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Bäcker Friedrich Seeger (86) erhält diamantenen Meisterbrief

Seltene Ehre für »backenden Kaufmann«

Bad Oeynhausen (WB). »Ich bin ja nur ein Glied in der Kette der Tradition der Bäckerei Seeger«, hat Friedrich Seeger aus Bad Oeynhausen gestern gesagt. Der 86-Jährige wurde im kleinen Kreis in der Backstube der Bäckerei mit dem diamantenen Meisterbrief ausgezeichnet. Seit beeindruckenden 60 Jahren ist er Meister des Bäckerhandwerks.

Eva-Lotta Dehne

Über die feierliche Übergabe des diamantenen Meisterbriefes haben sich gestern (von links) Markus Redeker, Obermeister der Bäcker-Innung Wittekindsland, Bäcker Friedrich Seeger und seine Ehefrau Elfriede gefreut.   Foto:

In seiner Laudatio nannte ihn Markus Redeker, Obermeister der Bäcker-Innung Wittekindsland, den »backenden Kaufmann« und einen »Trendsetter beim Backen mit dem Holzofen«. Friedrich Seeger hatte nämlich vor seiner Lehre im Bäckerhandwerk eine Lehre zum Kaufmann im Einzelhandel abgeschlossen.

Der kaufmännische Aspekt ist darüber hinaus sozusagen Familientradition. Bereits der Großvater habe die betriebswirtschaftliche Seite des Handwerks nie außer Acht gelassen, als er den Betrieb 1883 gegründet habe, erklärte Friedrich Seeger. »Wir wollen keine roten Zahlen schreiben, deswegen ist die kaufmännische Ausbildung so wichtig«, fügte er hinzu. »Der Bäcker verdient sein Geld am Schreibtisch.«

Bäckerei in dritter Generation übernommen

1959 hatte Friedrich Seeger die Bäckerei in der dritten Generation übernommen, kurz nachdem er seine Ehefrau Elfriede (83) geheiratet hatte. Drei Töchter und ein Sohn entstammen dieser Ehe. Sohn Roland, selbst Bäckermeister, hatte den Traditionsbetrieb 1995 von seinem Vater Friedrich Seeger übernommen und führt ihn auch heute noch erfolgreich.

Friedrich Seeger freute sich gestern über die Auszeichnung seines Lebenswerks. »Es ist eine besondere Ehre. Wir werden den Meisterbrief rahmen und dann ins Büro in der Bäckerei hängen«, erklärte er. Vor allem sei er dankbar, dass er das noch erleben dürfe. Sein Vater sei für den diamantenen Meisterbrief zu früh verstorben, und in den Zeiten seines Großvaters habe es diese Auszeichnung noch nicht gegeben, fügte er hinzu.

Diamantene Meisterbriefe habe er in seiner ganzen Zeit erst vier Mal überreichen dürfen, erklärte Markus Redeker. Das hänge aus seiner Sicht auch mit der Länge der Schulzeit zusammen, die zugenommen habe, sagte er. »Deswegen freut es mich ganz besonders, dass ich einem meiner Vorgänger als Obermeister diese Auszeichnung aushändigen darf«, fügte er hinzu. Friedrich Seeger selbst war nämlich fünf Jahre ehrenamtlich in der Innung tätig, als stellvertretender Obermeister und danach elf Jahre als Obermeister der Bäcker-Innung Bad Oeynhausen. Diese Bäcker-Innung ist in der Bäcker-Innung Wittekindsland aufgegangen.

Zudem hatte er jahrelang das Amt eines Presbyters in der Wicherngemeinde inne. Sein schönstes Ehrenamt liege heute aber in der Familie – als Großvater von elf Enkelkindern, sagte er.

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