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Schülergipfel im Immanuel-Kant-Gymnasium in Bad Oeynhausen

Wie entwickelt sich das Klima?

Bad Oeynhausen  (WB). Gleiches Thema, neuer Ort:  Nachdem die Agentur Get People am Dienstag bereits einen „Klima-Schul-Kongress“ in der Europaschule ausgerichtet hatte, ging die Diskussion am Mittwoch im Immanuel-Kant-Gymnasium (IKG) weiter. Als Impulsgeber war erneut der Klimaforscher Prof. Dr. Peter Lemke vom Alfred-Wegener-Institut (Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung) in Bremerhaven mit dabei.

Malte Samtenschnieder

Welche Auswirkungen das Treibhausgas CO2 auf das Klima hat, hat Prof. Dr. Peter Lemke beim „Klima-Schul-Kongress“ im Immanuel-Kant-Gymnasium erklärt. Foto: Malte Samtenschnieder

Bevor der Experte unter dem Motto „Klimawandel – was kommt auf uns zu?“ in das Thema des Tages einführte, stellten sich die drei Moderatoren Caja (17), Johannes (16) und Elias (15) den in der Aula des Schulzentrums Süd versammelten älteren Jahrgängen des IKG vor. Als Überleitung zu Peter Lemkes Vortrag schlüpfte Moderator Johannes in einen Polaranzug, wie ihn der Klimaforscher regelmäßig trägt, wenn er mit dem Forschungsschiff „Polarstern“ die Eisregionen in der Arktis oder Antarktis erkundet. „Damit kommt man nur sehr schwierig von der Stelle. Und auch die Hände kann man kaum bewegen“, meinte der Elftklässler. Zudem schwitze man in dem Anzug stark.

Insgesamt zwei Jahre an Bord der „Polarstern“

Peter Lemke nahm die Anmerkungen mit Humor. Der renommierte Klimaforscher erläuterte, dass er – unterteilt in Expeditionen von jeweils zwei Monaten Länge – bereits etwa zwei Jahre auf der „Polarstern“ verbracht hat. Bei Temperaturen von minus 50 Grad und bis zu Windstärke zwölf sei eine gut isolierende Kleidung wichtig. „Unter den gerade geschilderten Bedingungen kann man nur mit dem Rücken zum Wind arbeiten“, meinte der Meteorologe. Sonst riskiere man Erfrierung. Als erstes würden meist die Wangen, später die Nase von eisigen Polarwinden angegriffen.

Nicht nur auf seine Forschungsleistung ist Peter Lemke stolz, sondern auch auf eine besondere Auszeichnung: Als Mitglied und Koordinator im Weltklimarat, dem „International Panel of Climate Change“, wurde er 2007 mit dem Friedensnobelpreis geehrt. „Wir haben uns die Auszeichnung damals mit dem ehemaligen US-Vize-Präsidenten Al Gore geteilt.“

Treibhausgas CO2 löst Erderwärmung aus

Der Frage, wie eigentlich das Weltklima funktioniert, ging Peter Lemke in seinem Vortrag sehr anschaulich nach. Für die zunehmende Erderwärmung machte er das Treibhausgas CO 2 verantwortlich. Beim Übergang von einer Eis- zu einer Warmzeit, wie ihn die Erde derzeit erlebe, sei es üblich, dass der CO 2 -Gehalt in der Erdatmosphäre steige. „Der Wert ist aber in den vergangenen 60 Jahren so stark gestiegen wie sonst in einem Zeitraum von 20.000 Jahren“, betonte der Klimaforscher.

Das habe gravierende Auswirkungen auf die Temperaturen. Eine Auswertung der Klimadaten der vergangenen Jahrzehnte habe ergeben, dass seit 1978 kein Jahr mehr „normal“ verlaufen sei. „Stattdessen steigt die Durchschnittstemperatur von Jahr zu Jahr weiter an“, sagte Peter Lemke. Das führe dazu, dass die Eisflächen an den Polen in den Sommermonaten immer weiter zurückgehen. „Prognosen gehen davon aus, dass das Eis bis 2050 im Sommer ganz verschwindet.“

Temperaturanstieg muss begrenzt werden

Nach Einschätzung des Experten ist es von größter Wichtigkeit, den weltweiten Temperaturanstieg möglichst stark zu bremsen. Betrachtet werde der Zeitraum vom Beginn der Industrialisierung bis zum Jahr 2100. „Wenn wir weitermachen wie bisher, wird die Temperatur um vier Grad steigen“, warnte Peter Lemke. Bei einem sofortigen Umdenken und entsprechendem Handeln könne der Temperaturanstieg auf weniger als zwei Grad begrenzt werden.

Nach Angaben des Experten werden derzeit 37 Gigatonnen CO 2 pro Jahr in die Erdatmosphäre ausgestoßen. Um die Erderwärmung auf 1,5 Grad beziehungsweise zwei Grad zu deckeln, dürften weltweit maximal noch 540 Gigatonnen beziehungsweise 1280 Gigatonnen CO 2 dazu kommen. Peter Lemke: „Diese Werte wären in 15 beziehungsweise 35 Jahren erreicht. Danach dürfte gar kein CO 2 mehr ausgestoßen werden.“

Um etwas zum Klimaschutz beizutragen, gab der Experte den Gymnasiasten folgende Tipps: Energie sparen, Energie aus Sonne und Wind nutzen, neue Heiztechnik und Verkehrsmittel einsetzen, den Konsum einschränken und „das Leben nachhaltig gestalten“.

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