1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Bad-oeynhausen
  6. >
  7. Falscher Enkel arbeitet mit allen Tricks

  8. >

Seniorin aus Bad Oeynhausen um 20.000 Euro betrogen – Polizei warnt vor dreisten Methoden

Falscher Enkel arbeitet mit allen Tricks

Bad Oeynhausen (WB)

Obwohl seit vielen Jahren bekannt, gelingt es Enkeltrick-Betrügern immer wieder, besonders ältere Menschen aufs Kreuz zu legen. So auch geschehen in einem besonders perfiden Fall in Bad Oeynhausen, der die Polizei Minden-Lübbecke derzeitig beschäftigt. Die Ermittler richten sich mit einem Appell an die Menschen im Mühlenkreis.

wn

Symbolbild Foto: Stratenschulte/dpa

Anfang März erhielt die in diesem Fall geschädigte ältere Dame einen Anruf ihres angeblichen Enkels. Dieser habe sich ein Auto gemietet und habe damit einen Unfall gehabt. Zur Begleichung des Schadens brauche er nun schnell 20.000 Euro.

Als die Angerufene daraufhin erwiderte, dass er doch seinen Vater um das Geld bitten solle, legte der Betrüger auf. Nur kurz darauf erfolgte ein zweiter Anruf. Der Anrufer dieses Mal: der angebliche Schwiegersohn. Dieser gab dem späteren Opfer zufolge an, dass er selber keine Zeit habe und dass sie dem Enkel aus der Misere helfen solle.

In der Folge klingelte abends abermals das Telefon im Haushalt der Seniorin. Am Telefon erneut der angebliche Enkel, der angab, dass er das Geld nicht mehr brauche, die Sache sei erledigt. Doch der Schein trügte.

Schon am nächsten Tag wendete sich das Blatt. Der Betrüger war erneut am Telefon und sagte, er sei gegenwärtig bei dem Besitzer des gemieteten Wagens, einem Autohaus. Dieses wolle nun doch umgehend das Geld, woraufhin er seine vermeintliche Großmutter aufforderte, bei ihrer Bank die genannte Summe abzuheben. Auf Nachfrage solle sie erwidern, dass das Geld für eine Badrenovierung gedacht sei. Als eine Bankangestellte die Geschädigte zu dem Sachverhalt befragte, folgte sie den Anweisungen des Anrufers und machte keine Angaben. Stattdessen nahm sie das Geld mit nach Hause.

Mittags wurde die ahnungslose Frau erneut angerufen. Es wurde die Abholung des Geldes noch am selben Tag vereinbart. Damit er das Geld schnellstmöglich zurück überweisen könnte, wollte der Anrufer zudem die Kontodaten der Frau wissen, woraufhin sie diese gutgläubig mitteilte. Wenig später erschien eine angebliche Mitarbeiterin des Autohauses mit dem Namen „König“ an der Wohnanschrift der Seniorin in der Südstadt. Die Frau sprach hochdeutsch und wird so beschrieben: sehr kräftige Statur, 50 bis 55 Jahre alt, 1,70 bis 1,75 Meter groß, kurze dunkle Haare. Es kam zur Geldübergabe.

Etwa 45 Minuten später wurde das Opfer erneut angerufen. Dieses Mal täuschte man vor, ein Mitarbeiter der Sparkasse zu sein. Die Rückzahlung des Geldes, so der Anrufer, sei bereits inklusive einer Aufwandsentschädigung auf dem Konto eingegangen.

„Dies war ebenfalls gelogen und Teil der Betrugsmasche. Um einen weiteren Schaden zu vermeiden, erfolgte eine Sperrung des Kontos“, berichtet Kriminalhauptkommissar Oliver Thamm vom Kommissariat Prävention/Opferschutz. „Uns“, sagt Thamm und richtet dabei seine Worte explizit an alle Angehörigen von Senioren, „ist außerordentlich wichtig, dass die älteren Familienmitglieder oder Freunde über diese miesen Maschen informiert werden. Das probateste Mittel ist die Aufklärung.“ Zwar sei es wegen der Vielzahl der Betrugsmaschen mittlerweile schwierig für die Menschen, noch den Überblick zu behalten, aber es gebe einige sehr wirkungsvolle Tipps, um kein Opfer der Kriminellen zu werden.

Thamm appelliert: „Geben Sie niemals Wertgegenstände oder Geld in die Hände von Fremden und gewähren Sie diesen keinen Zutritt zu Ihren Wohnräumen. Seien Sie unfreundlich und abweisend, beenden Sie die Gespräche immer durch eigenständiges Auflegen.“ Danach sollte immer den Polizeinotruf 110 gewählt und auch Angehörige verständigt werden. Wichtig sei immer, das eigenständige Beenden des Gespräches, da die Betrüger teilweise durch einen Piepton vorgaukeln würden, das Telefonat beendet zu haben. „Rufen Sie auf keinen Fall die angezeigte Nummer zurück, diese ist oft fingiert“, rät der Präventionsexperte der Polizei im Mühlenkreis.

Startseite