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In Bad Oeynhausen soll es vom kommenden Jahr an ein Mietangebot geben

Stadt verleiht bald Fahrräder

Bad Oeynhausen (WB). Smartphone aus der Tasche holen, App auswählen, Fahrrad freischalten, losfahren – so einfach ist ein Radverleihsystem. Auch in Bad Oeynhausen soll im Laufe des kommenden Jahres solch ein Angebot mit E-Bikes und herkömmlichen Rädern nutzbar sein.

Dominik Rose

Wer sich in Zukunft zum Beispiel am Nordbahnhof ein Fahrrad ausleihen möchte, muss sich einmalig mit allen erforderlichen Daten beim Anbieter einloggen. Über eine App wird das Rad anschließend aufgeschlossen. Aufsteigen, losradeln – fertig! Foto: Dominik Rose

Das so genannte Vierer-Bündnis (also die Fraktionen von SPD, BBO, UW und Die Linke) hat für die Ratssitzung am Mittwoch, 18. Dezember, den Antrag gestellt, ein öffentliches Bikesharingsystem in der Stadt zu konzipieren und in Betrieb zu nehmen. Verwaltungsintern wird nach Informationen dieser Zeitung bereits seit längerer Zeit an der Entwicklung eines Verleihprinzips gearbeitet. Nach einem positiven Beschluss könnten die Fahrradfahrer in Bad Oeynhausen schneller als gedacht mit der Einführung rechnen.

Wie funktioniert das System?

Die Stadt muss zunächst einen Anbieter finden, der die Räder und die Technik bereitstellt. Anschließend müssen die Standorte im Stadtgebiet, an denen die Kunden Räder ausleihen und abgeben können, festgelegt werden. Geht das System an den Start, muss sich jeder Nutzer mittels einer App einmalig mit seinen Daten registrieren. Fortan kann er unkompliziert an jedem Standort ein Rad mieten.

Wo sind die Standorte?

In der Kernstadt soll der Bahnhof zentraler Ausleihpunkt sein – allein schon wegen der Mobilitätsstruktur (Bahnhof, Radstation, ZOB, Taxis). Hier werden wohl auch die meisten Räder vorgehalten. Wo andere Standorte sein sollen, muss noch besprochen werden. Denkbar sind Verleihstationen überall dort, wo das Kundeninteresse groß ist. Das können Schulen genauso sein wie Bäder, größere Unternehmen oder andere Stellen mit viel Publikumsverkehr (zum Beispiel der Werre-Park). Wie diese Zeitung erfuhr, sind zunächst mindestens zehn Standorte mit E-Bikes und Rädern für Erwachsene vorgesehen.

Endet die Ausleihe an der Stadtgrenze?

Das hängt vom Anbieter ab. Dem Vernehmen nach hat es schon Gespräche mit Nachbarkommunen gegeben. Angedacht ist, im Idealfall einen Anbieter zu finden, der auch in angrenzenden Städten und Gemeinden für das System verantwortlich ist. Dann könnte der Kunde sein Rad in Bad Oeynhausen ordern, dann zum Beispiel den Weserradweg bis Minden befahren und die Leihe dort beenden. Theoretisch ist auch eine Tour bis Bielefeld, Gütersloh oder weiter denkbar.

Was kostet das Projekt?

Hierfür liegen noch keine exakten Zahlen vor, weil die Gesamtsumme vor allem vom Anbieter und von der Zahl der Standorte abhängig ist. Nach Informationen dieser Zeitung aus anderen Städten, die schon Erfahrungen mit dem Verleihsystem gesammelt haben, dürfte die Deutsche Bahn als Anbieter nicht in Frage kommen. Die aufgerufenen Summen sind offenbar viel zu hoch. Andere Unternehmen auf dem Markt bieten demnach bessere Konditionen und haben mehr Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Städten. Holt die Stadt einen günstigeren Anbieter aufs Rad, wird sich das auch auf die Nutzer auswirken. Das Gesamtpaket muss passen. Ein Verleihsystem ist – Stand heute – jedoch immer ein Zuschussgeschäft für die anbietende Kommune. Die Pluspunkte für eine Stadt liegen in anderen Bereichen (unter anderem Kundenorientierung, Tourismusförderung, Image).

Braucht Bad Oeynhausen überhaupt ein Verleihsystem?

Es fahren nach wie vor viel zu viele Autos durch die Stadt. Der Ausbau des Radsystems (etwa mit dem Schnellweg und dem Bike-sharing) soll helfen, dieses Pro-blem in den Griff zu bekommen.

An wen richtet sich das Angebot?

An alle. Angenommen wird jedoch, dass das Angebot verstärkt von Pendlern, die mit dem Zug nach Bad Oeynhausen kommen und vom Bahnhof aus weiter zur Arbeitsstelle müssen, genutzt werden wird. Diesbezüglich sind auch Partnerschaften/Kooperationen mit Betrieben denkbar, was etwa die Verleihstandorte angeht. Da das System noch aufgebaut werden muss, sind noch viele Optionen möglich – auch nach dem Startschuss (zum Beispiel der weitere Ausbau).

Was passiert, wenn Räder an den Standorten beschädigt oder gestohlen werden?

Das würde vertraglich mit dem Anbieter geregelt. Dieser übernimmt die Bereitstellung und die Instandhaltung. Ein Dieb sollte sich vorher genau überlegen, ob er ein Rad entwendet. Der aktuelle Standort jedes Fahrrades kann nämlich per GPS sofort gesehen werden.

Kommentar von Dominik Rose

Die Stadt ist mit der Einführung eines Radverleihsystems nicht nur auf einem guten Weg, sondern auch gut beraten: Immer mehr Menschen interessieren sich für Umwelt- und Klimaschutzbelange. Aufs Fahrrad statt ins Auto zu steigen, um etwa zur Arbeit zu kommen, ist da ein vernünftiger Ansatz für jeden Einzelnen.

Jedoch muss das Angebot auch wahrgenommen werden. Es reicht nicht aus, einfach nur zu sagen: „Schön, dass wir so etwas auch in Bad Oeynhausen haben!“ Kliniken, Unternehmen und öffentliche Einrichtungen sollten sich einbringen und ihre Mitarbeiter (Stichworte Gesunderhaltung, und Fitness) aufs Rad bringen. Dann profitieren alle von dem Projekt.

Sogar die Stadt selbst wäre dann trotz des Zuschussgeschäftes Nutznießer. Ein vernünftig auf- und ausgebautes Bikesharingnetz ist vor allem hinsichtlich der Außenwirkung – gesellschaftlich und politisch – ein wichtiger Faktor: „Guck, Bad Oeynhausen hat das schon!“ Den ein oder anderen Besucher mehr könnte man mit dem Radangebot bestimmt in die Kurstadt locken.

Und auch für die Bürger lohnt sich die Nutzung. Am Wochenende bei schönem Wetter nachmittags mal eben mit dem Leihrad nach Minden, Essen gehen, Party machen, mit Bus, Bahn oder per Carsharing zurück nach Bad Oeynhausen. Es gibt so viele Möglichkeiten.

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