wir wollen arbeiten, aber dürfen es nicht. Wenn man uns zwingt, das Geschäft zu schließen, muss die Regierung auch für uns sorgen“, klagt Ulrike Milner.

Die letzten Einnahmen sind längst verbraucht, den Unterhalt sichern private Rücklagen, die eigentlich für Notfälle gedacht waren: „Auch wenn wir irgendwann wieder arbeiten dürfen – aufholen können wir die Ausfälle nicht“, beschreibt Ulrike Milner. Die Löhne ihrer fünf Mitarbeiter seien zwar über das Kurzarbeitergeld abgedeckt, Strom, Wasser, die Abzahlung ihres Salons oder die Arbeitslosenversicherung müssen die Dienstleister ohne Unterstützung stemmen. „Selbst wenn uns irgendwann 90 Prozent unserer Fixkosten gezahlt werden – davon haben wir noch keine Butter auf dem Brot“, gibt Marco Eppmann zu bedenken. „Unsere Auszubildende hat am Montag ihre Prüfung bestanden. Eigentlich wollten wir sie danach übernehmen. Stattdessen musste sie sich erst mal arbeitssuchend melden, bis wir den Plan nach dem Ende der Pandemie umsetzen können“, ergänzt Ulrike Milner.

Mit ihren Sorgen und ihrem Ärger hat sich Ulrike Milner Anfang Januar in einer E-Mail direkt an den Ministerpräsidenten Armin Laschet gewandt. „Wo sollen Friseure ohne Lobby denn sonst hin?“, sagt die Bad Oeynhausenerin. Bisher hat die Friseurmeisterin keine Antwort erhalten. Um öffentlich für Aufmerksamkeit zu sorgen, beteiligt sich der Volmerdingsener Salon aus Solidarität an der bundesweiten Aktion „Licht an“. Von Sonntag auf Montag sollen in ganz Deutschland die verwaisten Salons hell erleuchtet werden.

Dass in Bremen Friseur-Hausbesuche zuletzt noch erlaubt waren, empfindet Ulrike Milner als „Sauerei“. Mit einem guten Hygienekonzept sei die Dienstleistung im Salon sicherer. Auch die Schwarzarbeit einiger Kollegen stoße ihr auf: „Ich kann den Gedanken verstehen, aber nicht gutheißen.“ Ob die Salons ab dem 15. Februar wieder öffnen dürfen, bleibt unklar. Für Ulrike Milner und Marco Eppmann steht aber fest: Der Druck steigt – auf die Dienstleister, aber auch auf die Bundesregierung.

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