1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Bad-oeynhausen
  6. >
  7. Zum Fest wird erstmals serviert

  8. >

Sauerkrautseminar der Rehmer Heimatfreunde: vor dem Genuss steht das Stampfen

Zum Fest wird erstmals serviert

Bad Oeynhausen-Rehme (WB). Selbstgemacht schmeckt einfach besser: Da waren sich die Teilnehmer des Sauerkrautseminars im Rehmer Heimathaus einig. Die körperliche Anstrengung beim eigenhändigen Stampfen des Weißkohls nahmen die etwa 35 Teilnehmer mit der Aussicht auf leckeres Sauerkraut so gern in Kauf.

Lydia Böhne

Sauerkrautstampfen ist bei Anna und Dieter Backs sowie Enkel Abbe Johan (9, Foto rechts) Familiensache. Die Löhner sind erstmals beim Seminar dabei und haben sich extra einen eigenen Topf dafür gekauft. Foto: Lydia Böhne

Bis das Kraut schließlich serviert werden kann, müssen die Teilnehmer sich allerdings noch ein wenig gedulden. »Die ersten Leute standen am Freitag schon um 17 Uhr, also eine Stunde vor dem eigentlichen Beginn, vor der Tür«, berichtete Karl-Friedrich Witte. Laut des Mitglieds der Rehmer Heimatfreunde würden zahlreiche Teilnehmer auch aus dem Herforder Raum anreisen.

210 Kohlköpfe sind unter das Messer gekommen

»Viele kommen auch nur zum Essen vorbei«, fügte er hinzu. Traditionell reichen die Heimatfreunde als Stärkung beim Sauerkrautseminar Mettwurst und Stippgrütze aus Rehmer Hausschlachtung. 210 Kohlköpfe haben die Organisatoren beim Landwirt Kossack in Volmerdingsen für das Seminar geordert. Sie wurden von den Helfern in der Vorbereitung zunächst geviertelt. Anschließend wurden die Strünke entfernt und der Kohl in einem letzten Schritt geraspelt. Arbeitserleichterung verschaffte den Heimatfreunden dabei eine Hobelmaschine, die Erich Lüfelsmeier im Jahr 2002 angefertigt hat.

Dann waren die Teilnehmer am Zug. Sie hoben die Weißkohlstreifen in ihre Steintöpfe. Wahlweise mit dem Stampfer oder mit den Händen musste dann kräftig auf die Masse gedrückt werden, bis der Saft herausquoll. »Wie lange das Stampfen dauert, hängt von der Kraft ab. Man kann aber für etwa sechs Liter eine halbe- bis dreiviertelstunde rechnen«, sagte Karl-Friedrich Witte. Gleich 20 Liter hatten sich Anna und Dieter Backs aus Löhne vorgenommen.

Sauerkraut kann geschmort und mit Wacholderbeeren verfeinert werden

Tatkräftige Hilfe bekam das Paar von seinem Enkel Abbe Johan. Der Neunjährige demonstrierte sogleich, dass ihm das Kraut nicht nur gekocht schmeckt, und schob sich eine Hand voll rohem Kohl in den Mund. Anders als ihr Enkel genießt Anna Backs das Sauerkraut lieber geschmort und mit Wacholderbeeren verfeinert. Serviert werden soll das Kraut bei Familie Backs erstmals an Weihnachten. »Nach dem Stampfen muss es etwa 14 Tage leicht erwärmt stehen, bis die Gärung einsetzt. Bis es fertig ist, kann man weitere sechs Wochen rechnen«, erläuterte Karl-Friedrich Witte.

Auf den Verzehr freuten sich auch Renate Manthey und Gabriele Korsmeyer. »Ich esse das Sauerkraut gerne mit Kartoffeln und etwas Geräuchertem«, sagte sie. Die Oberbecksenerin würzte ihre zehn Liter Kraut bereits beim Stampfen mit Salz, Lorbeerblättern und Nelken. »Es schmeckt einfach ganz anders, als gekauftes Sauerkraut«, schwärmte sie.

Startseite