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Schatzsucher muss Fund an Archäologen herausgeben

Münzschatz von 1655 gerettet

Bad Oeynhausen (WB). Ein illegaler Schatzsucher aus Bad Oeynhausen ist vom Verwaltungsgericht Minden verurteilt worden, seinen Fund herauszugeben. Der Mann hatte mit einem Metallsuchgerät jahrhundertealte Silber- und Kupfermünzen in einem Wald im Wiehengebirge geortet und ausgegraben. Ihr archäologischer Wert wird höher eingeschätzt als der materielle.

Christian Althoff

Mit einer Metallsonde wie dieser hat der Raubgräber die Münzen im Wiehengebirge entdeckt. Foto: Imago

„Wie groß dieser Schatz ursprünglich war, wissen wir nicht“, sagt Dr. Sven Spiong, Leiter der Außenstelle Bielefeld der Archäologie für Westfalen. Der Finder hatte Fotos einiger Münzen in ein Internetforum gestellt und sich nach ihrem Wert erkundigt. So waren die Behörden auf den Raubgräber aufmerksam geworden. Björn Lademann, Denkmalpfleger der Stadt Bad Oeynhausen: „Wir haben den Mann aufgefordert, die Münzen herauszugeben. Gegen diesen Bescheid hat er vor dem Verwaltungsgericht Minden geklagt und verloren.“ 19 Münzen habe er schließlich ausgehändigt, doch im Internet habe er auch noch andere gezeigt. „Er behauptet jetzt, er habe welche weggeworfen.“

Münzen stammen aus dem 17. Jahrhundert

Dr. Spiong: „Die Münzen haben einen Durchmesser von 18 bis 23 Millimeter und stammen aus dem 17. Jahrhundert. Wir haben sechs silberne Mariengroschen sowie 13 Kupfermünzen im Nennwert von einem und drei Pfennigen.“ Es seien regionale Zahlungsmittel gewesen, die zwischen 1655 und 1672 geprägt worden seien. „Herausgegeben wurden sie von der Grafschaft Schaumburg-Lippe, dem Fürstentum Lippe, der Grafschaft Ravensberg und dem Fürstbistum Paderborn.“

Die 19 Münzen hätten eine Kaufkraft von umgerechnet 120 Euro gehabt, sagt der Archäologe. „Einzeln sind sie auch heute nicht besonders wertvoll, zumal der aufgeprägte Wert über dem des Metalls liegt.“ Aus archäologischer Sicht sei der Fund aber bedeutsam, weil es eine Ansammlung von Münzen sei. Spiong: „Leider werden wir nie erfahren, ob jemand vor hunderten von Jahren im Wiehengebirge seine Ersparnisse vergraben oder nur seinen Geldbeutel verloren hat.“ Der Raubgräber habe das Areal zerstört, indem er nach den Münzen gebuddelt habe. „Damit sind mögliche Spuren für uns Archäologen verloren gegangen.“

Prämie orientiert sich an wissenschaftlichem Wert

Wer hat eigentlich generell das Recht an einem Schatz? Sven Spiong: „Dem Grundstücksbesitzer und dem Finder steht jeweils eine Hälfte zu. Wenn die Denkmalbehörde allerdings zu dem Ergebnis kommt, dass es sich um einen wissenschaftlich herausragenden Fund handelt, geht er laut Denkmalschutzgesetz in den Besitz des Landes über. Der Finder erhält dann eine Prämie, die sich am wissenschaftlichen Wert orientiert. Sie kann also über dem Materialwert liegen.“

Spiong sagt, illegale Sondengänger seien ein großes Problem, vor allem in Wäldern. „Wenn man auf einem Acker etwas findet, ist das mit Sicherheit schon etliche Male umgepflügt worden. Man hat dann zwar ein Fundstück, aber der Fundort erzählt keine Geschichte. Das ist in alten Wäldern anders, denn dort sind die Erdschichten ja oft seit langer Zeit unberührt.“

70 Hobby-Archäologen in OWL unterwegs

Derzeit gebe es in Ostwestfalen-Lippe etwa 70 Hobby-Archäologen, die mit einer Genehmigung auf Suche gingen und mit denen man sehr gut zusammenarbeite. „So eine Erlaubnis bekommt man problemlos. Die Leute sprechen mit uns ab, wo sie suchen, und wir bewerten ihre Funde. Es haben also beide Seiten etwas davon.“ Dass Menschen wie der Bad Oeynhausener ohne Erlaubnis loszögen, erlebe er aber trotzdem immer wieder: „Die wollen ihr Ding machen und sich nicht reinreden lassen.“

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