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Kreis Minden-Lübbecke: Sturmtief Zeynep hinterlässt Spuren - Horsts Höhe bis Samstagnachmittag gesperrt

Baum stürzt in Minden auf zwei fahrende Autos

Minden/Lübbecke

Erst Ylenia, jetzt Zeynep - das nächste Sturmtief fegt über den Kreis Minden-Lübbecke hinweg. Der Lübbecker Meteorologe Friedrich Föst berichtet, dass gegen 21 Uhr in Lübbecke die Windstärke 12 mit Böen bis 124 Stundenkilometer erreicht wurden. Damit ist das Orkantief Friederike "getoppt".

Von Viola Willmann

Gegen 20.20 Uhr stürzte ein Baum über die gesamte Fahrbahn der Stiftsallee in Minden. Zwei Autos wurden schwer beschädigt, ein Mann leicht verletzt. Foto: Polizei Minden-Lübbecke

Das Sturmtief Zeynep hat den Einsatzkräften von Polizei und Feuerwehr im ganzen Kreisgebiet eine ereignisreiche Nacht verschafft. Bis etwa 6 Uhr zählten die Leitstelle der Polizei Minden-Lübbecke seit dem Freitagnachmittag nahezu 85 witterungsbedingte Einsätze. Vielfach waren umgestürzte Bäume, herabfallende Äste oder umherfliegende Gegenstände Anlass der polizeilichen und feuerwehrtechnischen Einsätze. Auch am Samstagmorgen sei noch von weiteren witterungsbedingten Einsätzen auszugehen. Die Polizei und Feuerwehr erwarten einen ereignisreichen Morgen, insbesondere durch Sturmschäden die im Laufe des Vormittags festgestellt werden.

Gegen 20.20 Uhr stürzte ein Baum über die gesamte Fahrbahn der Stiftsallee in Minden in Höhe einer Tankstelle. Zwei Pkw, die sich zu diesem Zeitpunkt in Höhe des Baumes befanden, konnten nicht mehr rechtzeitig bremsen. Beide Fahrzeuge wurden erheblich beschädigt und waren nicht mehr fahrbereit. Ein 52-jähriger Fahrzeugführer wurde zum Glück nur leicht verletzt.

Straßen gesperrt

Zahlreiche Straßen im Kreisgebiet mussten voll gesperrt werden:

  • Lübbecke, B 239, Berliner Straße, in Höhe Barre Bräu
  • Porta Westfalica-Barkhausen, Freiherr-Vom-Stein-Straße
  • Porta Westfalica-Eisbergen, Aue , Sperrung ab Brücke Eggersmann
  • Preußisch Oldendorf, Bergstraße
  • Espelkamp, Fabbenstedter Straße in Höhe Hausnummer 50
  • Hüllhorst-Schnathorst, Schnathorster Straße/Bergstraße

Stromausfall in Espelkamp

Erst in den frühen Morgenstunden des Samstags soll sich Zeynep verabschieden. "Kopf einziehen und abwarten bis der Spuk vorbei ist", rät Friedrich Föst.

Das ganze Ausmaß des Orkans wird man wohl dann erst feststellen können. Es wurde jedoch bereits in den Abendstunden von Stromausfällen, etwa in Frotheim und Gestringen, und zahlreichen umgeknickten Bäumen berichtet. 

Die Löschgruppe Haldem-Arrenkamp war unter anderem an der Süster Straße, in der Nähe der Grundschule Haldem, im Einsatz.

In Rahden sollen Dachpfannen auf Straßen liegen, etwa auf der Gerichtsstraße in der Nähe der Eisdiele. In Espelkamp waren seit 16.30 Uhr 70 Feuerwehrleute im Einsatz. Unter anderem musste eine Stromleitung von einem Baum befreit werden.

Auch in Preußisch Oldendorf hatte die Löschgruppe Preußisch Oldendorf bis 1 Uhr am Samstag mit einigen umgestürzten Bäumen, herunter gefallenen Dachziegeln und zwei beschädigten Autos zu tun.

