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Staatsbad-Geschäftsführerin sieht Diskussion als Basis für weiteres Marketing

In welche Richtung will die Stadt?

Bad Oeynhausen  (WB). Unter dem Slogan „Sommer in deiner Stadt“ hat die Staatsbad Bad Oeynhausen GmbH im Juli und August erstmals spezielle Angebote vermarktet, um den Kurstädtern vor Augen zu führen, wie vielfältig und abwechslungsreich Urlaub zu Hause sein kann. Nach dem Abschluss der Aktion zieht Staatsbad-Geschäftsführerin Beate Krämer eine gemischte Bilanz.

Malte Samtenschnieder

Auch im Oktober lohnt sich ein Spaziergang durch den Kurpark Bad Oeynhausen. Die Atmosphäre am Kaiserpalais ist geprägt von buntem Herbstlaub. Foto: Malte Samtenschnieder

„Unsere Sommerkampagne war ungewohnt für Bad Oeynhausen“, sagte Beate Krämer im Gespräch mit dieser Zeitung. Mitten in der Corona-Pandemie sei es vor allem darum gegangen, den Menschen, vor Augen zu führen, was ihnen ihre Heimatstadt alles bietet. Beate Krämer: „Viele denken zuerst an Gesundheit, Kultur und Sport.“

Es gebe aber in Bad Oeynhausen auch eine lebendige Hotel- und Gastronomieszene sowie einen ausgeprägten Einzelhandel. „Und wer alle diese Angebote kennt und nutzt, entwickelt automatisch eine höhere Wertschätzung für seine Stadt“, lautet eine These der Staatsbad-Geschäftsführerin.

„Leider wurden insbesondere die vergünstigten Hotelübernachtungen nur zögerlich angenommen“, sagte Beate Krämer. Davon habe sie sich mehr versprochen. Denn um für die Vorzüge der Kurstadt zu werben, seien die Einwohner die besten und wichtigsten Botschafter. „Deswegen werden wir die Kampagne ‚Sommer in deiner Stadt‘ sicherlich 2021 auch fortführen“, sagte die Staatsbad-Geschäftsführerin.

In der Zwischenzeit würden weitere neue Marketinginstrumente ausprobiert. „Jeder Interessierte kann zum Beispiel auf unserer Homepage einen monatlichen touristischen Newsletter abonnieren“, betonte Beate Krämer.

Gute Resonanz auf neue Führungen

Die als Bestandteil der Sommerkampagne erstmals angebotenen neuen Führungen durch Bad Oeynhausen seien sehr gut angenommen worden: Das gelte gleichermaßen für das Waldbaden, die Kräuterführung, Wandern und Singen im Kurpark sowie die geführte Radtour. „Damit treffen wir anscheinend den Nerv der Zeit. Diese Angebote werden wir auf jeden Fall im nächsten Jahr wieder aufgreifen“, sagte Beate Krämer. Auch individuell bestückte Picknick-Körbe solle es erneut geben.

Sorge bereitet der Staatsbad-Geschäftsführerin nach eigenen Angaben die andauernde Schließung der Bali-Therme . „Aus Sicht des GOP-Varietés und der Hotels kann ich verstehen, dass sie jetzt mit der Vitasol-Therme in Bad Salzuflen kooperieren, um weiterhin attraktive Pakete für die Gäste schnüren zu können“, sagte Beate Krämer.

Auf die Dauer sei das aber keine Lösung. Sonst kämen selbst ehemalige Stammkunden nach einer Wiedereröffnung der Bali-Therme irgendwann nicht mehr zurück. „Wir brauchen die Bali-Therme. Ohne geht es nicht“, sagte Beate Krämer. Das werde sie auch dem künftigen Bürgermeister Lars Bökenkröger bei anstehenden ersten Gesprächen nachdrücklich so sagen, betonte die Staatsbad-Geschäftsführerin.

Eine erneute Diskussion über die künftige Ausrichtung des Stadtmarketings ist laut Beate Krämer auch erforderlich. Diese sei unter anderem die Basis für Überlegungen, ob und, wenn ja, in welcher Form die Rolle des Colons Sültemeyer neu besetzt werden soll. Der bisherige Darsteller Friedrich Obermeier war im Frühjahr gestorben.

Suche nach Identifikationsfigur

„Wir müssen das Profil, das wir als Stadt anstreben, klar definieren“, sagte Beate Krämer. Welche Gäste sollen in die Stadt kommen? Wie kann die Geschichte von der Stadtgründung transportiert werden? Ist die Figur des Colons Sültemeyer ein geeigneter Sympathieträger dafür? Diese und weitere Fragen gelte es zu beantworten.

„Zudem muss man klären, ob sich der Colon auch stadtteilübergreifend als Identifikationsfigur eignet“, sagte Beate Krämer. Vielleicht könne ja auch ein junger Mensch, der die Stadtgründung mit Hilfe von Geschichten seiner Vorfahren nachzeichnet, an die Stelle der Colon-Figur treten.

Um insbesondere in den Bereichen Tourismus und Gesundheit neue Pakete zu schnüren, setzt die Staatsbad-Geschäftsführerin auf den Ausbau vorhandener Netzwerke. „Wir brauchen nicht unbedingt immer mehr neue Dinge. Stattdessen muss unser Augenmerk darauf liegen, die Qualität vorhandener Angebote weiter zu verbessern“, sagte Beate Krämer.

Lange Einkaufsfreitage geplant

Dabei hat die Staatsbad-Geschäftsführerin auch den Einzelhandel im Blick. Nachdem mehrere Versuche, verkaufsoffene Sonntage auf die Beine zu stellen, am Widerstand der Gewerkschaft Verdi gescheitert seien, soll es stattdessen noch in diesem Jahr möglichst mehrere lange Einkaufsfreitage geben. Beate Krämer: „Zu diesem Thema sind wir aktuell mit den Händlern im Gespräch.“

Im Hinblick auf das Veranstaltungsprogramm 2021 sei im Moment Zurückhaltung angesagt. „Fest steht bislang nur, dass es Mitte August ein Parklichter-Wochenende geben soll“, sagte Beate Krämer. Das komplette Konzept des abgesagten Festivals 2020 werde aufs Folgejahr übertragen.

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