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Beim Tragen des Mund- und Nasenschutz gibt es viel zu beachten – Hygienefachmann gibt Tipps

Masken: „Spanne wie beim Drogenhandel“

Bad Oeynhausen (WB). Seit Ende April ist die Maske ein ständiger Begleiter beim Einkauf oder der Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel. Grund ist die Corona-Pandemie . Doch beim Tragen des Mund- und Nasenschutzes gibt es laut der zuständigen Hygienefachkräfte im Herz- und Diabeteszentrum (HDZ) NRW, Bad Oeynhausen, Verbesserungsbedarf. Auch in der Universitätsklinik gilt eine generelle Maskenpflicht. So einfach ins HDZ NRW herein zu marschieren gehört damit der Vergangenheit an.

Louis Ruthe

Prof.Dr. Jan Gummert (Mitte) steht am Haupteingang des HDZ NRW mit den Hygienefachkräften Petra Schötz und Arno Markus-Lojewsky. Am Eingang wird bei Neu-Patienten das Fiber gemessen und ihnen eine Maske ausgehändigt. Foto: HDZ NRW/Marcel Mompour

Wer neu eintrifft, bekommt eine Maske

„Natürlich ist es vorbildlich, wenn Patienten bereits mit einem Mund- und Nasenschutz an der Klinik ankommen“, sagt Arno Markus-Lojewsky, der gemeinsam mit drei weiteren Fachkräften und einer Biologin in der Hygiene unter der Leitung des Ärztlichen Direktors, Prof. Dr. Jan Gummert, arbeitet. Doch dieser Schutz ist in der Klinik hinfällig, denn das HDZ NRW hat sich dazu entschieden, jeden neuen Patienten mit einer Maske auszustatten.

„Wir wissen ja nicht, wie oft und wo überall der Schutz schon benutzt wurde“, berichtet Arno Markus-Lojewsky. Damit jeder Patient oder Externe beim ersten Schritt in die Uniklinik ausreichend geschützt ist und auch andere schützt, sorgt ein Sicherheitsdienst vor dem Gebäude für die Ausgabe von „einfachem Mund- und Nasenschutz“ mit normaler Filterwirkung – ähnlich wie OP-Masken.

Abstand das Entscheidende

In den vergangenen Wochen seien immer wieder Patienten am HDZ NRW angekommen, die sich unnötig mit FFP-2- oder FFP-3-Masken das Leben erschwert hätten, berichtet Anna Reiss, Sprecherin des HDZ NRW. „Die falsche Nutzung solcher Masken kann vor allem bei herzkranken Menschen zu Atemnot führen“, sagt Arno Markus-Lojewsky.

Träger einer FFP-Maske mit Ausatemventil schützten sich zwar selbst, andere aber nach Angaben des Hygieneexperten nur eingeschränkt. „Träger solch einer Maske sorgen dafür, dass die eigenen Tröpfchen fast ungefiltert durch das Ausatemventil verteilt werden“, sagt Arno Markus-Lojewsky.

Zudem sollten diese Masken ausschließlich von medizinischem Personal oder Fachpersonal getragen werden. Der beste Schutz für sich und andere könne durch das gebotene Abstandhalten von mindestens eineinhalb Metern und die zusätzliche Verwendung eines Mund-Nasen-Schutzes erlangt werden. „Unsere im HDZ mehrfach verwendbaren Stoffmasken haben einen austauschbaren Vliesfilter und werden spätestens nach Dienstende professionell gereinigt“, sagt Arno Markus-Lojewsky.

Generell schätze er das Infektionsrisiko beim Einkaufen durch die Maskenpflicht gering ein. Das gelte jedoch nicht, wenn die Mund- und Nasenbedeckung fehlerhaft getragen werde. „Viele tragen ihren Schutz unter dem Kinn oder verdecken nur den Mund“, berichtet der Hygieneexperte.

Fest am Gesicht anliegend

Drei Punkte sind für das Tragen eines Schutzes wichtig: Die Maske oder das Tuch muss Mund und Nase bedecken und zwar so, dass der Schutz fest am Gesicht anliegt. „Es bringt nichts, wenn selbst genähte Masken nur an einem Band befestigt werden und lediglich vor dem Mund herumbaumeln“, sagt Arno Markus-Lojewsky.

