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Parteien in Bad Oeynhausen beziehen im Vorfeld der Ratssitzung Stellung

Zu wenig Trinkwasser – und was nun?

Bad Oeynhausen  (WB). Obwohl die Temperaturen zuletzt kräftig gefallen sind und es zwischendurch auch öfter geregnet hat, ist das Thema »Trinkwasserknappheit« nicht vom Tisch. Am Mittwoch, 28. Juni, befasst sich der Rat der Stadt Bad Oeynhausen mit der Angelegenheit. Zuvor hat das WESTFALEN-BLATT Vertreter aller im Rat vertretenen Parteien und Gruppen um eine Stellungnahme gebeten.

Malte Samtenschnieder

Nach den Regenfällen in den vergangenen Tagen hat sich die Trinkwasserlage im Wasserbeschaffungsverband Am Wiehen entspannt. Sowohl kurz- als auch mittelfristig bleibt das Thema aber auf der Tagesordnung. So am Mittwoch, 28. Juni, im Rat der Kurstadt. Foto: N-Schmitz/pixelio.de

CDU

»Ich wurde am 31. Mai durch die Stadtwerke über die Trinkwasserknappheit informiert«, sagt Kurt Nagel (CDU). Es sei für ihn unverständlich, dass die Stadtwerke nicht zu einem deutlich früheren Zeitpunkt über entsprechende Warnsignale informiert sowie kurz- und mittelfristig zu ergreifende Gegenmaßnahmen aufgezeigt hätten. Der Appell an die Bürger, Trinkwasser zu sparen, werde seiner Überzeugung nach bei einer möglichen Zuspitzung der Situation nicht ausreichen.

»Da die Problematik nicht als temporär eingeschätzt werden kann, erwarte ich von unseren Fachleuten umgehend eine strategische Neuausrichtung einzuleiten«, sagt Kurt Nagel. Diese sei notwendig, um den Problemen der Absenkung des Grundwassers und des Uferfiltrats am Wasserwerk in Rehme, teils maroden Netzen und damit verbundener Wasserverluste sowie dem offensichtlichen Problem der Erhöhung von Fördermengen zu begegnen.

SPD

»Bad Oeynhausen verbraucht jährlich 2,9 Millionen Kubikmeter Wasser. Das entspricht etwa 20 Millionen Badewannen voll Wasser«, sagt Olaf Winkelmann (SPD). Es gebe also nicht zu wenig Wasser. Besondere Wetterlagen hätten aber an einigen Tagen zu zu hohen Spitzenverbräuchen geführt. Olaf Winkelmann: »Der Hochbehälter in Bergkirchen wurde schneller geleert als gefüllt. Deshalb ist der Appell, sparsamer mit Wasser umzugehen, richtig.«

Die bereits eingeleiteten Maßnahmen sind laut Olaf Winkelmann wichtig, um den steigenden Grundverbrauch sicherzustellen. Es sei auch richtig, sensibler mit Trinkwasser in Gärten und Außenanlagen umzugehen. »Zudem ist es wichtig, zu überlegen, ob wir in Bad Oeynhausen die private Regenwassernutzung und -speicherung etwa durch Regenwassertonnen und -zisternen fördern können«, sagt Olaf Winkelmann. Bis 2005 habe es dafür Landesförderprogramme gegeben.

Grüne

»Die Situation darf nicht auf die leichte Schulter genommen werden, auch wenn unklar ist, ob es sich hierbei um Auswirkungen des Klimawandels handelt«, sagt Volker Brand (Grüne). Panik sei aber sicher nicht angebracht. »Trotzdem sollte damit gerechnet werden, dass solche Mangelerscheinungen in Zukunft öfter auftreten können«, betont Volker Brand.

Es sei nun wichtig, dass die Verbraucher einen ökologisch pfleglichen und nachhaltigen Umgang mit der kostbaren Ressource Trinkwasser praktizierten. Zudem müsse das Wassernetz so verbessert werden, dass es zu keinen ungeklärten Wasserverlusten kommen kann. Volker Brand: »Langfristig sollten darüber hinaus größere regionale Kooperationen geprüft werden, um in Extremsituationen zukünftig flexibler reagieren zu können.«

Bürger für Bad Oeynhausen

»Derzeit zeigt sich, dass bei entsprechenden Wetterlagen und Spitzenverbräuchen, die Trinkwasserversorgung gefährdet ist«, sagt Reiner Barg (Bürger für Bad Oeynhausen). Dadurch werde deutlich, wie notwendig es ist, mit dem lebensnotwendigen Wasser sparsam zu wirtschaften und die Einstellung zu entwickeln, dass eben nicht aus dem Vollen geschöpft werden kann.

»Um den Wasserbedarf langfristig zu sichern, ist zu prüfen, inwieweit die vorhandenen Brunnen und Anlagen ausreichen, ohne Raubbau zu betreiben«, sagt Reiner Barg. Wenn notwendig, müssten neue Brunnen gebohrt werden. Darüber hinaus solle in Bad Oeynhausen ein Förderprogramm zur Regenwassernutzung geschaffen werden, um private Investitionen zu initiieren. So etwas habe es bereits in den 1990er Jahren gegeben.

Linke

»Die Trinkwassersituation ist für uns in Bad Oeynhausen alles andere als gefährlich oder bedrohlich. Niemand muss Durst erleiden«, sagt Andreas Korff (Linke). Da hätten Menschen in ärmeren Teilen der Welt ­– insbesondere in Afrika – ganz andere Sorgen. Dennoch sei es nicht nötig, täglich den Rasen zu wässern oder einmal wöchentlich das Auto durch die Waschstraße zu fahren.

Andreas Korff: »Wir sehen, was passiert, wenn es wochenlang nicht richtig regnet, aber im Vergleich mit immer noch mehr als erträglichen Konsequenzen.« Überstürzte Panikmache oder blinden Aktionismus lehne er deshalb ab.

Unabhängige Wähler

»Man muss den Verbrauch der Privatkunden und der Gewerbekunden in den vergangenen fünf Jahren analysieren, um festzustellen, wo eventuell mehr Wasser verbraucht wurde«, sagt Thomas Heilig (Unabhängige Wähler). Nach Abschluss dieser Ursachenfindung könne man dann im nächsten Schritt über das weitere Vorgehen entscheiden.

FDP

»Aus unserer Sicht ist es nicht nachzuvollziehen, dass hier plötzlich ein unvorhersehbares Problem in der Wasserbeschaffung aufgetreten sein soll«, sagt Ulrich Kreft (FDP). Das Problem dürfte sich schon viel früher abgezeichnet haben, ohne dass geeignete Schritte unternommen wurden. Ulrich Kreft: »Wir vertrauen voll auf die neue Leitung der Stadtwerke, Herrn Schwarze, der als erfahrener Mann wissen wird, wie dieses Problem kurz- und langfristig zu beheben sein wird.«

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