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Bürgermeister beschreibt Auswirkungen der Corona-Krise auf die Verwaltungsarbeit in Bad Oeynhausen

Die Stadt versteht sich als Vermittler

Bad Oeynhausen (WB). „Die Corona-Krise überschattet alles.“ Zu diesem Ergebnis kommt Bürgermeister Achim Wilmsmeier, wenn er auf die aktuellen Arbeitsabläufe innerhalb der Stadtverwaltung Bad Oeynhausen blickt. Ein Hauptaugenmerk liege momentan darauf, den Bürgern für sie relevante Angebote trotz „Corona-Lockdown“ möglichst komfortabel zugänglich zu machen.

Malte Samtenschnieder

Wegen der Corona-Krise sind derzeit die meisten Geschäfte in der Innenstadt geschlossen. Dadurch fallen die Einschränkungen durch die Bauarbeiten zur Verschönerung der Fußgängerzone nicht so stark ins Gewicht wie im Normalbetrieb. Foto: Malte Samtenschnieder

„Aus diesem Grund haben wir die Homepage der Stadt Bad Oeynhausen zu einer Informationsplattform umgebaut“, sagt Achim Wilmsmeier. Neben städtischen Angeboten seien hier auch Informationen des Landes und des Bundes rund um das Coronavirus und seine Auswirkungen zu finden. Achim Wilmsmeier: „Um die Angebote möglichst aktuell zu halten, kopieren wir die externen Inhalte nicht, sondern verweisen direkt auf die Seiten der Urheber.“

Als einen wichtigen Baustein, um den lokalen Einzelhandel besser sichtbar zu machen, sieht der Bürgermeister die Internetseite citybadoeynhausen.de, die das Stadtmarketing gemeinsam mit der Staatsbad Bad Oeynhausen GmbH entwickelt hat. Als jüngste Komponente sei kurz vor Ostern noch ein Service zum Versand digitaler Gutscheine ergänzt worden.

„Die gute Resonanz seitens der Beteiligten zeigt uns, dass wir mit dem Angebot auf dem richtigen Weg sind“, sagt Achim Wilmsmeier. Für heimische Unternehmen stehe darüber hinaus die städtische Wirtschaftsförderung als Ansprechpartner zur Verfügung.

Viele Anrufer bei Corona-Hotline

Auf großes Interesse stoße auch das Corona-Telefon der Stadt Bad Oeynhausen. Es ist unter der Rufnummer 05731/141000 zu erreichen. „Zu den Spitzenzeiten gab es bis zu 50 Anrufe am Tag“, erläutert der Bürgermeister. Im ersten Moment höre sich das vielleicht nicht nach viel an. Für den einen Mitarbeiter, der mit der Hotline betraut sei, sei es aber schon ein ziemliches Pensum.

Viele Fragen der Anrufer könnten nicht direkt beantwortet werden. „Darum geht es auch nicht, wir wollen die Bürger vielmehr auch an dieser Stelle darüber aufklären, wo sie die gewünschten Informationen bekommen können. Das kann – wie auf der Homepage – sowohl innerhalb als auch außerhalb der Verwaltung sein“, sagt der Bürgermeister.

Als dritten wichtigen Baustein sieht Achim Wilmsmeier die Initiative „Bürger helfen Bürgern“. Dabei kooperiere die Stadt beispielsweise mit dem Kirchenkreis Vlotho. „Auch hier tritt die Stadt in erster Linie als Vermittler auf“, sagt der Bürgermeister. Sie bringe Menschen, die helfen möchten, und Menschen, die Hilfe suchen, miteinander ins Gespräch. Achim Wilmsmeier: „Zum Beispiel, wenn jemand eine Einkaufshilfe sucht.“

Routinebetrieb und neue Aufgaben

Parallel zu den neuen Aufgaben, die sich aus der Bewältigung der Corona-Krise ergeben, laufe der normale Verwaltungsbetrieb weiter. „Natürlich ist zum Beispiel das Standesamt weiter mit der Eintragung von Geburten oder dem Ausfertigen von Totenscheinen befasst“, sagt der Bürgermeister. Dank flexibler Dienstpläne seien auch Feuerwehr und Rettungsdienst sieben Tage pro Woche rund um die Uhr einsatzbereit.

