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Die vielen Besucher des Naturschutzgebietes in Lübbecke bringen auch Probleme für die Tierwelt mit sich

Hochbetrieb im Gehlenbecker Moor

Lübbecke

Bilder vom großen Andrang am Dümmer hatten es am Sonntagabend sogar bis in die Heute-Sendung geschafft. Doch – etwas weniger bekannt – auch das Große Torfmoor hat mit großen Besucherströmen zu kämpfen.

Friederike Niemeyer

So macht der Spaziergang im Moor Freude: Nur auf den Wanderwegen ist Simone Weber aus Preußisch Oldendorf mit ihren angeleinten Mischlingen „Kalle“ und „Milli“ bei Sonnenschein unterwegs. Doch nicht alle Besucher halten sich an die Regeln. Foto: Martin Nobbe

Einheimische Naturfreunde freuen sich über das Interesse, sorgen sich aber auch vor allem um die Vögel.

Andreas Holdmann ist Ortsvorsteher in Gehlenbeck. Foto: CDU

In der Pandemie entdecken offenbar viele Menschen ihr Umfeld mit seinen Attraktionen neu. Gehlenbecks Ortsvorsteher Andreas Holdmann wohnt nicht weit weg von Freibad und Moorhus und hat bei einer Radtour am Sonntag randvolle Parkplätze bemerkt. Teilweise hätten die Autos mit Kennzeichen auch aus Bielefeld, Paderborn oder Gütersloh – sogar ein Wohnmobil aus Cuxhaven war darunter – auch am Straßenrand geparkt.

„Es ist toll, dass die Leute offenbar ihre Kinder an die Hand nehmen und das Moor entdecken wollen. Aber es gilt auch zu bedenken, dass es dort keine Infrastruktur gibt“, sagt Holdmann. Die beiden Cafés am Moor sind derzeit geschlossen, so dass es nur noch im Besucherzentrum Moorhus eine Toilette gibt, die eben auch nur eingeschränkt zugänglich ist. Auch Mülleimer gibt es an den Wanderwegen im Moor nicht – ganz bewusst, weil die ja regelmäßig geleert werden müssten, damit es keine Vermüllung gibt und Tiere nicht daran gehen. Besucher sind also gehalten, ihren Abfall wieder mitzunehmen.

Vor allem besorgt den Gehlenbecker aber, dass etliche Besucher des Naturschutzgebietes nicht auf den Wegen bleiben, etwa weil sie die Wasserflächen aus der Nähe sehen wollten. Oder sie lassen ihre Hunde von der Leine. Beides streng verboten und wegen der zahlreichen dort ruhenden und brütenden Vögel auch begründet. „Wenn das nur fünf Prozent der Besucher tun, dann ist das bei der Menge der Leute auch schon viel“, sagt Andreas Holdmann. Sogar in den Nachtstunden gebe es inzwischen Spaziergänger, hätten ihm Jäger erzählt. Der CDU-Politiker hat das Thema bereits im Kreis-Umweltausschuss angesprochen.

Nur, was lässt sich tun? Besucher sollen in dem wichtigen Naherholungsgebiet ja weiter willkommen sein. Der Gehlenbecker Ortsvorsteher überlegt, ob die gerade in der Brutzeit besonders sensiblen Bereiche nicht gesondert geschützt werden sollten, etwa durch Absperrungen. Der Nabu, der für die Pflege des Naturschutzgebietes verantwortlich zeichne, solle sich in jedem Fall Gedanken machen, findet Holdmann. Und wenn es nur gesonderte Hinweisschilder seien.

Hermann Nagel vom Nabu engagiert sich für das Große Torfmoor Foto: Kai Wessel

Hermann Nagel, heimisches Vorstandsmitglied des Nabu-Kreisverbandes, spricht selbst davon, dass das Moor derzeit häufig überlaufen sei, bei schönem Wetter auch unter der Woche. Auch er sorgt sich um die vielen geschützten Vogelarten in diesem einzigartigen Flecken Natur. „Die Brutzeit beginnt im März, aber die Kraniche sind schon jetzt zurück“, berichtet er von den drei Brutpaaren dieser besonders sensiblen Vogelart. „Sehr, sehr scheu“ sei auch ein anderer Bodenbrüter, die Bekassine. Und auch der Große Brachvogel mag es nicht, wenn im Umfeld seines Geleges Bewegung sei.

Hermann Nagel zu Besuchern, die die Wege verlassen

„Wir müssen das im Nabu noch diskutieren, ob sich der Menschenandrang besser ordnen lässt“, sagt Nagel. Vielleicht gerade an Wochenenden und Feiertagen könnten ehrenamtliche Landschaftswächter ein Auge darauf haben, dass sich die Menschen verträglich verhalten, Besucher ansprechen und aufklären. Viele wüssten etwa auch gar nicht mehr, was die mit Schaf-Symbolen markierten, abgesperrten Wege seien. Diese so genannten Triftwege sind nämlich keine öffentlichen Wege, sondern reine Zuwege für die Schafe auf ihre Weideflächen im Moor. In der Bastau-Niederung gibt es Landschaftswächter, vom Kreis eingesetzt, bereits seit längerem, sagt Hermann Nagel.

Ihn persönlich stören besonders Hobbyfotografen, die Drohnen über die Schutzgebiete steigen lassen, und nicht angeleinte Hunde. „Sie glauben gar nicht, was ich im Moor schon erlebt habe“, sagt der engagierte Naturschützer im Gespräch mit dieser Zeitung. So hätten Hochzeitspaare oder auch ganze Feiergesellschaften in den Schutzgebieten die Wege verlassen, um sich an besonders idyllischen Stellen fürs Familienalbum ablichten lassen.

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