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Rainer Schmidt tritt mit Kabarettprogramm am 21. Februar im Wittekindshof in Bad Oeynhausen auf

Mit Humor funktioniert’s am besten

Bad Oeynhausen (WB). Rainer Schmidt ist ohne Unterarme geboren worden. Wer glaubt, dass ihn dieses Handicap einschränken würde, der irrt. Ganz im Gegenteil hat ihm genau dieses viel Ruhm beschert und ist zudem Teil des Kabarettprogramms geworden, das Rainer Schmidt am Donnerstag, 21. Februar, von 18 Uhr an in der Turnhalle der Diakonischen Stiftung Wittekindshof präsentiert. Im Vorfeld hat Volontärin Freya Schlottmann mit ihm gesprochen.

Als Tischtennisspieler hat Rainer Schmidt zahlreiche Titel und Medaillen erhalten. In seinem Kabarettprogramm spielt seine Sportkarriere unter anderem eine Rolle. Foto: Johannes Hahn

Herr Schmidt, Sie sind Pfarrer, Tischtennisspieler, Paralympionike und Kabarettist. Das ist eine ganze Menge. Was waren Sie denn als Erstes?

Rainer Schmidt: Als Erstes war ich paralympischer Tischtennisspieler. 1984 bin ich international bereits als Tischtennisspieler unterwegs gewesen. Angefangen zu studieren habe ich erst mit 26 Jahren. Ich habe also als Erstes Tischtennis gespielt, bin dann Pfarrer geworden und dann Kabarettist.

Wie sind Sie denn überhaupt zu diesen ganzen Bezeichnungen gekommen?

Schmidt: Tischtennis und Pfarrer-Werden ist sozusagen simultan abgelaufen. Ich habe mit zwölf Jahren in einem kleinen österreichischen Dorf im Urlaub angefangen, Tischtennis zu spielen. Weil alle anderen Kinder Tischtennis gespielt haben, hat mir ein Mann einen Schläger an den Arm gebunden. Das hat mich so beglückt, dass das die Geburtsstunde meiner Karriere war. Von da an habe ich wie verrückt gespielt. Zwischendurch habe ich noch eine Ausbildung zum Verwaltungswirt gemacht. Mit 26 Jahren habe ich dann beschlossen, noch einmal ganz von vorne zu beginnen und habe angefangen, Theologie zu studieren. Und neben dem Studium kann man sehr gut Leistungssport betreiben. Bis vor elf Jahren habe ich das auch weiterhin nebeneinander gemacht. Und dann kam das Kabarett dazu.

Was davon macht Ihnen denn am meisten Spaß? Oder macht es die Kombination aus allem?

Schmidt: Alles ist ein bisschen anders. An Tischtennis hat mich die Geschicklichkeit und die Strategie begeistert. Und beim Sport hat man viele Erfolgserlebnisse, die motivieren. An das Rampenlicht und die Öffentlichkeit musste ich mich gewöhnen. Das war aber eine gute Lernerfahrung, die ich als Pfarrer auf der Kanzel und als Kabarettist auf der Bühne gut gebrauchen konnte. Vor Publikum zu reden, ist heute meine Stärke. Ich bin da auch nicht übermäßig nervös. Zugleich genieße ich es, für mich ganz privat zu sein. Alles hat also total seinen Reiz. Es gibt einfach kein größeres Glück, als das machen zu dürfen, wozu man Lust hat.

In Ihrem Programm wird Kabarett und Tischtennis angekündigt. Worauf darf man sich als Besucher denn dabei freuen?

Schmidt: In erster Linie gibt es zwei Stunden lang Kabarett. Es gibt am Ende des Programms aber eine mündliche Zugabe und einen Slapstick-Zuschlag. Was dabei genau passiert, wird aber noch nicht verraten.

Wie lange touren Sie mit diesem Programm denn schon?

Schmidt: Die Premiere habe ich im April 2014 gespielt. Die erste Veranstaltung davon habe ich als Benefiz-Veranstaltung gegeben. Dadurch wurde die Hospizarbeit in Rheinbach unterstützt. Die kompletten Einnahmen des Abends sind dabei für die Ausbildung von Mitarbeitern gespendet worden. Über die Jahre sind es dann immer mehr Auftritte geworden. Und mittlerweile hechle ich von Bühne zu Bühne und komme momentan gar nicht dazu, aus den vielen Ideen, die ich mir aufgeschrieben habe, ein zweites Kabarett-Programm zu entwickeln.

Der Titel des derzeitigen Programms lautet: »Däumchen drehen – keine Hände, keine Langeweile«. Das deutet darauf hin, dass Sie mit Ihrer Behinderung sehr humorvoll umgehen. Ist das Ihrer Erfahrung nach die beste Methode?

Schmidt: Ja, Humor ist in diesem Fall der Sinn der Sache. Wobei ich mich in diesem Programm aber immer zwischen Komödie und Tragödie bewege. Behinderung hat nämlich natürlich auch belastende Seiten. Das werde ich in einigen Geschichten auch erzählen. Mein Lebensmotto lautet aber: Danke lieber Gott, dass ich nicht so langweilig aussehe, wie mein Publikum. Und genau mit dieser Art von Humor funktioniert es meistens auch am Besten. Natürlich gibt es auch Situationen, in denen es mich richtig genervt hat, wie sich die Leute verhalten, aber so ist das nun mal. Die eigentliche und wichtigste Frage bleibt deshalb, wie ich selbst mit der Behinderung umgehe. Und dementsprechend mache ich mich in meinem Programm über mich selbst und meine Mitmenschen einfach lustig.

Sehen Sie sich denn in einer Art Ratgeber- oder Vorbildfunktion für Menschen, die eventuell ähnliche Einschränkungen haben?

Schmidt: Ja und Nein, muss ich sagen. Natürlich erzählt man als Kabarettist immer seine Meinung. Auf der anderen Seite habe ich total darauf geachtet, als ich das Programm entworfen habe, dass ich auf gar keinen Fall den Zeigefinger erhebe. Zum einen kann ich das sowieso nicht und zum anderen bin ich nicht moralisch. Ich bin nicht wütend auf die Gesellschaft, sondern erzähle ganz einfach Geschichten. Menschen wollen nicht belehrt werden. Sicherlich reflektiere ich die eine oder andere Geschichte und erkläre, was ich aus der Situation gelernt habe. Ob die Menschen sich genauso verhalten wollen oder nicht, bleibt meinem Publikum dann aber selbst überlassen.

Bei Ihren Auftritten haben Sie ständig mit fremden Menschen zutun. Gibt es aus Ihrer Sicht einen Tipp, wie man am Besten auf Fremde zugeht?

Schmidt: Den einen Tipp kann ich nur sehr schwer geben. Ich würde aber jedem raten: Wenn Sie verunsichert sind, geben Sie Ihrer Verunsicherung nach. Wenn der Umgang mit Menschen so einfach wäre, müsste ich auch nicht zwei Stunde lang Kabarett machen.

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