1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Bad-oeynhausen
  6. >
  7. Per WhatsApp beleidigt und bedroht

  8. >

Mann (29) steht vor Amtsgericht Bad Oeynhausen – Richter trägt Situation des Beschuldigten Rechnung

Per WhatsApp beleidigt und bedroht

Bad Oeynhausen (WB/wa). Weil er eine Steuerberaterin aus Nienburg per WhatsApp beleidigt und bedroht hatte, musste sich nun ein 29-jähriger Mann aus der Kurstadt vor dem Amtsgericht in Bad Oeynhausen verantworten. Aufgrund der Situation des Angeklagten verhängte Amtsrichter Dr. David Cornelius ein mildes Urteil. 225 Euro Strafe muss der Mann nun bezahlen, anstelle von ursprünglich festgelegten 1600 Euro.

Vor dem Amtsgericht in Bad Oeynhausen musste sich der Beschuldigte verantworten.

Strafbefehl widersprochen

Weil der Mann dem Strafbefehl fristgerecht widersprochen hatte, verhandelte Amtsrichter Dr. David Cornelius seinen Fall nun vor dem Amtsgericht. Als Zeugin hörte er dabei auch die betroffene Steuerberaterin. Die WhatsApp-Nachrichten habe er während einer Geburtstagsfeier seiner Freundin „mit besoffenem Kopf“ geschrieben, räumte der Mann in seiner Vernehmung vor Gericht ein. Allerdings habe er die 67-Jährige kurz darauf in ihrem Büro mit einem Freund aufgesucht, „um mich dafür zu entschuldigen.“

Restaurant sollte gegründet werden

Auslöser für die Geschehnisse sei eine ursprünglich geplante Gründung eines Restaurants gewesen, schilderte der Angeklagte. Mit einem Freund habe er das Lokal betreiben wollen und dessen Vater habe angeboten, dafür über einen Bekannten in einer Brauerei einen Kredit zu vermitteln. Dafür sollten die beiden jungen Männer insgesamt 70.000 Euro als Sicherheit hinterlegen. Die Hälfte davon habe er als seinen Anteil dem Freund „in bar übergeben“, berichtete der 29-Jährige. Außerdem habe er ihm für Notarkosten noch weitere 6000 Euro geliehen. Doch der Freund habe das Geld veruntreut, führte der Beschuldigte weiter aus. „Der trägt Rolex-Uhren, die er sich eigentlich nicht leisten kann.“ Er weigere sich, für Verbrechen seines Freundes sowie des Vaters aufzukommen und habe aus dem Restaurantgeschäft wieder aussteigen wollen, erklärte der 29-Jährige weiter. Dabei sei er selbst vom Vater des Freundes bedroht worden. Seinen Anteil habe er bis heute nicht zurückerhalten.

Steuerberaterin im Zeugenstand

Er habe ein Darlehen zurückhaben wollen, schilderte auch die Steuerberaterin den Verfahrensbeteiligten den Vorfall. Seit einem Jahr betreue sie die Finanzen des Vaters sowie seines Sohnes. In diesem Zusammenhang habe der Beschuldigte von ihr die Herausgabe von Unterlagen gefordert, der sie aber aus rechtlichen Gründen nicht einfach nachkommen könne. „Auch wenn er Gesellschafter ist“, erklärte sie, „braucht er dafür die Vollmacht des Geschäftsführers.“ Danach habe sie der 29-Jährige über WhatsApp beschimpft und mehrfach bedroht.

Keine Erinnerung an Entschuldigung

Die 35.000 Euro habe er sich selbst geliehen, betonte der Angeklagte und müsse diesen Betrag nun als aufgenommenen Kredit abbezahlen. An eine Entschuldigung des Mannes in ihrem Büro könne sie sich nicht erinnern, sagte die Zeugin. Das anschließende Gespräch mit ihm und seinem Bekannten sei aber „sachlich gewesen“. Daraufhin milderte Amtsrichter Dr. David Cornelius aufgrund der persönlichen Umstände des Angeklagten das Urteil. 15 Tagessätze zu je 15 Euro muss der Mann nun für seine WhatsApp-Nachrichten bezahlen. Der Beschluss wurde noch im Saal rechtskräftig.

Startseite
ANZEIGE