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Geteiltes Echo in Bad Oeynhausen auf Öffnungsstrategie von Bund und Ländern – Unsicherheit im Einzelhandel und im Kulturbereich

Mehr Freiheiten – aber welche?

Bad Oeynhausen

Fünf Öffnungsschritte sollen in den nächsten Wochen den Weg aus dem coronabedingten Lockdown ebnen. Darauf haben sich Bund und Länder am Mittwoch verständigt. Unter anderem für den Einzelhandel und die Kultur sind mehr Freiheiten geplant. In Bad Oeynhausen stoßen die neuen Vorschläge auf ein geteiltes Echo.

Malte Samtenschnieder

Bis der Einzelhandel in der Innenstadt – hier ein Blick durch die Klosterstraße – wieder zu 100 Prozent anläuft, wird es noch einige Zeit dauern. Zur Überbrückung sollen Angebote wie „Click & Collect“ oder ab Montag auch „Click & Meet“ dienen. Foto: Malte Samtenschnieder

Die im Zusammenhang mit einer Öffnung des Einzelhandels bei einer Inzidenz zwischen 50 und 100 diskutierten „Click & Meet“-Angebote oder vergleichbare Ideen sind laut Torben Schultz, Center-Manager im Werre-Park, keine Alternative. (Zur Einordnung: Die Inzidenz im Kreis Minden-Lübbecke betrug am Donnerstag 63,8. Für Bad Oeynhausen lag sie bei 59,7.) Derartige Vorschläge hätten vielmehr negative Folgen.

„Die Kosten für Personal und Ladenbetrieb sind zumeist höher als die Umsätze, sodass derartige Angebote die aktuellen Verluste nur weiter erhöhen würden“, sagt Torben Schulz. Daher trete er weiter eindringlich für die Öffnung des Einzelhandels ein. Um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, hatte sich der Werre-Park am Montag an der bundesweiten Aktion „Der Handel leuchtet Rot. Jetzt ein Zeichen setzen“ der Initiative „Das Leben gehört ins Zentrum“ beteiligt.

„Öffnungsperspektiven fehlen“

„Mir fehlen nach wie vor echte Öffnungsperspektiven für den Einzelhandel“, sagt Tim Schütte, Vorsitzender der Initiative Bad Oeynhausen, im Hinblick auf die jüngsten Beschlüsse von Bund und Ländern. Für immer mehr Einzelhändler werde es nach zweieinhalb Monaten Lockdown finanziell eng.

„Ihnen wird das Grundrecht verwehrt, zu arbeiten. Sie erhalten kein Kurzarbeitergeld. Sie müssen deshalb auf ihre Ersparnisse zurückgreifen. Und wenn die aufgebraucht sind, bleibt ihnen oft nur Hartz IV“, betont Tim Schütte.

Ein Urteil über „Click & Meet“ könne er sich aus eigener Erfahrung nicht erlauben, ergänzt der Inhaber der „Brillenmacher“-Geschäfte in Bad Oeynhausen und Löhne, die trotz Lockdowns den Geschäftsbetrieb aufrechterhalten dürfen. „Aber jeder Strohhalm hilft und ist besser als nichts“, betont der Einzelhändler.

Nach der Bund-Länder-Runde am Mittwoch bleibe aus seiner Sicht insbesondere die zentrale Frage unbeantwortet, wie man für „Click & Meet“ einen Termin vereinbaren könne. „Passiert das online oder muss ich vorher im Geschäft anrufen?“, fragt Tim Schütte. Unklar sei für ihn auch, was mit „regionalen“ Regelungen gemeint sei: „Wird die Inzidenz des Landes zugrunde gelegt? Oder geht es stattdessen nach Kreisen?“

Sechs Wochen Vorlauf

Dass es vom 22. März an möglich sein soll, dass Theater, Konzert- und Opernhäuser sowie Kinos schrittweise ihren Betrieb wieder hochfahren können, wertet Christoph Meyer, Direktor des GOP-Varietés im Kaiserpalais, grundsätzlich als ein positives Zeichen. „Leider ist aber völlig unklar, unter welchen Voraussetzungen eine Öffnung möglich werden soll“, sagt Christoph Meyer. Aufschluss darüber werde wohl erst die in den nächsten Tagen zu erwartende neue Corona-Schutzverordnung des Landes NRW geben.

„Können wir mit 30 Prozent Auslastung starten? Oder ist die Anzahl der Zuschauerplätze etwa auf 100 gedeckelt?“ Diese und ähnliche Fragen sind laut Christoph Meyer noch völlig ungeklärt. Und ohne genaue Vorgaben könne nicht durchkalkuliert werden, wann eine Wiederaufnahme des Varieté-Betriebes – mit oder ohne Gastronomie – auch aus wirtschaftlichen Gründen darstellbar sei.

Trotz der Öffnungsperspektive bittet der GOP-Direktor alle Varieté-Fans um Geduld. „Um einen sechswöchigen Vorlauf kommen wir in keinem Fall herum“, sagt Christoph Meyer. Selbst wenn in Kürze mit dem Vorverkauf und der Zusammenstellung neuer Shows begonnen werden könnte, sei vor Ende April/Anfang Mai nicht mit einer Wiederaufnahme des Spielbetriebs zu rechnen.

Gelten alte Konzepte?

Einen ähnlichen Zeitkorridor beschreibt Beate Krämer, Geschäftsführerin der Staatsbad Bad Oeynhausen GmbH, im Hinblick auf eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs im Theater im Park und in der Wandelhalle. Sie verweist auf das bestehende Alternativangebot. „Es gibt ja am Samstag, 20. März, noch den letzten von vier Live-Streams aus dem Theater im Park“, sagt Beate Krämer. Das Interesse an dem Konzert der A-cappella-Formation Onair sei groß.

Nicht nur die Frage des weiteren Spielplans ist derzeit nach Angaben der Staatsbad-Geschäftsführerin schwer zu beantworten. „Wir wissen ja auch gar nicht, unter welchen Bedingungen wir wieder öffnen dürfen. Unklar ist etwa, ob wir die gleichen Hygienekonzepte wie vor dem Lockdown anwenden können“, betont Beate Krämer.

Auf die noch ausstehende neue Corona-Schutzverordnung des Landes NRW verweist am Donnerstag auch Stadtsprecher Volker Müller-Ulrich: „Wenn sie vorliegt, werden wir sie für Bad Oeynhausen auswerten und uns dazu äußern.“

Vom 22. März an können auch Theater, Konzert- und Opernhäuser sowie Kinos den Betrieb wieder hochfahren. Wann es für das GOP-Varieté im Kaiserpalais soweit ist, ist derzeit noch völlig unklar. Foto: Malte Samtenschnieder
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