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NRW-Gesundheitsminister würdigt Leistungen des HDZ NRW

Geburtstagsfeier mit viel Herz

Bad Oeynhausen (WB). 1989 ist als Gedenkjahr des Mauerfalls viel gewürdigt worden. In Bad Oeynhausen steht diese Jahreszahl jedoch für einen Meilenstein in der Medizin: Das Herz- und Diabeteszentrum (HDZ) NRW setzt seit 1989 Spenderorgane bei herzkranken Menschen ein. Zur Jubiläumsveranstaltung hat NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann die Leistungen des „Excellence-Centers“ gewürdigt.

Gabriela Peschke

Freuen sich über den runden Geburtstag (von links): Günter Breitenberger (Vorsitzender der Selbsthilfe Organtransplantierter in NRW), Dr. Theodor Windhorst (ehemaliger Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe), Dr. Karin Overlack (Geschäftsführerin HDZ NRW), Karl-Josef Laumann (Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW), Bürgermeister Achim Wilmsmeier und Prof. Dr. Jan Gummert (ärztlicher Direktor des HDZ NRW und Direktor der Klinik für Thorax- und Kardiovaskularchirurgie). Foto: Gabriela Peschke

Bereits Dr. Karin Overlack stellte in ihrer Begrüßung die „einzigartige Erfolgsgeschichte“ der Landeseinrichtung heraus. Mehr als 2500 Herzen hätten seit den Pioniertagen der Herztransplantation in Bad Oeynhausen Schwerstkranken neues Leben ermöglicht. Damit zählt das HDZ nach eigenen Angaben zu den größten Transplantationszentren in Europa.

Viele Patienten warten wochenlang auf ein neues Organ

Vor mehr als 150 geladenen ehemaligen Patienten, Gästen und Ehrengästen verwies die HDZ-Geschäftsführerin aber auch auf den Engpass bei Spenderorganen. „Derzeit können wir mit etwa 80 Herztransplantationen im Jahr Leben retten, in Spitzenzeiten waren es fast 150“, führte sie aus. Aber: Etwa 200 Patienten warten wochenlang auf ein Spenderherz, hieß es in den weiteren Ausführungen. Deutschlandweit würden jährlich sogar mehr als 1200 Herzen benötigt. Angesichts dieser Unterversorgung forderte Dr. Karin Overlack: „Wir müssen weg von der Zustimmung und hin zur Widerspruchslösung“.

Derzeit erklären die Bürger in Deutschland freiwillig ihr Einverständnis mit einer Organentnahme im Todesfall („Organspendeausweis“). Dagegen sieht eine sogenannte Widerspruchslösung vor, dass rechtmäßig Organe entnommen werden dürfen, sofern der Beteiligte nicht ausdrücklich widersprochen hat. Dieses Vorgehen wird in anderen Ländern bereits praktiziert; in Deutschland wird der Bundestag im Januar 2020 zu der Frage Stellung nehmen (diese Zeitung berichtete).

„Bei der Organverteilung muss absolute Objektivität herrschen“

Seit 1989 leben Heinrich Recker und Peter Hünecke mit einem Spenderherz. Angesichts ihrer persönlichen „30-jährigen Herzjubiläen“ waren sie Ehrengäste der Veranstaltung. Prof. Dr. Jan Gummert, ärztlicher Direktor des HDZ, nahm dies zum Anlass, die Leistungen der Herztransplantation zu betonen: „Kunstherzen sind keine echte Alternative“. In einer Rückschau auf seine ersten Begegnungen mit dem HDZ und die rasante Entwicklung der Transplantationsmedizin stellte auch er klar: „Wir müssen weiter für Organspende kämpfen.“

Es sei eine „Schieflage“, dass Deutschland sich selbst derzeit nicht zur Widerspruchslösung bekenne, aber Spenderherzen aus Ländern in Anspruch nehme, wo diese Regelung verbindlich sei. Prof. Gummert würdigte schließlich den Einsatz der Mitarbeiter am HDZ: „Nur durch außergewöhnliches Engagement ist diese Spitzenmedizin in Bad Oeynhausen möglich.“

Auch der Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales in NRW, Karl-Josef Laumann, sprach seine Wertschätzung aus und forderte: „Die medizinische Zukunft des HDZ muss abgesichert werden.“ Neue Zentren in NRW dürften keine Konkurrenzsituation heraufbeschwören: „Solange ich da bin, werden die Leute in Bielefeld klar wissen, wo das HDZ steht“, sagte er. Laumann forderte eine sensiblere Spenderidentifizierung in den Krankenhäusern, er thematisierte die Kostenfrage bei den Krankenkassen hinsichtlich der Aufwertung von Spenderorganen und forderte schließlich: „Bei der Organverteilung muss absolute Objektivität herrschen.“ Der Gesundheitsminister sprach sich abschließend gegen eine Privatisierung aus: „Diese exzellente Klinik muss beim Land bleiben.“

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