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Etwa 200 Dosen am ersten Tag im Impfzentrum des Kreises Minden-Lübbecke in Hille verabreicht – Bald Astra-Zeneca-Mittel für mobiles Pflegepersonal zur Verfügung

Impfstart glückt trotz Schneechaos

Hille-Unterlübbe

Trotz der extremen Witterung hat das Impfzentrum für den Kreis Minden-Lübbecke in Unterlübbe wie geplant am Montag für die ersten Impfungs-Empfänger geöffnet. Und es grenzt schon fast an ein Wunder: Fast alle, die einen Termin hatten, haben sich erfolgreich durch das Schneegestöber gekämpft, um ihre Impfung zu bekommen.

Arndt Hoppe

Der kleine, große Pieks: Hans-Joachim Karrasch (87) erhält in Begleitung seines Sohnes Michael seine Corona-Schutzimpfung von Arzthelferin Isabelle-Marie Bernhardt im Impfzenrum in Hille-Unterlübbe. Foto: Arndt Hoppe

Und das, obwohl alle Busverbindungen wegen der Straßenverhältnisse eingestellt waren. „Wir haben meines Wissens kaum Absagen gehabt“, erklärt Anke Richter-Scheer, medizinische Leiterin im Impfzentrum Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL). Und das Zentrum wurde ganz planmäßig um 14 Uhr geöffnet.

Trotz der schwierigen Straßenverhältnisse wegen des Wintereinbruchs war der Parkplatz am Nachmittaggut gefüllt. Kaum jemand hat am ersten Impftag seinen Termin nicht wahrgenommen. Foto: Arndt Hoppe

198 Impfungen

Zu den 198 Empfängern der ersten Impfdosis am ersten Impftag gehörte unter anderem der 87-jährige Hans-Joachim Karrasch aus Preußisch Oldendorf. „Ich war mir lange nicht sicher, ob ich mich impfen lassen soll. Es gab so viele verschiedene Informationen über Impfstoffe, über Mutationen und all das“ , sagt der Pfarrer im Ruhestand, der es mit seinem Sohn Michael Karrasch nach Unterlübbe geschafft hat. „Aber jetzt bin ich froh, dass ich hier bin.“

„Es hat schon etwas Überzeugung gekostet“, sagt der Sohn, der auch die Pflege seines Vaters übernimmt. „Aber Dr. Hirschhausen hat geholfen. Er hat in einer Fernsehsendung das Impfen erklärt. Und am nächsten Morgen hat mein Vater zugestimmt.“ Der Preußisch Oldendorfer, der auf einen Rollstuhl angewiesen ist, durchläuft mit seinem Begleiter von der Anmeldung bis zum Checkout eine ganze Reihe bestens durchorganisierter Stationen.

Mehrere Stationen

An der Anmeldung werden erst einmal die notwendigen Unterlagen überprüft. An der nächsten Station geht es mit einem Infrarot-Fieberthermometer weiter. „Hat ein Impfwilliger erhöhte Temperatur, dann muss er an eine andere Station weiter, wo ein Corona-Schelltest gemacht wird“, erklärt Richter-Scheer. „Wir wollen ja, auch wenn die Person sonst keine Krankheitssymptome hat, kein Risiko eingehen.“

Bevor Hans-Joachim Karrasch die Spritze erhält, muss er noch einmal zu einer Registrierung. Bevor geimpft wird, muss Karrasch noch einmal einige Fragen beantworten. Zum Beispiel, ob er schwerwiegende Erkrankungen hat, Allergien und natürlich, ob er die Impfung erhalten möchte.

Sechs Impfstraßen

Als das erledigt ist, geht es in die „Impfstraße 3“. „Wir haben hier im Impfzentrum in Hille insgesamt sechs Impfstraßen, für die jeweils ein Arzt zuständig ist“, sagte Anke Richter-Scheer. „Jetzt zum Start sind aber erst drei in Betrieb.“ Da für die pro Person etwa eine Viertelstunde einkalkuliert werde, könnten somit zwölf Menschen pro Stunde geimpft werden, rechnet sie vor.

Und so sieht die Spritze aus, auf die so viele Menschen ihre Hoffnungen im Kampf gegen Corona setzen. Foto: Arndt Hoppe

Für den Preußisch Oldendorfer heißt es jetzt Ärmel hochkrempeln. Denn nun steht der kleine, aber so wichtige Pieks an. Den Impfstoff der Firma Biontech bekommt der 87-Jährige von Isabelle-Marie Bernhardt verabreicht. Sie ist die Schichtleiterin der Medizinischen Fachangestellten (MFA), die zurzeit im Einsatz sind. In wenigen Sekunden ist es überstanden. „Der Arm kann sich jetzt an dieser Stelle noch ein zwei Tage anfühlen wie bei einem Muskelkater“, erklärt Isabelle-Marie Bernhardt und schon kann Michael Karrasch seinen Vater in den Wartebereich für den Checkout weiterschieben.

Landrätin lobt

Am ersten Impftag haben auch Landrätin Anna Katharina Bölling und Hansjörg Deichholz, stellvertretender Leiter des Corona-Krisenstabs des Kreises, dem Impfzentrum einen Besuch abgestattet. „Mir sind wirklich zehn Pfund Steine vom Herz gefallen, als ich erfahren habe, dass der Impfstoff es tatsächlich rechtzeitig zu uns geschafft hat“, sagt die Landrätin. „Denn bei dieser Wetterlage kann der Weg von Düsseldorf schon ganz schön lang sein.“ Es sei schon ein historisches Bild, „dass wir in diesem Schneechaos mit dem Impfen der Menschen über 80 anfangen können“.

Für das Gelingen dankte sie unter anderem dem Krisenstab um Cornelia Schöder und Hans-Joerg Deichholz sowie Ralf Schwychon, Leiter des Impfzentrums, und der medizinischen Leiterin Anke Richter-Scheer. „Aber ich weiß, dass natürlich noch ganz, ganz viele Menschen daran beteiligt sind, vom DRK, der Feuerwehr, Polizei bis hin zu den Putzkräften, die hier alles immer sauber halten“, sagte Anna Katharina Bölling.

Astra-Zeneca-Impfstoff

Deichholz sagte, es sei eine gute Entscheidung gewesen, erst einmal mit knapp 200 Impfungen anzufangen. So könne man sehen, wo vielleicht etwas noch nicht ganz rund laufe. Er konnte darüber hinaus bekannt geben, dass Mitte oder Ende nächster Woche in Hille auch der Impfstoff der Firma Astra Zeneca zur Verfügung stehe, der zur Impfung von Personen unter 65 Jahren empfohlen sei. Davon habe der Kreis erst am Wochenende erfahren. „Das Mittel wird zunächst bei Mitarbeitern der Mobilen Pflege zum Einsatz kommen“, sagte Hans-Joerg Deichholz. Wie die entsprechenden Empfänger informiert würden, stehe aufgrund der Kürze der Zeit noch nicht fest.

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