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Daniel Schneider und Tim Niedernolte lesen in der ausverkauften Druckerei

»Jeder kann ein Wertschätzer sein«

Bad Oeynhausen (WB). Das Rad haben Daniel Schneider und Tim Niedernolte nicht neu erfunden, trotzdem dreht sich ihr gemeinsames Buch um ein Thema, das ihrer Meinung nach immer wieder neu erzählt werden muss. Inspirierende Gedanken aus ihrem Projekt »Wunderwaffe Wertschätzung« haben sie bei einer Lesung in der Druckerei mit 150 Besuchern geteilt.

Lydia Böhne

Impulse, die nicht belehren, aber doch zum Nachdenken anregen, tragen Tim Niedernolte (Mitte) und Daniel Schneider (rechts) aus ihrem gemeinsamen Buch 150 Besuchern vor. Begleitet wird ihre Lesung in der Druckerei von Sänger Jonnes. Foto: Lydia Böhne

Mit poetischen Liedern begleitet Singer-Songwriter die Lesung

Anderen Menschen im Alltag mit Wertschätzung begegnen – dem, was für viele Menschen im ersten Moment einfach und banal klingt haben Moderator Tim Niedernolte und Journalist und Theologe Daniel Schneider ein ganzes Buch gewidmet. Wie sehr die Arbeit an ihrem gemeinsamen Buchprojekt auch die Lebenseinstellung der Autoren beeinflusst hat, wird schon zu Beginn des Abends deutlich, als sich das Duo zunächst beim Druckerei-Team für die Organisation bedankt. Was üblicherweise am Schluss einer Veranstaltung folgt, haben sie bewusst vorangestellt. »Stichwort Wertschätzung: Der mit der weitesten Anfahrt darf anfangen«, bemerkt Tim Niedernolte und übergibt an Jonathan Schmidt, alias Jonnes. Mit poetischen Liedern begleitet der Singer-Songwriter die Lesung.

Mit einer »Wertschätzungs-Brille« durch den Alltag

Die Einladung, in der Druckerei vorzutragen, habe man ihnen ausgesprochen, da sei noch kein Wort geschrieben worden, berichtet Tim Niedernolte. Während der Recherche sei der gebürtige Bad Oeynhausener mit einer »Wertschätzungs-Brille« durch den Alltag gegangen. Dabei habe sich das Prinzip der selektiven Wahrnehmung eingestellt. »Wertschätzung begegnet einem dadurch öfter im Alltag. Nicht weil sie öfter vorkommt, aber weil man sensibilisiert ist«, erläutert der Fernsehmoderator. Ein Beispiel dafür, dass Wertschätzung bereits im Kleinen beginnt, liefert die Lesung selbst. Immer wieder müssen Stühle nachgestellt und zusammengerutscht werden, weil der Andrang an der Abendkasse so groß ist. Am Ende bekommen alle Wartenden einen Platz. »Es kann aber auch ein Lächeln morgens beim Bäcker sein«, fügt Tim Niedernolte hinzu. Kleine Gesten, die weite Kreise ziehen, können sogar Leben verändern.

Anekdote von Fernsehkoch Christian Rach

In ihrem Buch haben die Autoren »Heldengeschichten« von bekannten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens niedergeschrieben. Darunter eine Anekdote von Fernsehkoch Christian Rach. »Als junger Koch sollte er in Thailand unter anderem für einen Teil der Königsfamilie kochen«, berichtet Tim Niedernolte. Die ihm unterstellte Küchencrew sei ihm zunächst mit Argwohn begegnet. »Christian hat schnell gemerkt, dass er das Dinner nur meistern kann, wenn er die 40 Leute auf seine Seite kriegt«, fügt der Moderator hinzu. Also habe er eine demütige Haltung eingenommen und sich Zeit für das Team genommen, anstatt vor der Herausforderung zu resignieren oder den Druck weiterzugeben. Interesse, das sich auszahlt, denn am Ende seien alle gemeinsam durch’s Feuer gegangen und hätten den Abend gemeistert. »Wertschätzung heißt eben auch Wertschöpfung«, bringt es Tim Niedernolte auf den Punkt.

»Oft sind es die negativen Sachen, die hängen bleiben«

»Oft sind es die negativen Sachen, die hängen bleiben: einmal gehört und nie vergessen«, sagt Daniel Schneider. »›Das kannst du aber gut‹, so ein Satz kann auch bei Erwachsenen viel bewegen«, ist sich der Theologe sicher. Es gebe viele Menschen, die sich nicht wertgeschätzt fühlen wie zum Beispiel ältere Menschen oder Kranken- und Altenpfleger. »Um etwas gegen dieses Gefühl zu unternehmen, muss man kein Prominenter sein, nur weil es in unserem Buch um ihre Geschichten geht«, sagt Tim Niedernolte. »Jeder kann ein Wertschätzer sein. Das fängt übrigens bei einem selber an. Nur wenn ich mich wertschätze, kann ich es auch bei anderen«, ergänzt der Wahl-Berliner.

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