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Walter Seger spricht im Wittekind-Gymnasium über Lübbecke während der Nazi-Zeit

Ein Vortrag gegen das Vergessen

Lübbecke

„Nazizeit in Lübbecke – nur lebendige Erinnerung schützt“, so ist ein Vortrag von Walter Seger am Mittwoch, 18. Mai, um 19 Uhr im PZ des Wittekind-Gymnasiums überschrieben.

Walter Seger aus Lübbecke hat 2017 ein Buch über Personen und Ereignisse in seiner Heimatstadt zwischen 1933 und 1945 veröffentlicht. Es trägt den Titel „Wiederaufnahme“.

Der Lübbecker Walter Seger hat im Jahr 2017 ein Buch über Personen und Ereignisse in seiner Heimatstadt zwischen 1933 und 1945 veröffentlicht. Es trägt den Titel „Wiederaufnahme“. Seger will mit seinem Buch erinnern an die Entrechtung, Verfolgung, Vertreibung und Verschleppung Andersdenkender, Andersgläubiger und der Menschen, die im Altkreis Lübbecke den Mut hatten, in den Jahren 1933 bis 1945 gegen den Strom zu schwimmen.

Er erläutert: „Die Nationalsozialisten hatten im Altkreis Lübbecke eine große Anhängerschaft. Zum ehemaligen nationalsozialistischen Machtgefüge des Landkreises werde ich eine Übersicht geben. Ein breites Feld in dem Vortrag nehmen meine Forschungen zu den ehemaligen jüdischen Bewohnern von Lübbecke ein.“

Bei der überwiegenden Zahl der 66 jüdischen Lübbecker sei es gelungen, den Lebens- und Leidensweg nachzuvollziehen. Im Weiteren lege er ein besonderes Augenmerk auf die in Lübbecke erfolgte „Arisierung“, auf den zwangsweisen Verkauf jüdischer Betriebe und Geschäfte weit unter dem tatsächlichen Wert. Gut laufende Unternehmen jüdischer Eigentümern wurden so an Käufer abgegeben, die nach der Rassenideologie der Nationalsozialisten „Arier“ waren. Seger betont, er habe in seinem Buch versucht, an diese zu erinnern und so vor dem Vergessen zu bewahren.

Anhand von Quellen zeichnet er außerdem nach, wie der rücksichtslos agierende ehemalige Kreisleiter der NSDAP und der seine preußischen Tugenden in den Vordergrund stellende ehemalige Landrat im Kreis Lübbecke die nationalsozialistischen Vorhaben mit großem Engagement und unnachgiebig in die Tat umsetzten. Auch wird die Frage beantwortet, wo sich der ehemalige Kreisleiter der NSDAP von März 1945 bis Anfang 1950 versteckt hielt.

Seger möchte dazu beitragen, „dass Vergangenes nicht vergessen wird“, auch indem er Parallelen zu aktuellen Ereignissen aufzeigt und analysiert. Die oft unzulängliche juristische Aufarbeitung des Unrechts und die seiner Meinung nach zur Farce geratenen Entnazifizierungsverfahren im Nachkriegsdeutschland sind ein weiteres umfassendes Thema dieses Buches.

„Ich freue mich sehr“, so Dr. Eberhard Hagemeier, Leiter des Wittekind-Gymnasiums, „dass wir mit diesem Vortrag junge Leute aus dem Berufskolleg, der Stadtschule und dem Wittekind-Gymnasium ansprechen können, die sich schulübergreifend auf den Vortrag mit anschließender Diskussion vorbereitet haben.“

Das Bündnis „Lübbecke zeigt Gesicht“, das diese Veranstaltung mitträgt, lädt interessierte Lübbecker Bürger zur Teilnahme ein, so Michael Hafner. Der Eintritt ist frei. Im Gebäude besteht Maskenpflicht.

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