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Europaschule Bad Oeynhausen zeigt „Die Welle“ – Mitwirkende schildern Gedanken zum Theaterstück

Ein Zeichen gegen Rechtsextremismus

Bad Oeynhausen  (WB). Unter welchen Bedingungen kann ein totalitäres Regime wie in der Nazi-Diktatur des Dritten Reichs an die Macht kommen? Was bewegt Menschen dazu, sich von politischen Scharlatanen verführen zu lassen?

Malte Samtenschnieder

Insgesamt 19 Schüler der Jahrgangsstufe Q2 sind an der Aufführung des Stücks „Die Welle“ beteiligt. Bei einer Szenenprobe im Forum der Europaschule sind (von links) Elin Ebnayya, Marie Wellnitz, Ege-Eren Gökkurt, Cedric Winkler, Lehrerin Daniela Gee­ne, Janina Flaßbeck und Gesa Wegner dabei gewesen. Foto: Malte Samtenschnieder

Diese und weitere Fragen haben eine Theatergruppe der Europaschule Bad Oeynhausen dazu bewogen, sich gründlich mit dem Stück „Die Welle“ nach der Romanvorlage von Morton Rhue zu beschäftigen. Am Mittwoch, 12. Februar, 19.30 Uhr, ist das Ergebnis der intensiven Probenarbeit im Theater im Park zu erleben.

Schüler entscheiden sich bewusst für „Die Welle“

Ursprünglich hatten die beteiligten Schüler das Stück „Die Welle“ nicht in der engeren Auswahl. „Wir sprachen darüber, ob wir ‚Frau Müller muss weg‘ oder ‚Das Experiment‘ aufführen“, sagt Lehrerin Daniela Geene.

Dann habe einer der Schüler eine filmische Umsetzung des Romans „Die Welle“ im Fernsehen gesehen und die anderen mit seiner Begeisterung dafür angesteckt. „Bald darauf war die Entscheidung dann gefallen“, erinnert sich Daniela Geene.

Um genug Zeit zu haben, „etwas ganz Besonderes, Großes“ auf die Bühne zu bringen, wurde der geplante Aufführungstermin um ein Dreivierteljahr von Mai 2019 auf Februar 2020 verschoben. Aus dem verpflichtenden Literaturkurs im Jahrgang Q1 wurde mit dem Übergang in den Jahrgang Q2 nach den Sommerferien 2019 ein freiwilliger Projektkurs.

Freude über Aufführungen im Theater im Park

„Die Schüler engagieren sich großartig. Sieben, acht Stunden Probenzeit pro Woche – auch an Wochenenden – kommen momentan zusätzlich zum normalen Unterricht zusammen“, sagt Daniele Geene.

Die Freude darüber, dass die Aufführung auf der Bühne des Theaters im Park über die Bühne gehen könne, sei riesig. Das sei schon ein paar Nummern größer als das Forum der Europaschule, in dem die Proben stattfinden. Daniela Geene: „Statt 150 Zuschauern können nun bis zu 500 Interessierte das Stück ansehen.“

Theaterstück soll Zuschauern die Augen öffnen

„Ich finde, das Stück ‚Die Welle‘ führt eindrucksvoll vor Augen, wie schnell es gehen kann, dass sich einzelne oder Gruppen für Dinge begeistern lassen, die sie zuvor abgelehnt haben“, sagt Schülerin Elin Ebnayya.

Anfangs geschehe das oft unterschwellig, später spiele auch Gruppenzwang eine wichtige Rolle. „Das geht soweit, dass bestimmte Parolen irgendwann nicht mehr hinterfragt werden“, sagt die 19-Jährige.

Es sei wichtig, sich zu allen Themen eine eigene Meinung zu bilden und diese, wenn nötig, auch nach außen zu vertreten und zu verteidigen, meint Janina Flaßbeck (18).

Ähnlich sieht das ihr Mitschüler Ege-Eren Gökkurt. „In der NS-Zeit haben viele Dinge gemacht, die sie nicht tun wollten. Sie hatten Angst davor, dass sie sonst ausgeschlossen werden. Also wurden sie zu Mitläufern“, sagt der 18-Jährige.

Ähnliche Phänomene sind auch heute denkbar

„Phänomene, wie sie ‚Die Welle‘ beschreibt, gibt es bis in die heutige Zeit“, meint Marie Wellnitz. Als Beispiel nennt sie Terrorgruppen, die es mit ihren Anschlägen zumeist auf das westliche Wertesystem abgesehen hätten.

„Diese Terrorgruppen kämpfen mit radikalen Mitteln für ihre selbst gesteckten Ziele. Hier lassen sich durchaus Parallelen zu Adolf Hitlers Machtergreifung ziehen“, sagt die 19-Jährige.

„Wir wollen das Publikum mit unserem Theaterprojekt dafür sensibilisieren, dass es Verhaltensweisen, die Bewegungen wie ‚Die Welle‘ ermöglichen, frühzeitig erkennt und im Keim erstickt“, lautet eine Hauptbotschaft der an dem Theaterprojekt beteiligten Schüler. Derartige Phänomene könnten überall in der Gesellschaft auftreten.

So etwas könne nicht nur – wie im Fall von „Die Welle“ – an Schulen passieren. Gleiches gelte auch für die politische Diskussion. „Wir wollen deshalb mit unserem Stück auch ein Zeichen gegen Rechtsextremismus setzen“, sind sich die Schüler einig. Insbesondere die AfD haben sie dabei im Auge.

Restkarten für Aufführungen noch erhältlich

Tickets für die Aufführung am Mittwoch, 12. Februar, um 19.30 Uhr im Theater im Park gibt es in der Tourist-Information im Kurpark, Telefon 05731/1300. Eintrittskarten für eine exklusive Schulaufführung am Donnerstag, 13. Februar können darüber hinaus per E-Mail an die Adresse geene­@­europaschule-bo.de reserviert werden.

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