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Mindener Unternehmen hat nach eigenen Angaben die erste Million umgesetzt

Desinfektionsmittel am Handgelenk immer dabei

Minden (WB)

Die Pandemie bremst so manches Start-up. Wie soll man auch Kunden von einer neuen Idee begeistern, wenn man sich nicht treffen und die Tauglichkeit des Produkts vor Ort beweisen kann?

Bernhard Hertlein

Till-Jonas Uphoff hatte die Idee für Cleanbrace. Foto: Louis Ruthe

Es gibt aber auch Gründer, die profitieren von Corona – weil jetzt Dinge gefragt sind, für die früher kaum jemand ein offenes Ohr hatte.

Für Cleanbrace war der Beginn der Pandemie der richtige Zeitpunkt, um zu starten. Inzwischen beschäftigt das Start-up zwölf Mitarbeiter und hat sich gerade erst mit einem Investor zusammengetan.

Neben Maske und Abstand ist Hygiene in der Pandemie ein wichtiges Mittel zur Abwehr der Viren. Doch die fest installierten Spender können nicht überall sein. Und ein Fläschchen mit Desinfektionsmittel immer in der Hand-, Hose- oder Manteltasche zur Abtötung mitzuführen, ist nicht jedermanns Sache.

Das war im vergangenen Frühjahr der Ausgangspunkt für Till-Jonas Uphoff (22) und seine Idee für ein Armband mit eingebautem Desinfektionsspender. Die Entwicklung von Cleanbrace war in wenigen Wochen abgeschlossen. Erste Prototypen wurden in den Freundeskreisen von Uphoff und den Mitgründern Lasse Tischer aus Bad Oeynhausen und André Maaß hergestellt, die ersten Serienmodelle in den Behinderten-Werkstätten des Wittekindshofs in Bad Oeynhausen.

Druck auf das Armband genügt, um das Desinfektionsmittel freizusetzen. Foto: cleanbrace

Zu den ersten Kunden gehörte die Mindener Supermarktkette WEZ. Über sie wurde auch die Edeka-Regionalgesellschaft Minden-Hannover gewonnen. Weitere Firmenkunden sind zum Beispiel Melitta (Minden) und die Volksbank Büren-Salzkotten. Firmen geben die Desinfektionsarmbänder in der Regel an ihre Belegschaft weiter. Etwa 40 Prozent werden an Privatkunden verkauft, zum größeren Teil über den eignen Online-Store. In den zehn Monaten seit Gründung konnte nach Angaben des Unternehmens bereits ein Umsatz von mehr als einer Million Euro erzielt werden.

Cleanbrace Foto: Louis Ruthe

Konfektion und Vertrieb hat das Start-up inzwischen zum großen Teil an eine Firma in Hildesheim outgesourct. Uphoff, der seinen Arbeitsplatz bei der Sparkasse aufgegeben hat und sich nur noch um das Start-up kümmert, geht schon einer weiteren Idee nach. Gemeinsam mit dem Osnabrücker Stefan Lange entwickelte Cleanbrace ein nichtalkoholhaltiges Desinfektionsmittel auf Basis von 99 Prozent Wasser sowie Chlor und Silbernitrat. Es sei, so Uphoff, laut dermatologischer Tests nicht nur hautfreundlicher, sondern rieche durch Zugabe von Duftstoffen auch nach Wald und Limone. Zwei Produzenten für das Desinfektionsmittel in Süddeutschland seien schon gefunden.

Ursprünglich ebenfalls aus Süddeutschland stammt Christopher Obereder. Er hat bislang vor allem im Silicon Valley in Start-ups der Gaming- und Social-Media-Szene investiert. Nun werde der Investor auch Cleanbrace mit Wagniskapital unterstützen und dafür etwa ein Viertel der Geschäftsanteile erwerben.

André Maaß Foto: Cleanbrace

Zwar ist Cleanbrace mit Produkten gestartet, von denen man annehmen konnte, dass sie in der Pandemie auf besondere Resonanz stoßen. Uphoff geht aber davon aus, dass das Thema Hygiene auch dann bedeutend bleibt, wenn dieses Virus weitgehend besiegt sein wird: „Während der Corona-Pandemie sind zahlreiche andere Krankheiten wegen der besseren Hygiene zurückgegangen.“ Das würden die Menschen so schnell nicht vergessen.

Zur Produktreife entwickelt

Cleanbrace hat das Desinfektionsarmband nicht erfunden. Doch Cleanbrace hält sich zugute, das Armband zuerst zum fertigen Produkt entwickelt zu haben. Dafür ist Patentschutz beantragt. In Köln hat schon 2014 ein „Desinfektionsarmband (ausgestattet mit einem kleinen Tank zur Befüllung mit Desinfektionsflüssigkeit und einem Sprühkopf) zur Desinfektion der Hände unterwegs“ beim Patentamt Gebrauchsmusterschutz erhalten. Der Schutz ist 2017 erloschen. Ein Bremer Unternehmer erklärte 2020, ebenfalls an der Entwicklung eines Desinfektionsarmbandes gearbeitet zu haben. Schwere Vorwürfe erhob 2020 ein Schüler des Weserkollegs in Minden. Er behauptet, einen Businessplan für ein fiktives Unternehmen und die Produktion von Desinfektionsarmbändern entwickelt und den Gründern vorgestellt zu haben. Die bestreiten das.

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