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27-jähriger Biker muss sich nach Unfall mit Schwerverletzten in Bad Oeynhausen vor Gericht verantworten

„Wollte einfach nur fahren“

Bad Oeynhausen (WB/wa). Drei Verletzte hatte diese Motorradfahrt eines 27-Jährigen auf der Valdorfer Straße verursacht. Rücksichtslos habe er es dabei zu einer Kollision mit dem Auto einer 56-jährigen Frau kommen lassen, lautet der Anklagevorwurf. Nun verhandelt das Amtsgericht gegen den Bad Oeynhausener, der sich bei dem Unfall selbst schwere Verletzungen zugezogen hatte.

Motorrad und der Pkw mussten abgeschleppt werden. Drei Personen erlitten schwere Verletzungen. Foto: Louis Ruthe/Archiv

Wie die Verfahrensbeteiligten feststellten, war die geschädigte Bad Oeynhausenerin im vergangenen Jahr an einem Augustnachmittag mit ihrem Auto von der Bleistraße kommend auf die Valdorfer Straße im Stadtteil Lohe eingebogen.

Dann habe sie nur noch einen Knall gehört. Erst in jenem Moment, „als ich schon auf dem Boden lag“, sagt sie, und versorgt worden war, setzten ihre Erinnerungen an das Geschehen ein. Mit mehreren Verletzungen – unter anderem einem Schädel-Hirntrauma – war die 56-Jährige anschließend stationär behandelt worden. Dies verlas Amtsrichter Dr. David Cornelius aus ihrem ärztlichem Attest.

„Es tut mir leid, dass Personen zu Schaden gekommen sind“, betonte der Angeklagte gleich zu Beginn der Verhandlung. Bei ihm selbst seien nach dem Aufprall 14 Rippenbrüche sowie eine angebrochene Stelle im Bereich der Halswirbel diagnostiziert worden. Viel Zeit habe er daher während seines einmonatigen Krankenhausaufenthalts gehabt, „um nachzudenken“, wie der Angeklagte betonte. „Ich bin dabei, an meinem Verhalten zu arbeiten.“ Zudem habe er beschlossen, „nie wieder Motorrad zu fahren.“

Helmkamera filmt Unfall

Mit seiner Helmkamera hatte der Mann seine rasante Fahrt mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit dokumentiert. Nach eigenen Angaben war er mit einem Motorrad mit „etwa 148 Pferdestärken“ unterwegs. Dies habe er offensichtlich überschätzt, sagte der Beschuldigte. „Grundsätzlich bin ich ein ruhiger Fahrer.“

In jenem Augenblick wollte er auf freier Straße „einfach nur fahren“ und habe für sich die Strecke dokumentieren wollen, erklärte er auf die Frage des Richters, wieso er seine Helmkamera eingeschaltet habe. Deren Aufzeichnungen sichtete der Vorsitzende mit allen Verfahrensbeteiligten und wertete sie zugleich als eindeutigen Nachweis, dass der 27-Jährige der Unfallverursacher gewesen sei.

Nach Erhebung des Gerichts war die Geschädigte mit drei Bekannten zu jenem Zeitpunkt in ihrem Fahrzeug unterwegs. Allerdings könnten sich alle nur an den Knall erinnern, wie Dr. David Cornelius betonte. Auch ein als Zeuge geladener 57-Jähriger Polizist bestätigte den Verfahrensbeteiligten nur, dass nach Eintreffen seiner Streife bereits zwei Verletzte auf der Straße versorgt worden seien.

Nun will Dr. Cornelius mindestens noch eine Zeugin hören. Die Spätfolgen ihrer durch den Unfall erlittenen Verletzungen könnten nach seiner Einschätzung beim Strafmaß für den Angeklagten eine wichtige Rolle spielen. Das Verfahren wird in Kürze fortgesetzt.

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