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NRW-Herzzentrum kauft Computertomographen der neuesten Generation

Nie gekannte Einblicke

Bad Oeynhausen (WB). Im NRW-Herzzentrum Bad Oeynhausen sprechen Ärzte von einer Revolution: In der Radiologie steht seit kurzem der modernste Computertomograph (CT) Deutschlands.

Christian Althoff

Im NRW-Herzzentrum Bad Oeynhausen sprechen Ärzte von einer Revolution: In der Radiologie steht seit kurzem der modernste Computertomograph (CT) Deutschlands. Foto: Armin Kühn

Das Gerät liefert so präzise Aufnahmen vom schlagenden Herzen, dass viele Herzkatheter-Untersuchung überflüssig werden können.

Unklare Brustschmerzen und Erkrankungen der Herzkranzgefäße – das sind die Symptome, bei denen der »Toshiba Aquilion One Genesis« hauptsächlich eingesetzt werden soll. Bisher ist bei diesen Beschwerden die Katheteruntersuchung mit gleichzeitigem Röntgen Standard – ein millionenfach bewährtes Verfahren, das aber auch selten eintretende Komplikationen haben kann, wenn etwa beim Kathetern Ablagerungen in den Adern gelöst werden, die Infarkte auslösen können.

Das neue Gerät braucht nur etwas mehr als eine zehntel Sekunde, um das gesamte Herz mit Röntgenstrahlen zu erfassen. Das Blickfeld des CT hat 16 Zentimeter Durchmesser. Vorherige Geräte erfassten nur vier Zentimeter, und der Patient musste deshalb unter der CT-Kamera bewegt werden. Die Strahlenbelastung des neuen CT von einem Millisievert ist sogar niedriger als bei der herkömmlichen Katheteruntersuchung, außerdem bekommen Patienten nach Angaben des Herzzentrums deutlich weniger Kon­trastmittel.

Herzinfarkt schneller erkannt

Nur drei Minuten benötigt der CT, um aus den Daten ein bewegtes Bild des schlagenden Herzens zu erstellen. Vorher mussten die Mediziner 45 Minuten auf die Bilder warten, und die waren bei weitem nicht so aussagekräftig. Jetzt kann zum Beispiel ein drohender Herzinfarkt schneller erkannt werden.

»Die Aufnahmen sind so hervorragend, dass wir bestimmte klinische Fragen mit einer Sicherheit von 98 Prozent beantworten können«, sagt Prof. Dr. Wolfgang Burchert, Leiter des Instituts für Radiologie, Nuklearmedizin und Molekulare Bildgebung. Die Ärzte können nicht nur das Herz von allen Seiten betrachten, der CT ermöglicht bei entsprechender Einstellung auch einen Blick ins Herz. Außerdem ist zu erkennen, wie sich Blutgefäße beim Pumpen des Herzens verändern.

Zwei Millionen Euro gekostet

Auch Patienten, die mit einem Katheter behandelt werden sollen (Weiten eines Gefäßes, Einsetzen einer Gefäßstütze oder einer künstlichen Herzklappe) profitieren von dem neuen Computertomographen. Prof. Burchert: »Der Kardiologe kann sich die gesamte Anatomie des Herzens und die Arterien, über die er den Katheter einführen möchte, vorher ansehen.« Weitere Einsatzgebiete sind die regelmäßigen Kontrollen von Herztransplantierten und Menschen mit angeborenen Herzfehlern.

Im Herz- und Diabeteszentrum NRW ist die Brustschmerz-Ambulanz an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr geöffnet. »Auch hier kommt das neue Gerät zum Einsatz«, sagt HDZ-Sprecherin Anna Reiss. Ambulante Untersuchungen seien nach Absprache möglich.

Das Gerät und notwendige Umbauarbeiten haben etwa zwei Millionen Euro gekostet. Einen Teil der Summe hat das Herz- und Diabeteszentrum selbst erwirtschaftet, den Rest hat das Land beigesteuert.

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