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Modellbauunternehmen aus Bad Oeynhausen mit 37 Mitarbeitern meldet kurz vor Weihnachten Insolvenz an

Firma Klocke steht vor dem Aus

Bad Oeynhausen (WB). Die schlimme Nachricht kam kurz vor Weihnachten: Das Bad Oeynhausener Unternehmen Gustav Klocke Modellbau GmbH & Co. KG hat Insolvenz angemeldet. 37 Mitarbeiter sind betroffen. Dem Automobilzulieferer droht im neuen Jahr das Aus.

Dominik Rose

Carolin Lönne und ihr Vater Ludger Lönne leiten – zusammen mit Stefan Budde – die Geschäfte der Firma Gustav Klocke Modellbau. Dem Betrieb droht das Aus. Foto: Dominik Rose

„Das ist alles ganz, ganz bitter“, sagt Geschäftsführerin Carolin Lönne. Alles begann damit, dass ein Kunde im Bereich Gießereimodellbau Ende 2018 seine Abteilung schloss. Die schlechten Nachrichten hörten nicht auf: Der größte Auftraggeber der vor 70 Jahren gegründeten Firma Gustav Klocke mit Sitz an der Königstraße 120 war seit 1982 der Volkswagen-Konzern. Als VW intern die Strukturen änderte und Aufträge an andere Betriebe vergab, brach für die Bad Oeynhausener nicht nur der Hauptkunde weg, sondern auch eine Welt zusammen. Und dann kamen noch von einem weiteren Kunden aus dem Maschinenbau unerwartet keine Aufträge mehr.

Ende Mai musste bereits die Notbremse gezogen werden

„Anfang des Jahres haben wir Kurzarbeit angemeldet“, sagt Ludger Lönne, der als Geschäftsführer für den operativen Bereich zuständig ist. Der 72-Jährige teilt sich die Unternehmensleitung mit seiner Tochter Carolin Lönne (kaufmännischer Bereich) und mit Stefan Budde, der für die technischen Abläufe verantwortlich ist.

Ende Mai musste die nächste Notbremse gezogen werden. 14 Mitarbeiter aus der Produktion und Konstruktion erhielten wegen der anhaltend schlechten Auftragslage Kündigungen. „Wir musten etwas tun, so schmerzhaft das auch für uns alle war“, berichtet Carolin Lönne (37). Zwar unternahm der Bad Oeynhausener Traditionsbetrieb „große Anstrengungen“, wie Ludger Lönne sagt, doch alle Maßnahmen brachten in der Summe nicht den erhofften Erfolg. Auch der harte Preiskampf in der Branche habe dazu beigetragen, dass der Betrieb nicht mehr richtig auf die Füße kam.

Am 16. Dezember fuhr Ludger Lönne zum Amtsgericht nach Bielefeld, um für das Unternehmen Insolvenz zu beantragen. Bei seiner Rückkehr am Mittag wurde die Belegschaft informiert. „Alle Mitarbeiter wussten, dass es nicht gut aussieht“, sagt Carolin Lönne, „aber diese Nachricht war dann schon ein Schock.“

Viele Mitarbieter sind schon seit Jahrzehnten im Unternehmen

Höhen und Tiefen habe es in der langen Geschichte von Gustav Klocke Modellbau immer wieder gegeben, erinnert sich Ludger Lönne. Aber die Entwicklung in den vergangenen Jahren sei nur noch bergab gegangen. „Das können wir nicht kompensieren“, stellt der Seniorchef fest. Leid tut es ihm vor allem um die Mitarbeiter. Zwar seien die meisten Fachkräfte, die das Unternehmen im Frühjahr und Sommer entlassen musste, mittlerweile in anderen Firmen untergekommen. Aber wie es für die 37 verbliebenen Beschäftigten weitergeht, vermag Ludger Lönne nicht zu sagen. Viele von ihnen sind schon seit Jahrzehnten für die Firma tätig, haben ihre Ausbildung dort gemacht und sind in feste Anstellungen übernommen worden.

Derzeit steht lediglich fest, dass alle Mitarbeiter seit Freitag für zwei Wochen im Weihnachtsurlaub sind. Am 6. Januar kehren sie in den Betrieb zurück. Dann gibt es erneut eine Belegschaftsversammlung. Denn der Insolvenzverwalter, Fachanwalt Stephan Höltershinken aus Minden, war erst an diesem Montag im Betrieb. Daher können die Mitarbeiter auch erst im neuen Jahr über die Entwicklung informiert werden. Anschließend sollen sie die vorhandenen Aufträge weiter bearbeiten – bis auf Widerruf.

Große Hoffnungen bezüglich des Fortbestandes der Gustav Klocke Modellbau GmbH & Co. KG hat Ludger Lönne nicht. „Ganz ehrlich, das wäre wohl ein Wunder“, sagt der Bad Oeynhausener, der direkt hinter dem Betrieb wohnt. Das sind keine schönen Aussichten für das Weihnachtsfest.

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