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Karin Overlack (HDZ NRW) bezieht Stellung zum Gesundheitsstandort Bad Oeynhausen

»Der Kurpark? Traumhaft, aber für uns entbehrlich!«

Bad Oeynhausen (WB). Die aktuelle Diskussion über die künftige Ausrichtung des Gesundheitsstandortes Bad Oeynhausen geht auch am Herz- und Diabeteszentrum (HDZ) NRW nicht spurlos vorbei. Ihre Erwartungen schildert Klinikgeschäftsführerin Dr. Karin Overlack im Gespräch mit Redakteur Malte Samtenschnieder.

HDZ-Geschäftsführerin Dr. Karin Overlack sieht ihre Klinik als wichtigen Bestandteil des Gesundheitsstandortes Bad Oeynhausen. Auch die Partnerschaft zum Krankenhaus (rechts) zählt sie dazu. Foto: Malte Samtenschnieder

Im Jahr 2017 hat Bürgermeister Achim Wilmsmeier den Runden Tisch »Gesundheitsstandort Bad Oeynhausen« initiiert. Sie haben dort das Herz- und Diabeteszentrum (HDZ) NRW vertreten. Wie bewerten Sie die vorgelegten Ergebnisse?

Karin Overlack: Zunächst einmal freue ich mich, dass uns der Bürgermeister zur Teilnahme am Runden Tisch eingeladen hat. Das zeugt von seiner Wertschätzung für das HDZ NRW. Die Gesprächsatmosphäre am Runden Tisch habe ich als sehr konstruktiv empfunden. Dadurch, dass Teilnehmer aus ganz verschiedenen Bereichen dabei waren, gab es unterschiedliche Blickwinkel auf wichtige Themen. Eine glasklare Lösung für den künftigen Kurs des Gesundheitsstandortes Bad Oeynhausen liegt noch nicht auf dem Tisch. Dafür ist das Thema auch zu vielfältig und komplex. Ich denke aber, dass wir in der Diskussion ein gutes Stück weitergekommen sind. Es ist richtig und wichtig, dass nun auch die Bürger Gelegenheit haben, ihre Ideen einzubringen.

Seit der Vorstellung des vom Runden Tisch erarbeiteten Tourismuskonzeptes Anfang März wurde aus der Diskussion über den »Gesundheitsstandort Bad Oeynhausen« eine Diskussion über das »Heilbad« Bad Oeynhausen? Was sagen Sie zu dieser Entwicklung?

Overlack: Wer von außen nach Bad Oeynhausen kommt, muss sich mit der Badekultur auseinandersetzen, wenn er die Stadt verstehen will. Insbesondere die Architektur im Kurpark ist einzigartig und sensationell. Zu diesem Bereich kann das HDZ NRW inhaltlich nicht so viel beitragen. Auch haben wir in unserer Klinik keine Anwendungsmöglichkeiten für die Sole aus den Heilquellen.

Heißt das, der Kurpark mit seinen vielfältigen Möglichkeiten wäre für das HDZ NRW entbehrlich?

Overlack: Für das HDZ NRW schon, nicht aber für Bad Oeynhausen. Der Kurpark ist untrennbar mit der Stadt verbunden. Und es ist traumhaft, ihn in der Nachbarschaft unserer Klinik zu haben.

Bei der Diskussion über die Neuausrichtung des Heilbades prallen verschiedene Philosophien aufeinander. Welchen Ansatz halten Sie für sinnvoll?

Overlack: Ich halte es für wichtig, die Tradition nicht außen vor zu lassen. Wir können aber nicht den Kurbetrieb von vor 100 Jahren wiederbeleben. Zudem müssen wir den Erwartungen potenzieller Besucher Rechnung tragen. Wir dürfen sie nicht mit zu modernen Ansätzen vor den Kopf stoßen.

Viele Ideen für ein neues Tourismuskonzept ranken sich um das Thema »Sole«. Zu Recht?

