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Horst Brönstrup berichtet über Existenz eines Schwefelbergwerks in Dehme

Wie mit einem Brunnen alles begann

Bad Oeynhausen-Dehme (WB). Der Königsbrunnen und das Bergwerk auf dem Dehmer Plattenberg sind längst in Vergessenheit geraten. Horst Brönstrup hat kürzlich zufällig von der Errichtung der beiden Bauwerke erfahren und in der Dehmer Heimat­stube über seine Recherchen dazu informiert.

Kristin Wennemacher

Horst Brönstrup hat zum Bergwerk auf dem Plattenberg recherchiert. Auf einer Karte zeigt er, wo es sich befunden haben könnte. Es wird oberhalb der B61 vermutet. Foto: Kristin Wennemacher

Damit für Trinkwasser der Transportweg vom Plattenberg ins Tal gespart werden konnte, hätten 1853 vier Bauern beschlossen, einen eigenen Brunnen zu errichten, erklärte Brönstrup den Besuchern seines Vortrags. Dass sie beim Bohren der Brunnen nicht auf Trinkwasser stoßen würden, hätten die Bauern nicht wissen können, meinte Horst Brönstrup. „Das Wasser aus dem Brunnen war schwefelhaltig, zum Trinken ungenießbar“, heißt es in einem Brief, der kurze Zeit nach der Errichtung verfasst worden ist und auf den Brönstrup bei seiner Recherche aufmerksam geworden ist.

Die vier Bauern hätten dennoch einen großen Aufwand betrieben, um in ihrem kleinen Dorf eigenes Trinkwasser schöpfen zu können, erklärte Brönstrup weiter. Weil die finanziellen Mittel fehlten, hätten die Bauern sogar an den Preußen-König Friedrich Wilhelm IV geschrieben, um Unterstützung zu bekommen. Der König stimmte der Anfrage schließlich zu, aber nur unter diesen Bedingungen: Sie müssten eine „Brunnen-Societät“ aufbauen und ein Brunnenstatut aufstellen, erklärte Horst Brönstrup. Dies hätten die Bauern getan und dementsprechend das Geld für die Errichtung erhalten. Den Brunnen, der im Jahr 1853 fertiggestellt wurde, bezeichneten sie forthin als Königsbrunnen.

Genauer Standort kann heute nur noch vermutet werden

Heute sei dieser selbst nicht mehr zu sehen, meinte Horst Brönstrup. Der Standort werde aber auf dem Plattenberg vermutet, dort wo auch heute noch Häuser stehen. Die Berichte der Anwohner über den Schwefelgeschmack des Wassers haben laut Brönstrup dazu geführt, dass die „Chemische Fabrik zu Neusalzwerk“ darauf aufmerksam geworden sei. Die Fabrik sei 1752 gegründet worden und habe eine Saline an der heutigen Kreuzung Eidinghausener Straße/Mindener Straße gehabt, erklärte Brönstrup. Bis 1928 hätten ihre Gradierwerke Salz produziert.

In Bezug auf den Königsbrunnen habe die „Chemische Fabrik zu Neusalzwerk“ schließlich Rohre zum Plattenberg verlegt und 1858 in den zwei Schwefelkieszechen „Breusing“ in Volmerdingsen und „Johanne Sophie“ in Dehme die Arbeit aufgenommen. Transportiert worden seien die Erzeugnisse vermutlich mit Pferdekarren zur Weser und dann zur Weiterverarbeitung nach Nienburg, sagte Brönstrup. Bis 1863 habe das Bergwerk Schwefel abgebaut.

Im Ersten Weltkrieg kam es dann erneut zum Einsatz. Der Schwefel habe dazu gedient, Munition für die Waffen herzustellen. Nach dem Ende des Krieges sei das Bergwerk „Johanne Sophie“ endgültig aufgegeben worden, meinte Horst Brönstrup. Bilder von den Zechen gebe es keine.

Die Bewohner hätten aber auch nach Kriegsende das ehemalige Bergwerk noch zu spüren bekommen. Horst Brönstrup erzählte, dass Erzählungen zufolge plötzlich eine Wiese eingestürzt sein soll oder beim Graben mit einer Schaufel der Boden in sich zusammengefallen sein. Die Stollen sollen heute noch zu sehen sein, seien aber unbegehbar, meinte Brönstrup.

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