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Thomanerchor Leipzig gestaltet beeindruckendes Kirchenkonzert in Bad Oeynhausen

In Bachscher Tradition

Bad Oeynhausen (WB). Einmal mit eigenen Ohren den Thomanerchor Leipzig hören – dazu gab es am Samstagabend in der Auferstehungskirche am Kurpark die Gelegenheit. Trotz der zeitgleichen TV-Übertragung des zweiten Vorrundenspiels der deutschen Elf bei der Fußball-WM in Russland war das Konzert ausverkauft.

Malte Samtenschnieder

Mit Werken von Martin, Schütz, Brahms und Bach hat der Thomanerchor Leipzig das Publikum in der Auferstehungskirche am Kurpark begeistert. Foto: Malte Samtenschnieder

Und das zu Recht. Denn wie auf Plakaten und Programmheften angekündigt, erwartete die mehr als 500 Zuhörer »Chormusik vom Feinsten«. Nichts anderes hatten sich die Besucher auch von einem der bekanntesten und traditionsreichsten Chöre der Welt erhofft, der mittlerweile auf eine mehr als 800-jährige Geschichte zurückblicken kann.

Innerhalb des reichen Repertoires an geistlicher Musik nimmt seit fast 300 Jahren das großartige Werk seines berühmtesten Leiters, des Thomaskantors Johann Sebastian Bach, breiten Raum ein – so auch während des Auftritts in Bad Oeynhausen.

Unter dem fordernden Dirigat von Thomaskantor Gotthold Schwarz zeigten sich die mehr als 90 Sänger im Alter von neun bis 18 Jahren in Bestform. Homogener Klang, deutliche Aussprache, erstaunliche Flexibilität in Ausdruck und Dynamik – all das war nicht anders zu erwarten.

Sichtbare Freude am gemeinsamen Gesang

Nicht selbstverständlich war jedoch die deutlich sichtbare Freude am gemeinsamen Gesang, die die jungen Männer während ihres hoch konzentrierten Vortrags an den Tag legten. Zudem keine Spur von Schüchtern- oder Unsicherheit.

Mit ihren hohen Stimmen legten die jüngsten Thomaner – sie besuchen gerade einmal die vierte Klasse – die gleiche Professionalität an den Tag wie die ältesten Thomaner in den tiefen Lagen. Zum Ende der aktuellen Konzertreise werden mehrere von ihnen nach bestandener Abiturprüfung feierlich verabschiedet.

Dem Anspruch, eine hohe Musikkultur zwischen Tradition und Moderne zu präsentieren, wurde Gotthold Schwarz während des 90-minütigen Konzertes gerecht. Mit Auszügen aus der Messe für zwei vierstimmige Chöre von Frank Martin hatte sich der Thomaskantor für eine zeitgenössisch-dissonante Tonsprache entschieden. Selbst harmonisch anspruchsvolle Engführungen – etwa im äußerst emotional vorgetragenen »Sanctus« – meisterten die Chorsänger souverän.

Bogen vom Barock bis in die Gegenwart

Einen kurzen Ausflug in die Tondichtkunst der Romantik servierten die Thomaner mit ausgewählten Fest- und Gedenksprüchen für achtstimmigen Chor von Johannes Brahms. Im Kontrast dazu bestachen die barocken, schlichten Klänge der Motette »Das ist je gewißlich wahr« von Heinrich Schütz um so mehr.

Natürlich durfte auch eine Motette von Johann Sebastian Bach nicht fehlen. »Singet dem Herren ein neues Lied« schallte es den Zuhörern am Konzertende aus mehr als 90 Kehlen entgegen. Sowohl bei Schütz als auch bei Bach übernahmen Hartmut Becker (Violoncello) und Stefan Altner (Orgel) den Basso-continuo-Part.

Als virtuoser Tastenkünstler gestaltete zudem Thomasorganist Ulrich Böhme das Konzert mit. Für seine meisterliche Interpretation von Bachs »Toccata und Fuge d-Moll« gab es zu Recht tosenden Beifall. Den erhielten auch die Thomaner, bevor sie sich nach einer Zugabe vom Publikum verabschiedeten.

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