Zusätzliche Aufgaben muss laut Achim Wilmsmeier derzeit etwa das Ordnungsamt bewältigen. Um die Einhaltung der Corona-Schutzverordnung zu unterstützen, werde das Stammpersonal im Außendienst – es besteht aus vier Voll- und fünf Teilzeitkräften – aktuell durch zwölf weitere Mitarbeiter aus den Bereichen Innendienst Sicherheit und Ordnung, Standesamt, Bürgerbüro sowie Vollzugsdienst der Finanzbuchhaltung verstärkt.

Der umfangreiche Personaleinsatz zahle sich aus. „Ich freue mich, dass der Außendienst des Ordnungsamtes an den Osterfeiertagen nichts zu beanstanden hatte. Das spricht sehr für die Bürger von Bad Oeynhausen“, sagt Achim Wilmsmeier.

Abstand ist das A und O

Obwohl das gesellschaftliche Leben durch die vielfältigen Corona-Beschränkungen momentan sehr stark herunter gefahren ist, richtet der Bürgermeister den Blick vorsichtig in die Zukunft. Eine große Herausforderung sieht er beispielsweise im erneuten Hochfahren des Bildungsbetriebes.

„Alleine in Bad Oeynhausen haben wir mehr als 5000 Schüler und mehrere hundert Kindergartenkinder“, sagt Achim Wilmsmeier. Zwar gebe es derzeit in fast allen Einrichtungen Angebote zur Notbetreuung. Daraus lasse sich aber nicht ableiten, wie künftig eine neue Normalität aussehen könnte. Dazu seien weitere Informationen etwa seitens der Landesregierung dringend vonnöten.

Wesentlich einfacher sei aus seiner Sicht das Einhalten von Hygiene- und Abstandsregeln beim schrittweisen Wiederöffnen des Einzelhandels umzusetzen. „Danach ist es wichtig, dass die Bürger die lokalen Angebote auch nutzen“, sagt Achim Wilmsmeier.

Nicht nur von der Einhaltung der Abstandsregeln ist laut Achim Wilmsmeier abhängig, wann das GOP-Varieté, das Theater im Park, die UCI-Kinowelt sowie etwa sämtliche Restaurants und Clubs wieder zum Alltag zurückkehren können. „Dabei wird es auch eine Rolle spielen, ob für Menschenansammlungen eine gewisse Obergrenze an Teilnehmern festgelegt wird“, sagt der Bürgermeister.

Parklichter auf dem Prüfstand

In diesem Zusammenhang stelle sich auch die Frage, ob das Parklichter-Festival am ersten Augustwochenende wie geplant über die Bühne gehen könne. „Weil ‚Fury in the Slaughterhouse‘ früh als Headliner für den Konzertfreitag festgestanden hat, haben wir bereits mehr als 5000 Karten für die Veranstaltung verkauft“, sagt Achim Wilmsmeier.

Auch hier müsse geprüft werden, ob das Konzert unter Einhaltung der geforderten Hygiene- und Abstandsregeln durchgeführt werden könne. „Sonst müssen wir überlegen, ob wir die Veranstaltung auf einen späteren Termin verschieben“, betont der Bürgermeister.

Den Termin für die Kommunalwahl am 13. September sieht Achim Wilmsmeier bislang nicht in Gefahr. „Die offizielle Aufstellungsfrist für Kandidaten endet Mitte Juli“, sagt der Bürgermeister. Es gebe dafür also noch drei Monate Zeit. Je länger der „Lockdown“ dauere, desto schwerer hätten es die Kandidaten aber, sich bekannt zu machen.

Wie groß die Auswirkungen der Corona-Krise für die Stadtfinanzen ausfallen, lässt sich laut Achim Wilmsmeier aktuell nicht seriös beziffern. Der nächste Stichtag für Prognosen im Zusammenhang mit den Gewerbesteuereinnahmen sei am 15. Mai. Derzeit sei die Ausgleichrücklage der Stadt mit 18.6 Millionen Euro aber üppig gefüllt.

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