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Ausschuss: Rege Diskussion um den Bau der Umkleidekabinen für den Sportplatz am Hindenburgring

500.000 Euro – eine Hausnummer

Espelkamp

Der Bau neuer Umkleidekabinen am Hindenburgring-Sportplatz soll mit Fördermitteln realisiert werden. Es geht um eine halbe Million Euro. Allerdings schätzt die Verwaltung den Erfolg eines Förderantrags als gering ein.

Felix Quebbemann

Wilfried Windhorst, CDU Foto: Felix Quebbemann

Sollen die Umkleide- und Duschkabinen für den neuen Sportplatz am Hindenburgring letztlich aus Eigenmitteln der Stadt bezahlt werden oder soll versucht werden, die Baukosten zum Großteil mit öffentlichen Fördergelder zu decken?

Peanuts

Mit dieser Frage beschäftigte sich der Stadtentwicklungsausschuss. Dass es bei der Frage nicht um Peanuts geht, machte Thorsten Blauert, Fachbereichsleiter Stadt­entwicklung, in seinen Ausführungen deutlich.

Denn die Kosten werden auf etwa eine halbe Million Euro beziffert. Die Stadt habe bereits einen Antrag für das Bund-Länder-Programm „Investitionspakt zur Förderung von Sportstätten“ gestellt. „Diesem wurde aber nicht entsprochen“, erläuterte Wilfried Windhorst, CDU-Ausschussvorsitzender, einleitend.

Blauert wurde genauer. Von 100 eingereichten Anträgen seien lediglich acht positiv beschieden worden. Er schätzt die Chancen auf eine Förderzusage in diesem Jahr noch geringer ein. 2021 gebe es wahrscheinlich noch mehr Förderanträge. „Die Mittel haben sich aber von fünf auf vier Millionen Euro verringert. Die Aussicht auf Erfolg ist gering.“ Ein positiver Bescheid würde zudem erst 2022 eintreffen. Und dadurch würde sich der Bau der Umkleidekabinen nochmals verzögern. Denn es müssten – vorausgesetzt der Antrag wird positiv bedacht – noch einmal Planungsleistungen ausgeschrieben werden. Dadurch käme es zu einer Verzögerung von etwa zehn Monaten, so Blauert. „Das muss man abwägen“, betonte der Fachbereichsleiter.

Gerd-Udo Sasten

Windhorst erklärte, dass 500.000 Euro „schon eine Hausnummer“ sind. Der Sportplatz am Hindenburgring soll im Sommer 2021 bespielbar sein. Windhorst sagte, es müsse eine Übergangslösung (zum Beispiel Duschen und Umziehen in einer nahen Sporthalle oder im Albert-Pürsten-Stadion) geben, so dass der Sportplatz auch genutzt werden könne, wenn die Umkleidekabinen noch nicht da sind. Seine Fraktion würde eine zehnmonatige Verlängerung bei der Bauzeit der Kabinen in Kauf nehmen. Mit Blick auf die Haushaltsentwicklung – dort mussten Rücklagen entnommen werden, um die Bilanz auszugleichen – und die noch vorherrschende Corona-Pandemie befürworte die CDU einen weiteren Versuch, die Förderung zu erhalten. Man müsse auch ein Signal setzen, so Windhorst. Es sei vertretbar, auf die Förderung zu warten. Wenn dies jedoch nicht klappe, würden die Kabinen trotzdem gebaut – dann aus Haushaltsmitteln. „Das ist unsere Zusage.“

Jens Bölk (SPD) war anderer Meinung. Man müsse fair sein gegenüber dem Sportverein – in diesem Fall Türk Gücü. Er plädierte dafür, unabhängig von der Förderung mit dem Bau zu beginnen.

Ein Förderantrag ist an Bedingungen geknüpft und muss vor Baubeginn gestellt werden. Ist ein Bau schon zu weit fortgeschritten, besteht die Gefahr, dass die Fördermöglichkeit erlischt.

Bölk machte darauf aufmerksam, dass fehlende Umkleidekabinen nicht nur die heimische Mannschaft beträfen sondern auch das Gäste-Team und die Schiedsrichter. Die müssten dann mit „dreckigen Klamotten“ hin- und herfahren. Da die Förderwahrscheinlichkeit auch gegen Null tendiere, sollte man „den Bau auf den Weg bringen“.

Gerd-Udo Sasten (CDU) gab zu bedenken, dass man nicht einfach 500.000 Euro beiseite schieben könne. „Das werden uns die Bürger nicht verzeihen.“

Gespräche

Bürgermeister Henning Vieker erklärte, dass es Gespräche mit dem Verein gegeben habe. Die Vertreter seien natürlich über eine mögliche Verzögerung nicht erfreut gewesen. „Aber eine halbe Million Euro ist eine Menge Geld. Da kann man auch im Bereich des Sports eine Menge machen“, sagte Vieker. Daher plädierte er für einen erneuten Förderantrag. Auch beim Freibad habe man auf eine Förderung gewartet.

Florian Craig (Grüne) sagte zwar, dass das Duschen nach einem Spiel „das Mindeste“ sei. Aber 500.000 Euro seien nicht zu verachten.

Im Falle einer Förderzusage rechnete Thorsten Blauert kurz die mögliche Zeitschiene bis zur Fertigstellung durch. „Planen und Bauen dauert zwei Jahre.“ Sollte es eine Förderzusage geben, kämen noch einmal zehn Monate hinzu.

Horst Radtke

Dem Vorschlag, die Mannschaften in den benachbarten Containern des Flüchtlingswohnheims duschen zu lassen, musste seitens der Verwaltung eine Absage erteilt werden. Das Wohnheim sei belegt und habe keine Duschkapazitäten frei.

Horst Radtke (FDP) bezeichnete die Problematik als Spagat. „Wir sollten aber nichts unversucht lassen, an die Förderung zu kommen.“ Paul-Gerhard Seidel (Unabhängige) machte wie weitere Ausschussvertreter den Vorschlag, trotz eines Förderantrags einen vorzeitigen Planungs- und Baubeginn hinzubekommen.

Enthaltungen

Thorsten Blauert versprach, trotz eines Förderantrags den Bau so schnell wie möglich zu beginnen.

Bei vier Enthaltungen – unter anderem von SPD und Grüne – wurde dafür gestimmt, einen weiteren Förderantrag für die Umkleidekabinen zu stellen und somit eine Verzögerung beim Bau in Kauf zu nehmen.

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