Realschul-Dach beschädigt

Die örtliche Einsatzleitung der Feuerwehr in Bad Oeynhausen ist seit 16 Uhr in der Feuerwache an der Königstraße einsatzbereit. Bis 21.30 Uhr gab es 25 Einsätze. Dabei wurde auch das Dach der Realschule Nord beschädigt. 70 Einsatzkräfte mussten ausrücken - Haupt- und Ehrenamtliche. "Vor allem für die Ehrenamtlichen ist es der zweite Abend in dieser Woche, den sie nicht mit ihren Familien verbringen können, weil sie für unsere Sicherheit sorgen. Beherzigen Sie bitte den Rat der Feuerwehr und vermeiden Sie in den nächsten Stunden den Aufenthalt im Freien. Danke an alle Einsatzkräfte - kommt gut durch die Nacht!", schreibt die Feuerwehr auf ihrer Facebook-Seite.

Baum fällt auf Dach und droht auf B61 zu stürzen

Die Freiwillige Feuerwehr Porta Westfalica  ist ebenfalls erneut zu einer Vielzahl von sturmbedingten Einsätzen alarmiert worden, wie von dort mitgeteilt wurde. Der Orkan "Zeynep" zog über das Stadtgebiet und sorgte für eine einsatzreiche Nacht. Im Verlauf des Orkans mussten insgesamt 24 Einsatzstellen bis 1 Uhr abgearbeitet werden. 90 Einsatzkräfte waren im Einsatz. Die Einsatzstellen lagen im Stadtgebiet verteilt, es handelte sich überwiegend um umgestürzte Bäume, die beseitigt werden mussten, hieß es weiter. Eine besondere Einsatzstelle befand sich an der Freiherr-vom-Stein-Straße/B61 zwischen Barkhausen und Dehme. Hier war ein Baum auf ein Haus gefallen, weitere Bäume an der Straße waren instabil und hatten sich ineinander verkantet. Sie drohten auf die B61 zu stürzen, diese wurde daraufhin durch die Polizei gesperrt. Während des Sturmes waren Fällarbeiten hier nicht möglich.

Böenticker von Meteorologe Föst

Meteorologe Friedrich Föst hat ab Freitagabend bis in die Nacht einen "Böenticker von der Wetterstation Lübbecke" auf seiner Facebook-Seite gepostet:

  • 17 Uhr: 118,5 km/h, Orkanböe (Windstärke 12)
  • 18 Uhr: 91 km/h, schwere Sturmböe (Windstärke 10)
  • 19 Uhr: 107 km/h, orkanartige Böe (Windstärke 11)
  • 20 Uhr: 107 km/h, orkanartige Böe (Windstärke 11)
  • 21 Uhr: 124 km/h, Orkanböe (Windstärke 12) und damit ist Orkan FriederikeE getoppt!
  • 22 Uhr: 93 km/h, schwere Sturmböe (Windstärke 10)
  • 23 Uhr: 98 km/h, schwere Sturmböe (Windstärke 10)
  • 0 Uhr: 106 km/h, orkanartige Böe (Windstärke 11)
  • 1 Uhr: 98 km/h, schwere Sturmböe (Windstärke 10)

Föst ordnet den Orkan Zeynep ein: "Zeynep war der erwartet schwere Sturm, der über den Mühlenkreis hinweggefegt ist. Verbreitet gab es orkanartige Böen bis hin zu Orkanböen. Die stärkste Böe wurde an der Wetterstation Lübbecke mit 124 km/h gemessen. Auffällig war auch die lange Dauer des Sturms vom späten Freitagnachmittag bis zum darauffolgenden frühen Samstagmorgen.

Der Orkan Zeynep war somit das stärkste Sturmereignis im Mühlenkreis seit dem Orkan Kyrill im Jahr 2007 und übertraf sogar an Ausdauer und Intensität den Orkan Friederike vor vier Jahren - zumindest vom meteorologischen Standpunkt aus. Die derzeitige Häufung von Stürmen bei uns ist in dieser Form zwar selten, aber nicht außergewöhnlich.

Jetzt am Ende des nordhemisphärischen Winters herrschen große Temperaturunterschiede: Durch die lange Polarluft ist in der Arktis maximal kalt, während sich gleichzeitig aus den Subtropen warme Frühlingsluft nach Norden ausbreitet. Dabei entstehen gerade auf dem Atlantik einige Sturm- und Orkantiefs. Gleichzeitig liegt der Jetstream (ein Starkwindband in 9 bis 10 Kilometer Höhe) direkt über Mitteleuropa. Die Sturmtiefs orientieren sich an der Lage des Jetstreams, so dass gerade wie an einer Perlenschnur aufgereiht, ein Sturmtief nach dem anderen unsere Region erreichen kann. Im Laufe der kommenden Woche beruhigt sich die Wetterlage aber wieder."

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