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Jakob Dirksen sieht Firma Helmerding aus Bad Oeynhausen gut gerüstet für die Zukunft – Sondermaschinenbau

Lösungen „individuell wie Maßanzüge“

Bad Oeynhausen (WB).

Er ist in die Tradition eines Marktführers eingestiegen, hat aber dessen Stärken noch weiter nach vorn gebracht: Jakob Dirksen ist geschäftsführender Gesellschafter des Maschinenbau-Unternehmens Helmerding. Vor zwei Jahren, im Februar 2019, wurde die erste Presse vom neuen Standort in Wulferdingsen ausgeliefert. Ein guter Grund für das WESTFALEN-BLATT, einmal nachzufragen, wie die Geschäfte aktuell gehen.

Gabriela Peschke

Jakob Dirksen, geschäftsführender Gesellschafter von Helmerding, steht in der Halle neben einem Stanzautomaten, der sich zu diesem Zeitpunkt noch in der Fertigstellung befindet. Der Wert dieser Anlage liegt bei einer Viertelmillion Euro. Foto: Gabriela Peschke

Seit fast fünf Jahren führt der Diplom-Ingenieur die Geschicke des Familienunternehmens, das sich zunächst mit Maschinen und Anlagen für die metallverarbeitende Industrie weltweit einen Namen gemacht hat. Unter der Leitung von Jakob Dirksen hat Helmerding ein neues Standbein entwickelt: den Sondermaschinenbau. „Wir fertigen inzwischen nicht nur Stand-alone-Pressen, sondern komplette Montagestraßen“, erläutert der 61-Jährige, der seine Erfahrung von IWM in Porta Westfalica einbringt. Das heißt: Nicht nur Metallteile können in den Großanlagen gestanzt und gepresst werden, sondern die direkte Weiterverarbeitung schließt sich an. Von der Montage verschiedener Einzelteile bis zur endgültigen Verpackung. „Wir geben vorn das Blech rein und hinten kommt der fertige Kugelschreiber raus“, nennt er ein Beispiel. Bis zu 300 Teile schaffen allein die Pressen in der Minute, eine kleine Fertigungsstraße wirft mehrere tausend Teile am Tag aus; je nach Produkt sogar bis zu drei Millionen Stück pro Jahr. „Diese Sondermaschinen sind so individuell wie Maßanzüge“, sagt der Geschäftsführer.

Detailgenau wird der Bedarf mit dem Kunden besprochen, und dann entwerfen Ingenieure und Programmierer die Fertigungsanlage. Das könne bis zu einem Jahr dauern, sagt Dirksen. Aber wenn eine solche Sondermaschine das neue Werksgelände in Wulferdingsen verlässt, blickt sie einem langen Leben entgegen. Das gilt auch für die traditionellen Pressen. „Wir haben Anlagen aus den 1980er Jahren, die immer noch laufen“, sagt er stolz. Mit Wartung und Service macht Helmerding immerhin rund 30 Prozent seines Umsatzes. Und der ist – trotz Corona – im „zufriedenstellenden Bereich“, wie der Geschäftsführer es nennt: seit mehreren Jahren jeweils mehr als 20 Millionen Euro. Dafür hat Dirksen auch kräftig investiert: Die neuen Fertigungskapazitäten plus Verwaltungsgebäude auf dem rund 37.000 Quadratmeter großen Grundstück am Ortseingang von Wulferdingsen haben knapp sieben Millionen Euro gekostet.

Seit das neue Werksgelände in Betrieb genommen wurde, sind knapp 30 Pressen ausgeliefert worden. In den zwei großen Werkshallen mit insgesamt 5500 Quadratmetern werden die Anlagen montiert, gut 100 Mitarbeiter sind bei Helmerding im Einsatz. „Wir haben seit 2019 rund 70 Prozent neues Personal rekrutiert“, sagt Jakob Dirksen. Denn mit dem Wissen seiner guten Ingenieure und Konstrukteure kauft Dirksen Marktmacht ein: „Wir sind der einzige Hersteller in Deutschland, der solche Fertigungsanlagen komplett selber baut und nicht anteilig zukauft“, erklärt er. Das zahlt sich aus und bringt entsprechend Geld in die Kasse des Maschinenbauers: vom gut fünfstelligen Bereich bis zu fünf Millionen, je nach Komplexität des Montageautomaten. Zu den Kunden zählen Automobilzulieferer, Hersteller aus der Hausgeräte- und Elektroindustrie sowie kunststoffverarbeitende Betriebe und Unternehmen der Pharmaindustrie. Auch in den Werkshallen von Gauselmann und Harting im benachbarten Minden stehen Pressen von Helmerding.

„Derzeit gestaltet sich der Verkauf von Sondermaschinen etwas schwierig“, räumt Jakob Dirksen ein. Denn die Gespräche mit den Kunden und deren Besuche vor Ort seien „das Herzstück des Vertrauens, wenn man gemeinsam so ein großes Projekt anschiebt“. Da dies aktuell nicht möglich ist, muss der Geschäftsführer einen Teil seiner Vertriebsmannschaft in Kurzarbeit halten. Aber er bleibt zuversichtlich: „Wir sind gut aufgestellt im Hinblick auf Know-How und Technologie. Wir werden auch in Zukunft unsere Marktanteile halten“.

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