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Bündnis für Vielfalt, Menschenwürde und Toleranz in Bad Oeynhausen stellt Ziele vor

»Jeder muss Haltung zeigen«

Bad Oeynhausen  (WB). Ein Zeichen gegen Extremismus, Menschenverachtung und Demokratiefeindlichkeit haben am Montagabend mehr als 110 Bürger in der Druckerei gesetzt. Anlass war die erste öffentliche Vorstellung einer Erklärung des Bad Oeynhausener Bündnisses für Vielfalt, Menschenwürde und Toleranz.

Malte Samtenschnieder

Haben bei der Auftaktveranstaltung in der Druckerei die Stimme erhoben für Vielfalt, Menschenwürde und Toleranz (von links): Tim Schütte, Michael Scholz, Lars Kunkel, Bernhard Kuhn, Mohammed Alkabour, Gerold Haug, Achim Wilmsmeier, Kerstin Hensel, Max Holzkamp, Andreas Huneke und Dierk Starnitzke.

»Ein AfD-Aufkleber, den ich im vergangenen Sommer an meiner Haustür entdeckt habe, gab für mich den Anstoß nach Gleichgesinnten zur Gründung des Bündnisses zu suchen«, sagte Thomas Heilig, Fraktionsvorsitzender der Unabhängigen Wähler im Stadtrat, am Rande der Auftaktveranstaltung.

Die Geburtsstunde des Bündnisses war laut Moderator Lars Kunkel, Pfarrer in der Altstadt-Kirchengemeinde, am 22. Oktober 2018 im Dietrich-Bonhoeffer-Haus. Etwa 50 engagierte Bürger hätten sich dem Bündnis seither angeschlossen, um über Alters-, Partei- und Religionsgrenzen hinweg ein klares Zeichen für mehr Menschlichkeit zu setzen.

Resonanz gibt Initiatoren recht

Bürgermeister Achim Wilmsmeier lobte die Initiative des Bündnisses. Es sei nicht möglich, anderen Menschen Werte wie Vielfalt und Toleranz aufzuzwingen, diese müssten vielmehr aus der Mitte der Gesellschaft kommen. »Somit ist es wichtig, dass jeder einzelne Haltung zeigt«, sagte Achim Wilmsmeier.

»Ich bin glücklich, dass ein derartiges Bündnis zustande gekommen ist«, meinte Andreas Huneke, Superintendent im evangelischen Kirchenkreis Vlotho. Anfangs sei er skeptisch gewesen. Die gute Resonanz auf die Auftaktveranstaltung gebe den Initiatoren aber recht.

Da rassistische, fremdenfeindliche, ausgrenzende und antisemitische Parolen seit einiger Zeit immer lauter würden, sei es um so wichtiger, die eigene Sprachfähigkeit wiederzufinden, um diesen Äußerungen etwas entgegenzusetzen. Dazu leiste das Bündnis einen wichtigen Beitrag.

»Ich nehme in meinem Umfeld öfter Fälle von Mobbing und Diskriminierung wahr. Es ist schrecklich, so etwas mit ansehen zu müssen«, sagte Max Holzkamp. Der Schüler des Immanuel-Kant-Gymnasiums sprach sich dafür aus, den Einsatz für Demokratie nicht nur den Älteren zu überlassen. Der 15-Jährige: »Auch die junge Generation sollte mitwirken.«

Gäste schildern ihre Erfahrungen

Bei drei Talkrunden entwickelte Bernhard Kuhn mit verschiedenen Gästen neue Perspektiven auf Vielfalt, Menschenwürde und Toleranz. Kerstin Hensel, Vorstand des Diakonischen Werkes im Kirchenkreis Vlotho, unterstrich, dass es ein Hauptanliegen ihrer Einrichtung sei, Menschen auf der Schattenseite des Lebens eine Stimme zu geben.

Was Inklusion im Alltag bedeutet, machte Prof. Dr. Dierk Starnitzke, Vorstandssprecher der Diakonischen Stiftung Wittekindshof, deutlich. »Als wir während der Flüchtlingskrise von jetzt auf gleich 50 Menschen aus aller Herren Länder in einem Haus auf dem Gründungsgelände unterbringen mussten, war das eine anspruchsvolle Aufgabe.«

Dass die Menschen in Bad Oeynhausen nach wie vor zumeist respekt- und würdevoll miteinander umgehen, machten die Vorsitzenden Michael Scholz (Verein Agora) und Tim Schütte (Initiative Bad Oeynhausen) in ihren Beiträgen deutlich. »Ich finde es positiv, dass die Innenstadt immer bunter wird«, meinte Michael Scholz. Ähnlich äußerte sich Tim Schütte: »Einiges kann sicher noch verbessert werden. Wir sollten aber öfter auch einmal, das, was bereits gut ist, in den Mittelpunkt stellen.«

Musikbeiträge runden Abend ab

Wie dankbar Menschen mit Migrationshintergrund Gelegenheiten wahrnehmen, die deutsche Sprache zu lernen, schilderte Gerold Haug, ehrenamtlicher Mitarbeiter im Sprachcafé im Mehrgenerationenhaus der Johanniter. Er erhielt Unterstützung von Mohammed Alkabour, der selbst vor drei Jahren ohne Sprachkenntnisse nach Deutschland kam und in Kürze ein Universitätsstudium aufnehmen will.

»Ohne Hilfe hätte ich die Sprache nicht so gut lernen können. Für die Möglichkeiten und Chancen, die sich dadurch für mich ergeben, bin ich den Menschen in Bad Oeynhausen sehr dankbar«, meinte der Migrant.

Musikalisch gestalteten Sänger Jafaar und Sängerin Alessia das fast zweistündige Programm mit. Zudem war das Gitarrenensemble »Fünf Fliegen« der Musikschule der Stadt Bad Oeynhausen mit zwei Beiträgen mit von der Partie. Das nächste Treffen des neu formierten Bündnisses ist am Dienstag, 19. März, um 19.30 Uhr im Dietrich-Bonhoeffer-Haus.

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