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Pandemie ist auch bei Geschäftsaktivitäten der Sparkasse Bad Oeynhausen-Porta Westfalica bestimmender Faktor

In der Krise wird verstärkt gespart

Bad Oeynhausen (WB)

Die Pandemie wirkt sich vielfältig auf die Geschäftsaktivitäten und das Geschäftsergebnis der Sparkasse Bad Oeynhausen-Porta Westfalica aus. Und die Kunden reagieren vor allem in einer Form: Sie legen deutlich mehr Geld auf die hohe Kante. Das ist eine der Kernaussagen des Kreditinstitutes mit Blick auf 2020.

Claus Brand

Die Sparkasse Bad Oeynhausen-Porta Westfalica - hier die Hauptfiliale in Bad Oeynhausen - hat 251 Mitarbeiter, darunter 20 Auszubildende. Derzeit gibt es in den beiden Städten 19 Filialen. Im Vorjahr erreichte das betreute Anlagevermögen einen Wert von 1584,3 Millionen Euro, ein Plus im Vergleich zu 2019 von 8,9 Prozent. Foto:

„Das Corona-Jahr hat alle stark belastet. Das Kunden-Geschäft ist nicht einfacher geworden“, sagte Vorstandsvorsitzender Rainer Janke. „Auch deshalb sind die von uns vorgelegten Zahlen eine Erfolgsbilanz.“ Präsentiert hat er sie unter anderem mit seinem Nachfolger von September an, Matthias Paschke, und dem dann neu hinzu kommenden Vorstandsmitglied Markus Krawietz.

Im schwierigen Umfeld der Pandemie habe die Sparkasse im vergangenen Jahr ihre Bilanzsumme um 108,6 Millionen auf 1490,1 Millionen Euro gesteigert. Janke: „Aber mehr Geschäft bedeutet nicht mehr Ertrag. Der um rund eine Million Euro rückläufige Zinsüberschuss zeigt, dass das starke Wachstum im Kundengeschäft nicht ausgereicht hat, um die Belastungen aus der extremen Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentral Bank zu kompensieren.“ Diese Aussage verbindet er aber mit dem klaren Hinweis, dass Kleinsparer sich keine Sorgen machen müssten, mit Negativzinsen konfrontiert zu werden. Bei insgesamt etwa 45.000 Kunden liege der Anteil derer, die davon betroffen seien „bei deutlich unter fünf Prozent“. Paschke ergänzte: „Mit etwa 200 Kunden haben wir Vereinbarungen getroffen.“ Mit etwa 1000 wolle man sprechen. Es gehe um Kunden, die über mehr als 100.000 Euro auf Giro- und Tagesgeldkonten verfügen würden.

Habe der Zins-Überschuss 2017 beispielsweise noch bei 24,3 Millionen Euro gelegen, bewege er sich im Vorjahr bei 20,6 Millionen Euro. Die Angabe zum Bilanzgewinn von 800.000 Euro – „auf Vorjahresniveau“ – verband der Vorstand mit dem Hinweis, mit Blick auf die Pandemie bei der Verwendung mehr Risiko-Vorsorge betrieben zu haben.