Overlack: Wenn man neue Angebote definiert, muss etwas im Mittelpunkt stehen. Ich denke, das sollte schon die Sole sein.

Wie sehen Sie die konkrete Rolle des Herz- und Diabeteszentrums NRW bei der künftigen Ausrichtung des Gesundheitsstandortes Bad Oeynhausen?

Overlack: Ich denke, dass das HDZ NRW mit seinen spezialmedizinischen Schwerpunkten für den Gesundheitsstandort Bad Oeynhausen einen großen Mehrwert bietet. Diese müssen wir weiter ausbauen. Das ist gut für die Stadt, aber auch für unsere Klinik.

In welchen Bereichen würden Sie sich mehr Unterstützung der Stadt Bad Oeynhausen wünschen?

Overlack: Die Krankenhausplanung untersteht der Landeshoheit. Die Stadt ist deshalb eher für Sekundärprozesse zuständig. Ich würde mir zum Beispiel einen Ausbau des Beherbergungsangebotes wünschen. Ein zusätzliches Hotel – gerne im Fünf-Sterne-Bereich – wäre etwa zur Unterbringung der Angehörigen von Patienten aus unserer Sicht zu befürworten.

Genau das soll ja am Standort des Hotels Königshof passieren. Glauben Sie, der Investor hat mit seinem Vorhaben Erfolg?

Overlack: Ob sich das am Ende rechnet, kann ich nicht beurteilen. Wenn jemand sich zu einem solchen Vorhaben entschließt, muss er aber entsprechende wirtschaftliche Perspektiven sehen.

Gibt es weitere Standortfaktoren, die die Stadt Bad Oeynhausen aus Ihrer Sicht positiv beeinflussen sollte?

Overlack: Ganz wichtig ist für uns die Verkehrsanbindung, Stichwort IC. Zwar ist die Anzahl internationaler Patienten seit einiger Zeit rückläufig. Doch ob aus dem Inland, oder dem Ausland: Wer per Zug zu uns gelangen möchte, wird vor immer größere Herausforderungen gestellt. Deshalb haben wir uns auch energisch gegen die Streichung immer weiterer IC-Halte am Nordbahnhof positioniert.

Und wer per Auto kommt, steht oft auf der Mindener Straße/Kanalstraße im Stau…

Overlack: Genau. Und dadurch entsteht ein völlig falsches Bild von Bad Oeynhausen. Besucher von außerhalb sollten die Stadt nicht vorrangig wegen der Verkehrssituation in Erinnerung behalten. Hier wird sich hoffentlich im Zusammenhang mit dem Lückenschluss der A30 etwas tun.

Angebote für Patienten sind eine wichtige Sache. Wie bewerten Sie denn die Lebensqualität in Bad Oeynhausen im Hinblick auf Ihre Mitarbeiter?

Overlack: Für die Phase der Familiengründung ist die Stadt top aufgestellt. Es gibt günstige Grundstücke. Man kann es sich leisten, hier zu bauen. Hinzu kommt eine landschaftlich wunderschöne Umgebung. Und Großstädte wie Hannover und Bielefeld sind schnell mit dem Auto zu erreichen. Für jüngere Menschen ist die Situation, etwa nach der Ausbildung oder im Anschluss an das Studium, aber nicht so rosig. Wer das Partyleben sucht, wird hier eher nicht fündig.

Wie wirken sich die Pläne für eine Medizin-Fakultät an der Universität Bielefeld auf ihre eigenen Ausbildungsprogramme aus?

Overlack: Was in Bielefeld passieren soll, ist für uns noch nicht konkret greifbar. Deshalb kann ich dazu keine Aussagen treffen. Das HDZ NRW hat die Bereiche Lehre und Forschung aus meiner Sicht sehr gut im Griff. Und das seit nahezu 30 Jahren. Von dieser Entwicklung profitiert ganz Ostwestfalen-Lippe.

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