Zudem sollte eine Maske immer nur mit gereinigten oder bestenfalls desinfizierten Händen berührt werden, „und zwar so, dass die Maske lediglich an den Bändern berührt wird“. Des weiteren sollten Einwegmasken nicht mehrfach verwendet werden und selbst genähte Schutze bei mindestens 60 Grad in der Waschmaschine nach Gebrauch gewaschen werden, da schon bei der erstmaligen Nutzung eine potenzielle Kontaminierung möglich ist.

Wichtig sei zudem, dass eine selbst genähte Maske den Träger nicht generell vor einer Ansteckung bewahre, und vor allem auch mit Maske der Mindestabstand von eineinhalb Meter gewahrt werden sollte

Fiebermessung am Eingang

„Im HDZ NRW haben wir uns für eine Einmal-Nutzung der FFP2-Masken bei der Behandlung von Covid-19-Patienten entschieden“, sagt Arno Markus-Lojewsky. Auch chirurgische OP-Masken werden nur einmal getragen.

Neben der Maske am Eingang wartet auf Neu-Patienten an der Klinik übrigens auch die Fiebermessung. „Mit einem Infrarot-Thermometer wird bei jedem neuen Patienten die Körpertemperatur gemessen“, berichtet Arno Markus-Lojewsky. Bisher habe es bei den Messungen vor der Tür keine Auffälligkeiten gegeben.

Wenn das Hygieneteam einen Wunsch frei hätte, würde es sich von Neu-Patienten wünschen, dass sie bei Symptomen wie Fieber oder Durchfall nicht den direkten Weg ins HDZ NRW suchten, sondern vorher mit der zuständigen Klinik telefonisch Kontakt aufnehmen, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

So sieht es der Ärztliche Direktor

„Der Mund- und Nasenschutz wird nach meinen Einschätzungen bis zum Ende des Jahres zum Alltag gehören“, sagt Prof. Dr. Jan Gummert. Der Ärztliche Direktor des Herz- und Diabeteszentrums (HDZ) NRW ist der festen Überzeugung, „dass sich durch einen Mundschutz das Risiko einer Ausbreitung des Virus deutlich reduziert.“

In asiatischen Länder gehöre ein Mundschutz zum Straßenbild, da es dort als höflich gelte, wenn ein Mensch eine Erkältung habe, einen Mund- und Nasenschutz zu tragen. Dass vor einigen Wochen noch seitens der Bundesregierung gesagt worden ist, dass ein Mundschutz nicht helfe, kann er nicht verstehen.

„Klar ist, dass ein Mund- und Nasenschutz nicht zu 100 Prozent vor einer Infektion schützt“, sagt Prof. Dr. Jan Gummert. Nur in Kombination mit dem Einhalten der Abstandsregelungen sieht er eine „ausreichende Reduktion des Infektionsrisikos.“

Dass dies auch in Zeiten von Schutzmittelknappheit für die Patienten und Mitarbeiter der Spezialklinik gewährleistet werden konnte, hat das HDZ auch regionalen Unternehmen zu verdanken.

Spenden verhindern Engpass

„In Zeiten, in denen wir einen Mangel hatten, haben uns Unternehmen wie Sitex mit einer raschen Lieferung von 10.000 waschbaren Masken, die durch neue Vlieseinlagen bis zu 200 Mal pro Stück wiederverwendet werden können, oder Melitta mit der Spende von 60.000 Einmal-Masken für Patienten und Personal, enorm geholfen“, sagt Prof. Dr. Gummert.

Denn auf dem Markt für Masken sei die Gewinnspanne extrem angestiegen. „Das waren unglaubliche Spannen, fast schon wie beim Drogenhandel“, sagt Prof. Dr. Jan Gummert.

Aus Cent-Produkten seien auch für die Kliniken im Einkauf Produkte entstanden, „die bis zu zehn Euro das Stück kosten sollten.“ Privat greift der Ärztliche Direktor, wenn es angebracht ist, auf eine selbst genähte Maske zurück.

„Für den Einkauf oder das Nutzen von Bus und Bahn ist ein einfacher Mund- und Nasenschutz vollkommen ausreichend“, sagt Prof. Dr. Jan Gummert.

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