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Etliche Vereine und Institutionen nutzen Teile des Rehmer Bürgerhauses

Hier ist mehr los als gedacht

Bad Oeynhausen-Rehme  (WB). Dass das Bürgerhaus Rehme leer steht, seit die dort untergebrachte Notunterkunft für Flüchtlinge Anfang 2016 aufgelöst wurde, ist ein Irrglaube. Im Gegenteil. Mittlerweile nutzen etliche Vereine und Institutionen Teile der Immobilie.

Malte Samtenschnieder

Da hier die coronabedingten Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten werden könnten, ist der Saal im Bürgerhaus Rehme als Tagungsort für die Sitzungen des von 44 auf 54 Mitglieder angewachsenen, neugewählten Stadtrates im Gespräch. Für Proben und Übungsstunden wird der Raum bereits genutzt. Foto: Malte Samtenschnieder

Und seit der Kommunalwahl Mitte September ist der große Saal sogar als Tagungsort für den von 44 auf 54 Mitglieder gewachsenen, neugewählten Stadtrat im Gespräch. Denn dort ließen sich bei den Sitzungen alle geltenden coronabedingten Hygiene- und Abstandsregeln einhalten.

„Dass uns das Bürgerhaus komplett wieder zur Verfügung steht, seit im Frühjahr 2016 die letzten Flüchtlinge ausgezogen sind, stimmt so nicht“, sagte Patrick Zahn, Leiter des Bereichs Wirtschaftsförderung/Liegenschaften, bei einem Ortstermin. Ein Jahr lang habe die Stadt die Räumlichkeiten als Reserve vorgehalten. Erst dann sei beispielsweise mit dem Abbau der Etagenbetten begonnen worden.

Raumnot wegen Corona

Der erste Gebäudeteil, der wieder für das Vereinsleben zur Verfügung gestellt worden sei, sei der Schießstand im Keller gewesen. „Die Regie über die Trainingszeiten hat der Schützenverein Rehme“, sagte Patrick Zahn. Ein Teil des Kontingents entfalle beispielsweise auf die Bürgerschützen 05.

Und nicht nur das: „Seit die Altstadtschützen ihre Gaststätte am Nordbahnhof aufgeben mussten, nutzen sie für ihre Treffen den ehemaligen Gaststättenraum im Bürgerhaus“, sagte der Wirtschaftsförderer. Seines Wissens habe diese Regelung weiter Bestand, obwohl die Bürgerschützen 05 inzwischen auch wieder über eine eigene Schützengaststätte an der Walderseestraße verfügen.

„Die Corona-Krise hat dazu geführt, dass wir in den vergangenen Monaten immer neue Nutzungsanfragen erhalten haben. Viele Vereine sahen sich nicht in der Lage, in ihren bisherigen Räumlichkeiten die Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten“, sagte Heike Brandhorst, Mitarbeiterin im Bereich Wirtschaftsförderung/Liegenschaften. Beabsichtigt gewesen sei diese Entwicklung nicht. Sie habe sich vielmehr verselbstständigt. Und inzwischen seien die Kapazitäten erschöpft.

Swing und Seniorensport

„Im großen Saal trifft sich die Happy Swing Company zu ihren Proben“, sagte Heike Brandhorst. Die Seniorengymnastikgruppe der evangelischen Kirchengemeinde Rehme komme dort ebenfalls zusammen. Und möglicherweise wird am 4. November auch bereits die konstituierende Sitzung des Stadtrates im Bürgerhaus Rehme stattfinden.

„Für den um zehn Mitglieder angewachsenen neuen Stadtrat reicht der Platz in der Wandelhalle unter Corona-Bedingungen nicht aus“, sagte Stadtsprecher Volker Müller-Ulrich. Dort hatte sich der alte Stadtrat zur letzten Sitzung getroffen.

Zudem müsse gewährleistet sein, dass interessierte Bürger Zugang zum öffentlichen Teil der Ratssitzungen erhalten. „In diesem Zusammenhang ist es auch keine Alternative, die Empore der Wandelhalle für Zuschauer zu öffnen“, sagte der Stadtsprecher. Dies sei vermutlich im Bürgerhaus Rehme einfacher umzusetzen.

Stellprobe für Ratssitzung

Das Ergebnis einer Stellprobe von Tischen und Stühlen für alle Ratsmitglieder zuzüglich Vertretern der Stadtverwaltung in der vergangenen Woche hat die Stadt bislang noch nicht mitgeteilt. Dies steht jedoch unmittelbar bevor, damit die Einladungen zur Ratssitzung in zwei Wochen fristgemäß verschickt werden können.

Nicht nur die verschiedenen Schützenvereine sind im Keller des Bürgerhauses Rehme anzutreffen. Dort verfügt auch das Profilingbüro Minden über einige Räume. Im Auftrag des Jobcenters führt es Integrationskurse durch. „Die Hauptzielgruppe sind Mütter mit kleinen Kindern“, erläuterte Heike Brandhorst.

Büros und Lagerräume

Verschiedene Nutzer gibt es auch im ersten Obergeschoss über der ehemaligen Gaststätte. „Dort hat der Stadtsportverband seit Anfang des Jahres mehrere Büroräume“, sagte Patrick Zahn. Nebenan sei das Kleine Theater Rehme untergebracht. „Es hat hier einen Probenraum nebst Lager. Auftritte, möglicherweise sogar mit Publikum, sind aber ausdrücklich ausgeschlossen“, betonte der Wirtschaftsförderer.

Als weitere Nutzer des Bürgerhauses benannte Heike Brandhorst die Volkshochschule Bad Oeynhausen, die im Foyer einen Sprachkurs veranstaltet, und die Stadt Bad Oeynhausen selbst: „Wir nutzen die Räume für ein Brückenprojekt für ein- bis fünfjährige Flüchtlingskinder“, erläuterte Heike Brandhorst. Hinzu kämen einmalige Nutzungen oder Nutzungen in unregelmäßigen Abständen. Etwa, wenn sich der AWO-Seniorenclub zum Kaffeetrinken treffen wolle.

Die rege Nutzung durch Vereine und Institutionen auf der einen Seite und die Ungewissheit, wie es mit dem Bürgerhaus weitergeht, auf der anderen Seite sind laut Patrick Zahn kein Widerspruch: „Alle, die hier Räume nutzen, wissen, dass ihr Mietverhältnis kurzfristig beendet werden könnte.“

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