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Winterdienst in Bad Oeynhausen: Stadtwerke-Vorstand stellt sich vor Mitarbeiter und weist unsachliche Kritik zurück

„Irgendwann sind Grenzen erreicht“

Bad Oeynhausen

Das hat Andreas Schwarze, Vorstand der Stadtwerke Bad Oeynhausen (SBO), im Verwaltungsrat erklärt.Für einen Wintereinbruch wie in der zweiten Februarwoche kann man sich mit dem Winterdienst nicht optimal aufstellen – weder mit dem zur Verfügung stehenden Fuhrpark, noch mit dem zur Verfügung stehenden Personal.

Claus Brand

Zum Winterdienst in Bad Oeynhausen mussten sich die Stadtwerke in der zweiten Februarwoche viel Kritik anhören. Foto: dpa

Mit sachlicher Kritik, ob berechtigt oder nicht, könne man leben, mit unsachlicher, wie sie die SBO unter anderem in Form vieler E-Mails erreicht habe, nicht. Ausdrücklich stellte er sich vor die Mitarbeiter des Winterdienstes, die von etwa 2 Uhr nachts an unterwegs gewesen seien: „Irgendwann sind Grenzen erreicht.“ In Abstimmung mit der Arbeitnehmervertretung habe man in der betreffenden Woche die Arbeitszeiten ausgeweitet. Ausdrücklich betonte er, Kritik und Fehler intern zu analysieren und daraus Schlüsse zu ziehen. Das sei geschehen. So habe man sich zum Beispiel gefragt, ob es sinnvoll sei, einen allradgetriebenen Lkw zu haben. Das koste aber Geld.

„Wir hatten acht Tage Winter, so wie man ihn nicht jedes Jahr hat“, sagte Schwarze. Die Mitarbeiter hätten sich darauf eingestellt gehabt. Mit Blick auf den ersten Schnee-Sonntag und die massiven Schneefälle ergänzte er: „Eine halbe Stunde, nachdem die Mitarbeiter durch waren, war ihre Arbeit schon nicht mehr zu sehen. Es war nicht nur in Bad Oeynhausen alles schlecht“, wie man in den Mails habe lesen können. Auch in Herford, Bielefeld, Gütersloh und Hannover sei fast nichts mehr gegangen. Angesichts umfangreicher Berichterstattung in den Medien, auch online, sei er bei der Kritik verwundert gewesen, dass Bad Oeynhausen offenbar „die einzige Stadt war, wo es so schlecht lief“.

Ein großes Problem in der Innenstadt und in den Wohngebieten sei gewesen, „dass der Schnee nicht störungsfrei zwischengelagert werden konnte“. Man habe ihn von links nach rechts geschoben, „und die Bürger haben ihn zum Teil wieder auf die Straße geschippt.“ Man könne die Schneeschilder an den Fahrzeugen aber nicht anders als nach rechts ausrichten. Das bedeute Schnee in Zufahrten zu privaten Grundstücken. Schwarze: „Es ist für jeden Bürger aber zumutbar, dass er diesen Schnee beiseite räumt und möglichst nicht auf die Straße zurück.“

Vorwürfe hätten sich darum gedreht, dass man dem Winterdienst nicht nachgehe oder dass man subjektiv entscheide, wo geräumt wird. Schwarze: „Das ist so nicht richtig.“ Über den Winterdienst würden nicht die SBO entscheiden, sondern der Rat mit der entsprechenden Satzung. Sie gebe vor, welche Straße in welchem Umfang zu räumen sei. Dabei gebe es keinen subjektiven Ermessensspielraum für die SBO. Nach dieser Pflicht habe man versucht, auch Anliegerstraßen vom Schnee zu befreien.

Man müsse die Stadtwerke wirtschaftlich führen und habe so einen gewissen Bestand an Fahrzeugen, der auf durchschnittliche Winter ausgelegt sei. In diesem außergewöhnlichen Fall habe man Tiefbaufirmen und Landwirte mit entsprechendem Gerät einbezogen. „Das ist üblich, auch in anderen Städten.“ Bei den Minustemperaturen an einigen Tagen habe das Salz aber nicht mehr die erhoffte Wirkung gezeigt.

Sachlicher Kritik stelle man sich. Auf Polemik und Beleidigung reagiere man aber nicht. Er freute sich, aus dem Kreis der Politik nur sachliche Kritik erhalten zu haben. Thomas Heilig (UW) stellte sich ausdrücklich hinter die Mitarbeiter im Winterdienst: „Ich bin 22 Jahre in dieser Branche tätig. So einen Wintereinbruch habe ich noch nicht erlebt.“

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