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Jungen (11) mit dem Tod gedroht: vier Monate Haft für vorbestraften Löhner

„Ich stecke dich ins Heim, ich bringe dich um“

Bad Oeynhausen/Löhne (wa). Vier Monate Haft ohne Bewährung hat Amtsrichter Dr. David Cornelius gegen einen 43-jährigen Kraftfahrer aus Löhne verhängt. Die Verfahrensbeteiligten sahen es als erwiesen an, dass der Mann zwei Jugendliche beleidigt und massiv bedroht hatte.

Vor dem Amtsgericht in Bad Oeynhausen ist der Fall verhandelt worden. Foto: Sonja Gruhn/Archiv

Vorfall bei der Innenstadtfete

Die Tat hatte sich während des Innenstadtfestes in Bad Oeynhausen im vergangenem Jahr abends am Zentralen Busbahnhof (ZOB) zugetragen. Er habe „nie jemanden bedroht und nie die Absicht gehabt, jemanden zu verletzten“, sagte der Beschuldigte zu Beginn der Verhandlung und bestritt die Tat vehement. Schließlich dürfe er sich bei seinen Vorstrafen „nichts mehr erlauben.“ Er sei an jener Haltestelle mit dem Sohn seiner 33-jährigen Partnerin in Streit geraten, in den sich zwei weitere Jugendliche eingemischt hätten, sagte der Angeklagte. Auslöser für den Streit mit dem Elfjährigen sei gewesen, „dass er schnell aggressiv und handgreiflich wird.“

Heftiger Streit

Aufgrund massiver Schwierigkeiten sei das Kind „nun in einem Heim, weil es nicht mehr mit ihm geht.“ Insgesamt drei Zeugen musste Amtsrichter Dr. David Cornelius vernehmen, bevor die Schuld des Mannes feststand. Er habe den heftigen Streit mit dem Elfjährigen an der Haltestelle bemerkt, schilderte ein 16-jähriger Schüler die Ereignisse.

Jugendliche angebrüllt

„Ich stecke dich ins Heim, ich bringe dich um“, habe der 43-Jährige gebrüllt. Daraufhin habe er in der Auseinandersetzung vermitteln wollen, erzählte der 16-Jährige. „Ich hatte versucht, mit dem Jungen zu reden, dann ging die Mutter auf mich los und versuchte, mich zu schlagen.“ Das Paar habe zwei Kinder bei sich gehabt. „Die hatten auch einen Kinderwagen dabei, da war Bier drin.“

„Er stand unter Schock“

Den Eltern sei er zuvor noch nie begegnet. Seine Aussagen bestätigte auch ein 17-jähriger Jugendlicher. Der 16-Jährige sei zu ihm in das benachbarte Schnellrestaurant gekommen, in welchem er zu jener Zeit gearbeitet habe. Dabei habe er zuvor sehen können, dass es zu einem Konflikt zwischen dem Schüler „und dem lieben Herrn und seiner Freundin gekommen ist.“ Der Schüler „ging in den Laden rein und hat sich gesetzt“, erinnerte sich der 17-Jährige. „Er stand unter Schock.“ Daraufhin habe ihn der 43-Jährige durch ein offenes Fenster am Tresen massiv beleidigt und mit dem Hinweis bedroht, dass er wisse, wo der 17-Jährige wohne und welche Wege er zurücklege. „Ich habe das schon ernst genommen“, sagte der Jugendliche. Zudem habe er deutlichen Alkoholgeruch bei dem Beschuldigten wahrgenommen und im Anschluss die Polizei verständigt. Auch die versuchte Prügelei der anwesenden 33-jährigen Mutter mit dem 16-Jährigen bestätigte der Jugendliche.

Mutter schweigt

Die Frau selbst machte vor Gericht trotz mehrfacher Nachfragen zu dem Fall keine Angaben und gab nur den Streit mit ihrem Sohn zu. „Seinen Plan, sich im Zaum zu halten, hat er nicht ausführen können“, sagte abschließend der Staatsanwalt und wertete die Aussagen des Beschuldigten als Schutzbehauptungen.

Doch seinem Plädoyer auf eine Haftstrafe zur Bewährung folgte Amtsrichter Dr. David Cornelius nicht und setzte eine viermonatige Gefängnisstrafe ohne Bewährung als Urteil fest. Denn Vorstrafen, sagte er zum Angeklagten, „haben Sie jede Menge. Sie können sich einfach nicht benehmen.“ Die Haftstrafe „sitzen Sie mal ab“, erklärte der Richter dem uneinsichtigen Angeklagten. Seine Reaktion auf das Urteil folgte noch im Saal. „Ich werde mir einen Anwalt nehmen und das noch mal überarbeiten lassen.“ Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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