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Borwin Bandelow referiert in Berolina-Klinik in Löhne bei Symposium zu Angst und Panikstörungen

Wenn das Herz vor Angst rast

Bad Oeynhausen/Löhne (WB). Sie kommt plötzlich und äußert sich durch Herzrasen, Luftnot, Schwindel. Das Gefühl, dass eine Panikattacke bei Betroffenen auslöst, gleicht einem Herzinfarkt oder dem Ersticken. Beim Symposium »Seelische Gesundheit« in der Berolina-Klinik hat Prof. Borwin Bandelow am Freitag über Ursachen, Folgen und Gegenmaßnahmen bei Angst- und Panikstörungen gesprochen.

Lydia Böhne

»Angst- und Panikstörungen: Ursachen-Folgen-Gegenmaßnahmen«: Zu diesem Thema hat am Freitag Prof. Borwin Bandelow (links, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Göttingen) gesprochen. Mit im Bild sind Rolf Süllwold, Chefarzt Psychosomatik Berolina-Klinik, Bad Oeynhausens Bürgermeister Achim Wilmsmeier, Egon Schewe, erster stellvertretender Bürgermeister in Löhne, Regina Diedrichs-Winkler, Psychologische Psychotherapeutin Berolina-Klinik und Andree Gleißner, Geschäftsführer der Berolina Klinik. Foto:

Dass auch ein Professor, der sich an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Göttingen mit Angst beschäftigt, nicht vor ihr gefeit ist, machte Borwin Bandelow gleich zu Beginn klar: »Ich hatte echt Angst vor Spinnen.« Nach der Konfrontation mit einer Vogelspinne in einer Fernsehsendung habe sich diese aber gelegt. Im Prinzip sei eine Panikattacke eine natürliche Reaktion des Körpers, die allerdings im falschen Moment stattfinde. Der Psychotherapeut vergleicht diesen Reflex mit einem Auto, das auf dem Parkplatz steht und bei dem unvermittelt alle Airbags auslösen, obwohl keine Gefahrensituation besteht.

Symptome der Angst

Herzrasen, Zittern oder Ohnmacht seien beim Menschen Symptome von Angst, und sie provozierten gleichzeitig eine Fluchtreaktion. »Auftreten können Angststörungen in allen Altersgruppen und sozialen Schichten. Am häufigsten sind 37-Jährige betroffen«, wusste Borwin Bandelow zu berichten. Aber worin besteht die Angst genau?

Unterschieden werden müsse laut des Experten zwischen realer Angst, beispielsweise vor Krankheit, vor einem Unfall oder vor Geldverlust und andererseits Angststörungen, beispielsweise vor Fahrstühlen. »Bei ersterer geht man nicht zum Arzt. Die Angststörungen hingegen können wir behandeln«, erläuterte der Psychiater. Am häufigsten sieht sich der Experte in der Praxis mit der Panikstörung konfrontiert. Sie gehe bei zwei Dritteln der Betroffenen mit Agoraphobie (»Platzangst«) einher. »Das kann zum Beispiel sein, wenn Sie im Stau stehen oder alleine Zuhause sind und wissen, dass im Notfall kein Arzt da ist, der die Symptome behandeln kann«, erläuterte Borwin Bandelow. Weiterhin gebe es die generalisierte Angststörung, die sich in anhaltender Unruhe und Schlafstörungen äußere. Soziale Phobie oder Trennungsstörung, die Ängste seien vielfältig.

Kein Anstieg von Angststörungen oder Depressionen

Begründet seien sie in erster Linie durch genetische Faktoren. Der erzieherische Einfluss ist laut des Experten gering. Eher noch würden belastende Lebensereignisse zu einer Angststörung führen. »Bei der Behandlung gibt es einen hohen Plazeboeffekt«, sagte Borwin Bandelow. Effektive Ansätze sieht der Psychiater in geeigneten Medikamenten, Sport als ergänzende Maßnahme und Verhaltenstherapie. Sie gliedere sich in einen kognitiven Teil, bei dem über Mechanismen der Angst aufgeklärt werde und den Expositionsteil im Sinne einer Konfrontation. »Bei Flugangst lässt man sich zum Beispiel erst vom Piloten erklären, dass ein Flugzeug nicht einfach abstürzen kann und fliegt anschließend selbst mit«, skizzierte Borwin Bandelow in diesem Zusammenhang.

Ein Anstieg von Angststörungen oder Depressionen lasse sich laut des Neurologen nicht erkennen.

Ein weiterer Programmpunkt des Symposiums am Freitag in der Berolina-Klinik zum Thema »Seelische Gesundheit« hat sich praktischen Achtsamkeits-Übungen unter der Leitung von Diplom-Psychologin Regina Diedrichs-Winkler gewidmet.

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