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Krankenhaus Bad Oeynhausen wagt als erste Klinik in Deutschland neue Entbindungsmethode

Kaiserschnitt: Mutter holt Baby selbst

Bad Oeynhausen (WB). Zum ersten Mal hat in Deutschland eine Mutter bei ihrer Kaiserschnitt-Entbindung geholfen und das Baby selbst herausgeholt.

Unmittelbar nach der Geburt legte sich Oxana Kaiser (30) ihren Sohn Eric Maximilian Kaiser auf den Bauch. Foto: MKK

Eric Maximilian Kaiser ist sechs Tage alt. Bei seiner Geburt wog er 4100 Gramm und war 57 Zentimeter groß. »Ein ganz schöner Brummer«, sagt Mutter Oxana Kaiser. Die 30-Jährige war trotz Kaiserschnitts die erste, die den neuen Erdenbürger in der Hand hielt. Möglich wurde das durch ein neues Verfahren, den mütterlich assistierten Kaiserschnitt.

»Ich stand dieser Methode erst sehr skeptisch gegenüber«, sagt  Dr. Manfred Schmitt, Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe im Krankenhaus Bad Oeynhausen.

Skepsis weicht neuer Erfahrung

Er hatte Anfang des Jahres erfahren, dass ein Kollege in Australien einen mütterlich assistierten Kaiserschnitt durchgeführt hatte. »Wir haben das mit Kollegen und Hebammen diskutiert und fanden außer einem unbehaglichen Gefühl keine nachhaltigen Gründe für unsere Skepsis.«

Hinzu kam die Erfahrung des geburtshilflichen Teams, dass Frauen nach ihrer Entbindung per Kaiserschnitt immer wieder von einem Gefühl des Ausgeliefertseins berichteten. »Besonders stark ist dieses Gefühl bei Frauen, die unter Vollnarkose entbinden«, ergänzt Irina Wittemeier, Beleghebamme im Krankenhaus Bad Oeynhausen. »Sie werden nach dem Eingriff wach und haben plötzlich ein Kind. Den ganzen Vorgang, wie das Kind auf die Welt kommt, haben Sie nicht miterlebt. Viele Frauen empfinden das als belastend.«

Mutter bleibt bei vollem Bewusstsein

Genauso war es auch bei Oxana Kaiser aus Minden. »Nach der Kaiserschnittgeburt unserer ältesten Tochter hatte ich immer einen kleinen Zweifel, ob das wirklich mein Kind ist«, sagt die mehrfache Mutter. Wegen einer Begleiterkrankung war klar: Das fünfte Kind würde Oxana Kaiser wieder per Kaiserschnitt zur Welt bringen – auf ihren Wunsch hin bei vollem Bewusstsein.

Ganz wichtig war die Keimfreiheit der Hände der werdenden Mutter. Ein Kaiserschnitt ist eine große Operationswunde, die unter allen Umständen vor Infektionserregern geschützt werden muss. Durch das Anziehen von OP-Handschuhen und einer Abdeckung der Arme wurde die nötige Sicherheit gewährleistet.

»Ich war sehr glücklich in diesem Moment.«

Oxana Kaiser bekam eine rückenmarksnahe Narkose, die es ihr erlaubte, Oberkörper und die Arme zu bewegen. Chefarzt Schmitt und sein Team führten die Operation wie üblich durch. Nur statt den Säugling komplett aus dem Bauchraum der Mutter zu heben, präparierte der erfahrene Geburtshelfer das Kind frei und zog es ein Stück hervor.

Jetzt konnte sie assistiert vom Chefarzt, ihre Hände um ihr Kind legen und es selber auf die Welt holen und sich auf die Brust legen. Die Mutter: »Ich war sehr glücklich in diesem Moment.«

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