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Weihnachtsoratorium begeistert die Zuhörer in der Auferstehungskirche am Kurpark in Bad Oeynhausen

Mit „Jauchzen“ und „Frohlocken“

Bad Oeynhausen (WB). Seit der Uraufführung an den Sonntagen zwischen Weihnachten 1734 und dem Dreikönigsfest 1735 zieht Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium die Zuhörer in seinen Bann. So auch am vierten Advent in der Auferstehungskirche am Kurpark. Unter der Leitung von Kreiskantor József Opicz waren die ersten drei der insgesamt sechs Kantaten zu hören.

Malte Samtenschnieder

Bei der Aufführung der Kantaten I bis III aus Bachs Weihnachtsoratorium ist die Auferstehungskirche am Kurpark am vierten Advent ausverkauft. Foto: Malte Samtenschnieder

Bevor die 100 Sänger der Kantorei und der Jugendkantorei an der Auferstehungskirche den mehr als 500 Zuhörern in der voll besetzten Auferstehungskirche ein kraftvoll-strahlendes „Jauchzet, frohlocket“ entgegen schmetterten, wurde es mucksmäuschenstill.

Nachdem sich außer den Sängern auch die Musiker des Sinfonieorchesters „opus 7“ auftrittsbereit im Altarraum versammelt hatten, ebbten nach und nach sämtliche Gespräche in Mittel- und Seitenschiffen sowie auf der Empore ab. Der Auftritt der Solisten Christian Volkmann (Tenor), Dorothea Ohly-Visarius (Alt), Hildebrand Haake (Bass) und Jutta Potthoff (Sopran) erfolgte lautlos. Für Kreiskantor József Opicz gab es zumindest einen kurzen Applaus.

Zeitlos schöne Weihnachtskomposition

In die gewachsene Stille hinein setzten Chorsänger, Solisten und Orchester die ersten leuchtenden Akkorde des Eingangschorals aus Bachs zeitlos schöner Weihnachtskomposition. „Lasst uns den Namen des Herrschers verehren“ heißt es am Ende der ersten Strophe. Dieser Aussage wurden die Sänger von Beginn an gerecht.

Mit Rezitativen und Arien trieben die Gesangssolisten das musikalische Geschehen voran. Zu den Höhepunkten gehörten sicherlich das Rezitativ für Tenor und Sopran („Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht“) sowie die Arie für Sopran und Bass („Herr, dein Mitleid, dein Erbarmen tröstet uns und macht uns frei“).

Beeindruckten die Gesangsprofis auch sonst bei verschiedenen Soloparts mit ihren warmen, raumfüllenden, wohl geformten Stimmen, eröffneten die genannten Duette ihnen weitere klangliche Gestaltungsmöglichkeiten: So umgarnten Sopran und Bass einander in der genannten Arie mit anspruchsvollen Koloraturen.

Orchester liefert Fundament für Gesang

Ein spritzig-federndes Fundament für Choräle, Rezitative und Arien lieferte das Sinfonieorchester „opus 7“. Steuerten die Streicher meist eine in typisch Bachscher Manier unaufdringlich geführte Begleitung bei, überstrahlten die Bläser bei ihren wohl dosierten Einsätzen das restliche musikalische Geschehen um so mehr.

Mit sicherer Hand verwob József Opicz sämtliche musikalische Fäden zu einem harmonischen Ganzen. Nicht mit weit ausladenden Gesten, sondern mit feinem, präzisem Dirigat führte der Kreiskantor die Mitwirkenden durch das geistliche Konzert. Insbesondere die Sänger von Kantorei und Jugendkantorei zeigten sich unter ihrem neuen Leiter, der seit September im Amt ist, in Bestform.

Nach dem Schlussstück – der Reprise des Chores „Herrscher des Himmels“ vom Beginn der Kantate III – und einem kurzen Moment des Nachhallens bedankten sich die merklich berührten Zuhörer mit lang anhaltendem, tosendem Applaus für das grandiose Kirchenkonzert.

Kreiskantor József Opicz war ebenfalls sichtlich gerührt. Er sagte: „Ich hoffe, dass Sie alle die Weihnachtsbotschaft mit nach Hause nehmen.“ In Form des als Zugabe musizierten Eingangschorals „Jauchzet, frohlocket“, der viele Gäste als Ohrwurm auf dem Heimweg begleitete, in jeden Fall.

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