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Übertritt zum Christentum folgt Flucht aus dem Iran – in Kirchengemeinde aktiv

Familie klagt gegen Ablehnung

Bad Oeynhausen (WB). Der Asylantrag ist abgelehnt. Mit Schreiben vom 19. April. Der Familienvater (Name der Redaktion bekannt) ist ratlos, wie er belegen soll, nur aus Glaubensgründen den Iran verlassen zu haben. Die zuvor muslimische Familie ist vor etwa drei Jahren zum christlichen Glauben konvertiert.

Claus Brand

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BaMF) hat den Asylantrag der Familie aus dem Iran abgelehnt. Ihr Anwalt hat dagegen Klage erhoben. Mit einer Verhandlung und abschließenden Entscheidung rechnet er nicht mehr in diesem Jahr. Foto: dpa

Für das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BaMF) hat das Paar nicht ausreichend glaubhaft gemacht, dass der Übertritt zum Christentum kein vorgeschobener Fluchtgrund ist. Heinz Funk, Leiter der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde (Christuskirche), sagt: »Ich glaube der Familie.« Er macht es am Umgang mit ihr im Alltag und daran fest, dass sie ins Gemeindeleben eingebunden ist. Funk: »Bei einem besonderen Gottesdienst ist die Frau stets die erste, die sich nach dem gemeinsamen Mittagessen mit um die Küche kümmert.« Zur BaMF-Ablehnung meint er: »Die Übersetzer im Verfahren sind in der Regel Muslime. Es ist nicht immer klar, was wie übersetzt wird. Dessen muss man sich klar sein.« Er vertritt die Auffassung: »Beim BaMF über Glauben zu urteilen, ist aus meiner Sicht unmöglich.« Als Christ schaue man nicht nur auf das Seine. Man bemühe sich, dass auch der Schwächere zu seinem Recht kommt.« So erlebe er die Familie in der Gemeinde. Sicherlich gebe es auch andere Fälle von Flüchtlingen, auch aus dem Iran, bei denen die Glaubensfrage vorgeschoben sei.

Beispiele aus dem Alltag

»Wenn ich nicht Christ wäre, warum sollte ich den Iran verlassen haben?«, fragt der Familienvater. In Teheran als Automobilhändler und im Immobilienbereich tätig, habe er sein gutes Auskommen gehabt. Als Grund zum Christentum zu wechseln, führt er Beispiele aus dem Alltag an. In einer muslimischen Gemeinde sei viel Geld für Essen ausgegeben worden, statt es eher bedürftigen Menschen zukommen zu lassen. Der Gemeindeleiter habe ihm dies nicht plausibel erklären können. Eine andere Familie sei über Nacht auf die Straße gesetzt worden, weil sie ihre Miete nicht habe zahlen können. Während das Umfeld das kaum interessiert habe, hätten sich armenische Christen gekümmert.

Durch einen Bekannten, von dem niemand gewusst habe, dass er Christ sei, und auch über das Fernsehen habe er sich einen Eindruck vom Christentum machen können. Er habe dann wohl den Fehler gemacht, einem Kumpel zu erzählen, sich dem christlichen Glauben angeschlossen zu haben. Der müsse es weitererzählt haben.

Als Dolmetscher für diese Beschreibungen fungiert Yunus Caskun, Betreiber des Cafés Casablanca an der Klosterstraße. Er spricht Türkisch, sein Gegenüber ebenso, weil er in Teheran beruflich mit Türkisch sprechenden Partnern zu tun hatte.

Flucht über die Balkanroute

Auslöser für die Flucht über die Balkanroute war ein Hinweis an die Familie während eines Urlaubs außerhalb Teherans. In zivil gekleidete Beamte würden sich nach der Familie erkundigen, die in ihrem Wohnumfeld gut bekannt ist, erfuhr die Familie telefonisch. Die reiste nicht nach Hause zurück, hielt sich zeitweise in einer Pension auf halber Strecke auf. Unweit kam es nach Schilderung des Familienvaters zur Übergabe von Geld an ihn für die Flucht. Auf dem Flughafen von Teheran habe man bei der Passkontrolle für den Flug nach Istanbul gezittert, ob ihre Personendaten dort schon vorliegen würden. Über Griechenland, die Balkanroute und Österreich führte der Weg im Frühherbst 2015 nach Deutschland, über Ahaus nach Bad Oeynhausen. Hier entstanden Kontakte zur Freikirchlichen Gemeinde. In einer lutherischen Gemeinde in Hannover, wo es Gottesdienste in iranischer Sprache gibt, hat sich die Familie nach dem Bekenntnis zu Christus im Januar 2016 taufen lassen. Der Familienvater: »Das ist im Iran unmöglich.« Funk ergänzt: »Damit riskiert man sein Leben.«

Die Ablehnung des Antrages belastet den Mann nach eigenem Bekunden sehr. Im Integrationskurs sei er oft abwesend. Die Ausbildung zur Führerscheinprüfung hat er abgebrochen. Funk: »Er kann sich schwer konzentrieren.«

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