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Giora-Feidman-Sextett präsentiert Programm »Klezmer for Peace« vor 500 Zuhörern in Bad Oeynhausen

Ein bisschen Frieden

Bad Oeynhausen (WB). Unter den vielfältigen Konzerten des Kulturreferats im Kirchenkreis Vlotho gehören Giora Feidmans Auftritte zu den Höhepunkten. Bereits zum vierten Mal war die »Ikone der Klezmer-Musik« am Freitag in Bad Oeynhausen zu Gast. Auch diesen Konzertabend vor 500 Zuhörern in der Auferstehungskirche am Kurpark gestaltete der 82-Jährige als ergreifendes Plädoyer für Völkerverständigung und Frieden.

Malte Samtenschnieder

Zum vierten Mal ist Giora Feidman in Bad Oeynhausen zu Gast gewesen. 500 Zuhörer waren gekommen, um sein Konzert unter dem Titel »Klezmer for Peace« zu erleben. Foto: Malte Samtenschnieder

Das Besondere von Giora Feidmans Konzerten führte Pfarrer Hartmut Birkelbach dem Publikum in seiner Begrüßung vor Augen. »Heute erwartet uns nicht nur großartige Musik, sondern auch eine wunderbare Botschaft – nämlich, dass eine Verständigung über geografische Grenzen und kulturelle Unterschiede hinweg möglich ist«, sagte der Organisator. Er spielte nicht zuletzt auf die Zusammensetzung des Giora-Feidman-Sextetts an: Es ist jeweils zur Hälfte mit jüdischen und muslimischen Musikern besetzt.

Verschiedene Religionen zusammenbringen

Bereits mit dem ersten Stück, einer gefühlvollen Solo-Improvisation über »Shalom Aleichem«, machte Feidman den Zuhörern das Angebot, Alltagsstress hinter sich zu lassen und stattdessen für zwei Stunden in die Welt der Klezmer-Musik einzutauchen. »Wir, als Juden und Muslime, verbringen diesen Abend mit Ihnen, die Sie weiteren Religionen angehören, gemeinsam in einer christlichen Kirche«, sagte der in Buenos Aires geborene Jude. Das sei kein Traum, sondern Realität. Zumindest in Deutschland.

Aber das reiche ihm nicht. Der 82-Jährige: »Warum kann das nicht überall auf der Welt so sein?« Für diese versöhnende Haltung – speziell den Deutschen gegenüber – müsse er auch viel Kritik einstecken. »Ich habe aber als Kind gelernt, dass Kinder von Verbrechern nicht automatisch auch Verbrecher sind«, sagte er mit Blick auf den Holocaust im Dritten Reich.

Nach diesen politischen Statements stand die Musik im Mittelpunkt. An vielen Stellen gab Giora Feidman, mal mit scharfen, schneidenden Tönen, dann wieder mit sanften, weichen Klängen, die Richtung vor. Unterstützt von Hila Ofek (Harfe), Andre Tsirlin (Saxophon), Murat Coskun (Percussion und Gesang), Gürkan Balkan (Oud) und Muhittin Kemal Temal (Kanun) gestaltete er ein Crossover-Programm der besonderen Art.

Klezmer-Musik und amerikanische Klassiker

Neben osteuropäisch geprägter Klezmer-Musik (»Dona, Dona«) und US-Klassikern wie »What a wonderful world« oder »Nobody knows the trouble I’ve seen« gab es Raum für Eigenkompositionen und Improvisationen aller Beteiligten. Zu den Höhepunkten gehörte das balladeske »Bishvili«, das Giora Feidmans Enkelin Hila Ofek und ihr Mann An­dre Tsirlin sehr emotional präsentierten. Die Harfenistin und der Saxophonist sind auch als »Jerusalem Duo« bekannt.

Einen vielschichtigen Einblick in die Welt der türkischen Musik gewährten die restlichen Musiker. Sein meisterliches Geschick als Perkussionist stellte Murat Coskun unter Beweis. Schütteln, Schleudern und Werfen der Trommeln gehörten bei ihm zu den Grunddisziplinen. Sehr avantgardistisch mutete zudem sein Ansatz an, per Reibung über das Trommelfell erzeugte Klänge mit Didgeridoo-ähnlichen Obertönen aus dem eigenen Mund zu überlagern.

Nicht weniger faszinierend gestalteten sich Muhittin Kemal Temels Umgang mit dem Kanun, einer orientalischen Kastenzither, und Gürkan Balkans Vortrag auf dem Oud, einer Schalenhalslaute. Immer wieder machte das Publikum mit tosendem Zwischenapplaus seine Sympathie für die Musiker deutlich. Getragen von der Euphorie der Zuhörer waren Zugaben eine Selbstverständlichkeit.

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