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Nach Unfall auf der Valdorfer Straße: 4500 Euro Geldstrafe für 27-jährigen Biker

Tempofahrt kein einmaliger „Ausrutscher“

Bad Oeynhausen (WB/wa). Für seinen rasanten Fahrstil auf der Valdorfer Straße, durch den er im vergangenen Jahr einen Unfall mit drei Schwerverletzten verursacht hat, muss ein 27-jähriger Motorradfahrer nun 4500 Euro Geldstrafe bezahlen. Zwei Zeugen waren für den letzten Prozesstag am Amtsgericht Bad Oeynhausen geladen, doch auch ohne ihre Aussagen stand für die Verfahrensbeteiligten schnell das Urteil fest.

Seitlich kollidierte der 27-jährige Biker mit dem Auto an der Kreuzung Bleichstraße/Valdorfer Straße. Foto: Louis Ruthe/Archiv

Bei seiner Fahrt mit stark überhöhter Geschwindigkeit hatte der Mann im August 2018 einen Unfall mit drei Schwerverletzten verursacht, wie das Gericht feststellte. Eine 56-Jährige war von der Bleichstraße auf die Valdorfer Straße eingebogen, dann krachte es.

Bereits zu Beginn der Verhandlung gestand und bereute der Beschuldigte seine Tat . Strafmildernd wertete für ihn das Gericht neben seinem Geständnis, dass er selbst mit mehreren Frakturen sowie einem Schädelbasisbruch für mehrere Wochen in ein Mindener Krankenhaus eingeliefert worden war und seitdem „die Finger vom Motorrad gelassen hat“, wie der Verteidiger ergänzte.

Helmkamera filmt alles

Allerdings habe er sich nicht nur für die schweren Verletzungen der Fahrerin des Pkw sowie einer Beifahrerin zu verantworten, wie der Staatsanwalt betonte. Zudem sei er für ein „illegales Rennen“ zu bestrafen. Dafür brauche es keinen zweiten Fahrer. Es reiche bereits aus, „wenn man versucht, die höchstmögliche Geschwindigkeit zu erreichen.“

Zweifellos belege das die Helmkamera des Beschuldigten „in Gott sei Dank guter Qualität“, die die eindeutigen Absichten des Mannes belegten. Sie zeigten schließlich, dass „die Randbebauung“ entlang der Fahrbahn „immer schneller vorbeifliegt“. Zudem seien mehrere Spritztouren auf der Speicherkarte der Kamera sichergestellt worden, die bewiesen, dass diese Fahrt kein „einmaliger Ausrutscher“, sondern „Ausdruck einer Passion“ gewesen sei.

„Mein Mandant war bei der verkehrspsychologischen Erziehung. Er hat sich mit der Tat auseinandergesetzt“, erklärte der Verteidiger. Eine weitere Neigung zu ähnlichen Straftaten sei auszuschließen. Zudem habe sich die 56-jährige Fahrerin zumindest in Teilen mitschuldig gemacht. Mehrere Zeugen hätten schließlich bestätigt, dass das Motorengeräusch des Kraftrads nicht zu überhören gewesen seien. Das hätte auch die Frau bei gut einsehbarer Straße nicht ignorieren können. „Sie hätte nicht einbiegen dürfen.“

4500 Euro Geldstrafe

Niemand müsse damit rechnen, „dass ein Motorrad mit Maximalgeschwindigkeit durch den Ort fährt“, entgegnete Amtsrichter Dr. David Cornelius dem Verteidiger. Die Tat des Beschuldigten sei „einfach ohne Grund, ohne Sinn“ erfolgt. Zudem sei klar durch die Kamera zu erkennen, „wie Sie die Geschwindigkeit ausschöpfen“.

Er glaube dem Angeklagten, „dass Sie sich aufgrund Ihrer schweren Verletzungen nicht mehr erinnern können“, und er seine Tat bereue. Doch diese sei einfach „viel zu massiv“ gewesen.

4500 Euro Geldstrafe muss der Beschuldigte nun bezahlen. Auf Drängen des Staatsanwalts erlegte der Amtsrichter dem Angeklagten auch eine Führerscheinsperre von 15 Monaten auf. Seine Fahrerlaubnis gab der Beschuldigte noch in der Verhandlung ab, darf aber den Autoführerschein aus beruflichen Gründen neu beantragen. Der Beruf solle dem Mann schließlich „nicht kaputt gemacht werden“, bekräftigte auch der Staatsanwalt, aber auf ein Motorrad, „da sollen Sie, auf Deutsch gesagt, nicht mehr drauf“. Das Urteil wurde noch im Saal rechtskräftig.

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