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Allgemeinmediziner Dr. Thomas Geisler geht in den Ruhestand

Die Praxis zieht weiter nach Moldawien

Bad Oeynhausen (WB). Am Mittwoch, 13. Juni, ist endgültig Schluss. Dann schließt Allgemeinmediziner Dr. Thomas Geisler nach 36 Jahren seine Praxis am Breedenhagen.

Wilhelm Adam

Dr. Thomas Geisler (72) geht Mitte Juni in den Ruhestand. Er bedankt sich bei allen Patienten, die ihm über viele Jahre Vertrauen geschenkt haben. Wichtig ist ihm auch der Hinweis auf die gute Zusammenarbeit mit Kollegen, ob ambulant oder stationär tätig, und die Unterstützung durch alle Helferinnen in seiner Praxis in Wulferdingsen, die ihn bei seiner Tätigkeit begleitet haben . Foto: Wilhelm Adam

Seit 60 Jahren gibt es in Wulferdingsen einen Hausarzt

Seit mehr als 60 Jahren gibt es in Wulferdingsen immer einen Hausarzt und mehrere Jahre hat sich Thomas Geisler um einen Nachfolger bemüht – jedoch vergeblich. Zum Schluss war er sich mit einem jungen Kollegen über dessen Übernahme der Praxis einig geworden, bevor sich der anders entschied.

Vom 14. Juni an packt Geisler mit seinen Mitarbeiterinnen das gesamte Inventar zusammen. »Ich bin froh, dass beide von Kollegen übernommen werden«, sagt er. Eine Mitarbeiterin werde in Löhne weiterbeschäftigt, die andere in Rothenuffeln. Die Praxis mit ihrem gesamten Inventar geht dann auf die Reise. Die will Geisler gemeinsam mit Ernst-Ludwig Homann nach Ribnita in Moldawien bringen. Vor vielen Jahren hat Homann die Moldawien-Hilfe gegründet und immer wieder Hilfslieferungen begleitet. Viel ist noch neben dem Praxisalltag zu tun, um den reibungslosen Ablauf zu organisieren. Das helfe ihm auch ein bisschen bei seinem Abschiedsschmerz. »Die Kisten stehen schon durchnummeriert im Keller«, erzählt Geisler. Parallel zu seiner Arbeit als Arzt muss er genaue Listen erstellen, was in welche der Kisten kommt. »Das ist wichtig für den Zoll«, sagt er.

Mediziner aus Leidenschaft

Thomas Geisler ist Mediziner aus Leidenschaft. Nach seinem Abitur stand er vor der Wahl, ob er ein Architektur- oder Medizinstudium aufnehmen sollte. Bereits sein Vater war Allgemeinmediziner. »Da kriegst du so was in dein Leben reinprojeziert«, erklärt er, warum ihm die Entscheidung nicht schwer gefallen ist.

»Zuletzt hatte ich die Daten von 16.000 Patienten in meiner Kartei«, erzählt er. Drei Generationen hat er in seiner Praxis betreut. Begonnen hatte er in Bad Oeynhausen 1981, und an eine Geburt Anfang der 1980er Jahre erinnert er sich noch heute. Das Kind von damals ist nun selbst Mutter und sucht ihn mit ihrer Tochter regelmäßig in der Praxis auf. Auch Hausbesuche gehörten zu seinem Alltag. Die führten ihn bis nach Melle oder Bruchmühlen.

Die ärztliche Versorgung der Menschen in der Kurstadt sei gut betonte Geisler. »Aber es gebe viel zu tun, »um den Beruf des Allgemeinmediziners für junge Kollegen attraktiver zu machen.«

»Ich habe ein begrenztes Budget für Medikamente«

Wer zuviel tue, werde bestraft. »Ich habe zum Beispiel nur ein begrenztes Budget für Medikamente, das ich abrechnen kann«, sagt Geisler. Überschreite er es, müsse er dafür aufkommen. Auch die Zahl von Hausbesuchen sei limitiert, unabhängig davon, ob ein Arzt auf dem Land oder in der Stadt wohne. Gerade ältere Menschen seien öfter weniger mobil, um zum Arzt zu gehen. Bei Patienten im Umkreis von 50 Kilometern kämen Mediziner auf dem Land um Hausbesuche nicht herum. Doch übersteigt deren Zahl das vorgegebene Maß, »müssen die Kollegen das aus ihrem Einkommen zahlen«.

Auch in ihren Verdienstmöglichkeiten seien Allgemeinmediziner oder Kinderärzte im Vergleich zu anderen Fachärzten »eher auf der unteren Skala angesiedelt.«

Zudem gebe es an den Universitäten zu wenige Professoren für Allgemeinmedizin. Die Zulassung zum Studium sollte nach Meinung von Geisler nicht von einem Numerus Clausus abhängen, sondern auch von der Vorgeschichte eines Bewerbers. Warum könne das nicht ein erfolgreiches soziales Jahr in einer Pflegeeinrichtung sein?, fragt der 72-Jährige.

»Man darf nie die Nähe zum Menschen vergessen«

Spätestens dann wisse jeder, worum es gehe. »Man darf nie die Nähe zum Menschen vergessen«, betont Geisler. »Wir alle kommen früher oder später in die Situation, dass wir ärztliche Hilfe brauchen. Das sollte man sich immer bewusst machen.«

Der Beruf des Allgemeinmediziners sei interessant, »weil das Spektrum, was man bedienen muss, dem Arztberuf am nächsten kommt.« Dabei müsse man sich Zeit für die Menschen nehmen, um »so gut es geht für ihre Gesundheit dazusein.«

»Die Abläufe werden mir fehlen«, sagt er. »Da muss ich mich umstellen.« Doch kreative Ideen hat er schon. »Ich mache gerade eine Gartenskulptur«, erzählt er. Und auch Bilder will er weiter malen. Einige davon hängen auch in seiner Praxis.

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