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Ermittlungen auch gegen Bad Oeynhausener Stadtwerke-Vorstand

Kind ertrunken: Schwimmlehrer zu Bewährungsstrafe verurteilt

Bad Oeynhausen (WB/wa). Ein 28-jähriger Schwimmlehrer aus Bad Oeynhausen ist am Donnerstag zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Zudem wurden Ermittlungen gegen den Vorstand der Stadtwerke Bad Oeynhausen aufgenommen. Beides steht im Zusammenhang mit einem Unfall im Januar 2018 im Hallenbad Rehme. Dabei war ein sechsjähriger Junge ertrunken .

Hier im Hallenbad Rehme ist im Januar 2018 ein sechsjähriger Junge ertrunken. Das Gericht sieht den Schwimmlehrer in der Verantwortung und hat ihn zu einer sechsmonatigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt. Foto: Louis Ruthe

Das „Unschöne ist, dass jeder versucht, die Verantwortung wegzuschieben“, sagte der Staatsanwalt während des zweiten Verhandlungstages vor dem Amtsgericht Bad Oeynhausen . Acht Zeugen musste Amtsrichter Dr. David Cornelius vernehmen. Dann stand zumindest das Urteil gegen den 28-jährigen Schwimmlehrer fest.

Verfahren gegen Leiter des Bades wird fortgesetzt

Neben dem Schwimmlehrer war auch der 62-jährige Bademeister und Leiter des Hallenbades angeklagt. Dieser bestreitet jede Verantwortung. Sein Verfahren wurde abgetrennt. Es wird fortgesetzt.

Der 28-Jährige Schwimmlehrer habe den Bademeister und den Vorstand der Stadtwerke Bad Oeynhausen (SBO), die das Hallenbad betreiben, vor dem Unfall auf Missstände mit zu vielen Kindern hingewiesen, führte der Staatsanwalt aus. Die Stadtwerke hätten die Verantwortung aber nur weggeschoben. Damit sei nun Schluss. Der Staatsanwalt wies den als Zeugen geladenen Vorstand im Gerichtssaal darauf hin, dass nun auch ihn ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung erwarte. Daraufhin verweigerte der 52-Jährige jegliche Aussage.

Der 28-Jährige verantworte sich nun schon seit zweieinhalb Jahren strafrechtlich allein dafür, den Kurs für Kinder von vier bis sechs Jahren geleitet zu haben, warf die Verteidigerin ein. Das sei „eine himmelschreiende Ungerechtigkeit“, stimmte ihr der Staatsanwalt zu, „dafür kann ich mich nur entschuldigen“. Der Arbeitgeber habe den Beschuldigten alleingelassen. „Sie bereuen es sicher am allermeisten, dass Sie die Stelle je angetreten haben“, sagte der Staatsanwalt.

Die Übersicht verloren?

Leider habe der 28-Jährige aber während eines Schwimmkurses bei den Tauch- und Sprungübungen im Nichtschwimmerbereich die Übersicht über den dann verunglückten Sechsjährigen verloren. Dass er die Kinder zuvor im Blick gehabt habe, ändere daran nichts. Nur zufällig habe der Bademeister den Jungen auf dem Beckenboden im Schwimmerbereich entdeckt, sagte der Nebenkläger, „sonst hätte er noch länger im Wasser gelegen.“

„Was erwartet der Staat von meinem Mandanten tatsächlich?“, fragte anschließend die Verteidigerin. Schnell gebe es in Bereichen des öffentlichen Lebens zu wenig Personal und somit einen Notstand. Engagierte Mitarbeiter wie der Schwimmlehrer, der als Honorarkraft im Rehmer Hallenbad beschäftigt war, würden mit schwammigen Verordnungen gerne alleingelassen. Auch die Bescheinigung des Arztes über die Schwimmfähigkeit des verunglückten Jungen sei nicht eindeutig. „Individuell“ werde dort mit „optimaler Betreuung mit möglichst wenig Kindern“ gleichgesetzt. Zu leichtfertig werde wohlwollender Ehrgeiz bestraft. Ihr Mandant werde unter dem Eindruck des Erlebten wohl nie wieder in seinem Beruf arbeiten, sagte die Verteidigerin. „Er ist in professioneller Behandlung.“

„Es steht fest, dass Sie sich während der abschließenden Tauch- und Sprungübungen in einer Ecke des Beckens befunden haben“, sagte Richter Dr. Cornelius zum Angeklagten. Eine Position mit deutlich besserer Übersicht wäre möglich gewesen. „Sie waren sehr jung, und es war viel“, hielt er dem Angeklagten zugute. „Aber hier ist ein Mensch gestorben.“

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