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Literaturkurs des Bad Oeynhausener Gymnasiums wandelt auf Spuren des Namensgebers

Film ab für die Kant-Show

Bad Oeynhausen  (WB). Das 125-jährige Schuljubiläum hat sich der Literaturkurs des Immanuel-Kant-Gymnasiums (IKG) zum Anlass genommen, die Entwicklung der Schule vom 18. bis ins 21. Jahrhundert in einem Theaterstück zu portraitieren.

Lydia Böhne

Auf ihrem Weg durch die Schulentwicklung entführen die Schüler der Jahrgangsstufe Q1 ihr Publikum auch ins 19. Jahrhundert. Das Singen der Kaiserhymne gehörte ebenso zum Alltag wie die militärische Bildung und der strenge Drill. Foto: Lydia Böhne

Der Abend startet im Wohnzimmer eines Mehrgenerationenhaushaltes. Oma Gertrud, Vater Manfred und Tochter Ivy – sie alle haben auf dem IKG gelernt. Die jüngste Tochter Hannah steckt mittendrin und lernt für eine Pädagogik-Klausur. Gut, dass Oma Gertrud ein Video über die vergangene Schulentwicklung besitzt. Und schon heißt es für die etwa 200 Besucher der Aufführung »Film ab für ›Die Ultimative Kant-Show‹ – Bekan(n)te Unterrichtsformate seit Immanuel Kant«.

Der wilde Ritt durch die Geschichte startet im 18. Jahrhundert. Im Klassenraum des Humanistischen Gymnasiums für Eliteschüler diskutieren die Schüler gerade über ein philosophisches Dilemma. Unter ihnen befindet sich auch der junge Kant, der durch seine kühnen Thesen schnell auffällt. Schon zu seiner Zeit steht neben Physik und Algebra nämlich auch Philosophie auf dem Lehrplan. Kurz darauf begründet Kant seinen Leitspruch zur Aufklärung: »Sapere aude – habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen«.

Die Zeitreise führt das Publikum weiter zu Rousseau, der das Ende des gehorsamen Lernens fordert, über Pestalozzi und seine Erkenntnis vom ganzheitlichen Lernen mit Kopf, Herz und Hand bis ins 19. Jahrhundert. Es geht ein Bruch durch die Schullandschaft. Jäh muss der Pädagoge Friedrich Fröbel mit ansehen, wie der militärische Drill seinen Wunsch einer musikalischen und liebevollen Erziehung zunichte macht.

Im Kaiserreich weht ein strenger Ton, die Jugendlichen lernen in der Oberprima alles, um erst in die Schlacht gegen Napoleon und später in den Ersten Weltkrieg zu ziehen. Es folgen die NS-Zeit, die Reformpädagogik, die Einführung von Grund- und Leistungskursen sowie eines Punktesystems zur Benotung im Rahmen der Kultusministerkonferenz 1972.

All das haben die 24 Schüler collagenartig in einer Aufführung auf die Bühne gebracht. Unter der Leitung von Dr. Stephan Sperlich ist den Jugendlichen im Alter zwischen 16 und 18 Jahren ein informatives wie unterhaltsames Gesamtbild gelungen. Ihren interessanten Abriss über die Schulgeschichte reichern sie mit kreativen Kostümen und schauspielerischem Talent an.

Trotz des Kurzbesuchs in einigen ernsteren Epochen darf reichlich gelacht werden. Es wird getanzt und gesungen, und zuletzt gibt es von den Anhängern der so genannten Generation »Digital Natives« noch eine Schlusspointe. Auch im 21. Jahrhundert sind die Gedanken von Kant durchaus tauglich, man müsse sie für die »Smombies« (Komposition aus den Substantiven Smartphone und Zombie), nur entsprechend ihrer lebensweltlichen Umstände neu übersetzen.

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