Mit Blick auf das gewachsene Kreditgeschäft – siehe auch Grafik oben – und die noch stärker steigenden Kundeneinlagen erklärte der Vorstand: „Die wirtschaftliche Unsicherheit angesichts der Corona-Krise, aber auch die Tatsache, dass Reisen und Konsumausgaben in der Pandemie nicht möglich waren, hatten gravierende Auswirkungen auf das Sparverhalten.“ Mit 16,3 Prozent habe die Sparquote in Deutschland 2020 Rekordniveau gehabt. Im Vorjahr sei das betreute Anlagevermögen um 129,6 Millionen Euro auf 1584,3 Millionen ausgeweitet worden. Wachstumsträger seien so die Kundeneinlagen und das Wertpapiergeschäft gleichermaßen gewesen. Trotz historisch niedriger Zinsen und einem sehr dynamischen Wertpapiergeschäft habe sich der Zuwachs der bilanzwirksamen Kundeneinlagen 2020 weiter fortgesetzt. Mit plus 82,8 Millionen Euro (plus 7,4 Prozent) sei der Einlagenbestand noch stärker als im Jahr zuvor gewachsen. Zum einen freue sich die Sparkasse „über das darin zum Ausdruck kommende Vertrauen der Kunden in Krisenzeiten“. Zum anderen werde das Einlagenwachstum zur wirtschaftlichen Belastung, „weil die Sparkasse den Überhang an Einlagen gegenüber den Krediten nicht ertragreich investieren kann“. Das Haus müsse für die Überschussliquidität Negativzinsen von 0,5 Prozent zahlen.

Die Darlehenszusagen an die gewerbliche Wirtschaft wurden mit 111 Millionen Euro gegenüber 2019 mehr als verdoppelt. Darin enthalten sind KfW-Förderdarlehen aus dem Corona-Hilfspaket der Bundesregierung in Höhe von 23,2 Millionen Euro. Die Sparkasse habe in der Krise aber nicht nur mit Förderkrediten zur Verfügung gestanden. „Oft haben wir unbürokratisch geholfen, fällige Tilgungsleistungen gestundet, staatliche Hilfen vorfinanziert oder den Kreditrahmen erweitert“, so Paschke. Das Wohnungsbaugeschäft sei erneut Schwerpunkt der Darlehenszusagen gewesen. Für Vorhaben seien 135,4 Millionen Euro (plus 62,2 Prozent) zur Verfügung gestellt worden. Viele hätten auch renoviert oder modernisiert.

Die von Konjunkturforschern für 2021 erwartete Erholung werde vom Pandemie-Verlauf und Impffortschritt abhängen. Bei positiver Entwicklung könne man wieder mit mehr Konsum rechnen, „zum Beispiel für Urlaub oder einen Autokauf“, so Janke.

Online-Banking

Auch wenn die Sparkasse aktuell keine Veränderungen am Filialnetz plant: Der Trend zum Online-und Mobile-Banking hält an. Dazu nennt das Haus diese Zahlen (in Klammern Vergleich zu 2019):

Gewerbliche Online-Banking-Nutzer: 5402 (+ 52 Prozent); Besuch in der Internetfiliale(alle Gerätetypen): 2,69 Millionen (+ 38 Prozent); Nutzer elektronisches Postfach: 27136 (+ 19 Prozent); Sparkassen-App-Nutzer: 11535 (+ 11 Prozent); private Online-Banking-Nutzer: 25377 (+ 1,4 Prozent). Das bedeutet, das mehr als 60 Prozent der Privatkunden ihr Konto online führen.

Ausgebaut hat die Sparkasse die Erreichbarkeit des Medial-Centers, einer Ergänzung des stationären Filialnetzes. Berater sind dort montags bis freitags von 8 bis 20 Uhr erreichbar, per Telefon und online per Video-Chat. Zehn Mitarbeiter kümmern sich im Medial-Center um die Kunden. Rund 1600 von ihnen haben sich für eine Betreuung nur auf diesem Weg entschieden. In den Beratungszentren der Filialen stehen die Berater nach Terminvereinbarung von 8 bis 20 Uhr zur Verfügung.

Immobilien

Neben niedrigen Zinsen hat auch die Pandemie zur Immobiliennachfrage beigetragen. Angesichts des Lockdowns im Frühjahr 2020 hätten viele die eigenen vier Wände als wichtigen Rückzugsort erkannt. So habe die Nachfrage nach gebrauchten und neuen Immobilien das Angebot übertroffen. Vermittelt wurden im Vorjahr 119 Objekte mit einem Volumen von 19,2 Millionen Euro. Dies entspricht laut Sparkasse einem Plus gegenüber 2019 von 55,1 Prozent.

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